Eine Million Mal Omm

Max Simon aus Los Angeles will bis zum Jahr 2010 eine Million Menschen zum Meditieren bringen - nach seiner Methode
philipp-mattheis

Es gibt auf der Welt nur ganz wenige Dinge und Personen, über die man nichts Schlechtes sagen kann. Atmen zum Beispiel, aber das ist ein bisschen trivial. Über Mahatma Gandhi liest man auch nie etwas Negatives. Das liegt mitunter daran, dass Gandhi sich sehr auf seinen Atem konzentriert hat. Gandhi hat meditiert und Meditation ist auch etwas, über das man nichts Negatives schreiben kann. Wer etwas anderes behauptet, der hat es noch nie ausprobiert. Menschen, die meditieren, sind ausgeglichener, freundlicher, ruhiger und weniger gestresst. Max Simon, 26, sagt: Sie sind authentischer. Max hat eine Mission: Er will bis zum Jahr 2010 eine Million Menschen zum Meditieren bringen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dazu hat er die Website www.getselfcentered.com gegründet und tourt durch die Vereinigten Staaten. „Oft in unserem Leben verhalten wir uns so, wie es andere von uns erwarten – oder wie wir meinen, dass es andere von uns erwarten. Meine Technik erlaubt Dir, der zu werden, der Du bist. Wenn du deinen Geist beruhigst, wird dir klarer, wer Du eigentlich bist und wie Du dein Leben führen möchtest.“ Max spricht in diesem typisch kalifornisch-nasalen Singsang, der für europäische Ohren immer ein bisschen arg nach Sonne und Kaugummi klingt: „Ich will auf keinen Fall eine neue Religion gründen. Ich will Menschen helfen, das aus ihren Leben zu machen, was sie wollen. Ich habe eine wunderschöne Technik entwickelt, die ich mit anderen Menschen teilen möchte.“ Max will Meditation cool machen. Deswegen entrümpelt er: Das Vokabular, das Personal, das Image. Lehrer heißen nicht Lehrer, sondern „Awareness Architects“ und gemeinsame Treffen werden „Pleasure Loves Company Gathering“ genannt. Wer seine Website besucht, trifft dort keine Mönche in Roben, keine Mandalas und keine Gebetsmühlen. Stattdessen erzählen junge Menschen, wie wahnsinnig gerne sie meditieren: „I like to do it everywhere“, sagt ein Mädchen und schiebt seine Zunge über den rechten Mundwinkel. „In the bed, on the couch. I’ve even done it on an airplane.“ Ein junger Mann mit Schirmmütze schwärmt: „I like to do it … with music.“ Am Ende des Trailers kommt Max. Auf seinem T-Shirt steht: “Meditation – it is not what you think.”

„Wir wären alle glücklicher!“ Max Simon auf die Frage, was passieren würde, wenn alle Menschen auf der Welt meditierten. Das ist insofern doppeldeutig, als es beim Meditieren ja vor allem darum geht, nichts beziehungsweise so wenig wie möglich zu denken. Und außerdem geht es um Max’ selbst entwickelte „Self-Centered“-Methode. Wie genau diese Technik funktioniert, will Max nicht sagen. Nur soviel: Die Methode basiert auf der klassischen Version, bei der der Meditierende sich sitzend auf seinen Atem konzentriert, wurde aber von Max an die Anforderungen des modernen Lebens angepasst. Nach seiner Methode meditiert man mindestens zweimal täglich für 15 Minuten. Ein Werbespot mit Max:

„Meditation ist eine Technik, die Dir hilft, den Geist zu beruhigen und deinen Körper zu entspannen. Du verbindest Dich mit Deinem Inneren.“ Mit Religion hat das alles nichts zu tun. Die Technik ist ohnehin schon längst vom religiösen Kontext, aus dem sie ursprünglich stammte, entkoppelt. Dass Meditation hilft, wird auch von wissenschaftlicher Seite bestätigt: Bei Viel-Meditierern wie tibetischen Mönchen wurden eine höhere Aktivität im linken Stirnhirnlappen und verstärkte Gamma-Wellen nachgewiesen. In Max’ Kopf müssen mittlerweile ziemlich starke Gamma-Wellen am Rauschen sein. Zum ersten Mal meditierte er im Alter von vier Jahren. Seine Mutter Julia Simon unterrichtet Transzendentale Meditation – eine Methode, auf die auch die ziemlich skurrile Vereinigung der Yogischen Flieger schwört und deren prominentester Vertreter Regisseur David Lynch ist. Im Alter von 22 Jahren wurde Max zum jüngsten Yoga- und Meditationslehrer der Geschichte. Moment – zum jüngsten Lehrer in der Geschichte des Chopra Center for Wellbeing, dessen Mitgründer, David Simon, Max’ Vater ist. „Unser Hauptziel ist es, Awareness Architects auszubilden“, sagt Max. „Damit die wiederum andere Leute lehren können und wir unserem Ziel eine Million bis 2010 näherkommen.“ Dagegen lässt sich wirklich überhaupt nichts einwenden. Jeder kann machen, was er will und in den USA erst recht. Höchstens vielleicht, dass der Weg zum inneren Frieden, also Max' Seminar, minimum 100 US-Dollar kostet. Aber Jesus würde heute bestimmt auch ein paar Euro pro Segnung verlangen. In den USA sowieso. Auf der Getselfcentered-Website jedenfalls wird Max von Guru Deepak Chopra M.D. eine große Zukunft bescheinigt: "Max has been immersed in the teaching of consciousness his entire life. I believe he is a perfect example of a leader for the next generation." Allerdings: Deepak Chopra ist auch der Partner von Max' Vater und Gewinner des Anti-Nobelpreises. Den vergibt die Universität Harvard für unnütze, unwichtige oder skurrile wissenschaftliche Arbeiten. *** Ein ganzes jetzt.de-Magazin zum "Glück" - hier findest du die Übersicht.

Text: philipp-mattheis - Foto: www.getselfcentered.com

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