Eis and the city

Alle bibbern wegen der Sibirienkälte, auf den Straßen laufen die Menschen eingewickelt in drei Wintermäntel und haben vier Sturmhauben über das Gesicht gezogen. Im Fernsehen stellt jede Boulevard-Sendung Eis-Hotels vor und Reporter interviewen Rentner am Glühweinstand, denen es dort „bestimmt nicht kalt wird.“ Hoffentlich wird es schnell wieder warm, denkt die Nation. Dieser Denkansatz ist verständlich, aber falsch. Was lässt sich nicht alles aus dieser Kälte machen! Dinge, die sonst niemals möglich wären. Hier drei gute Ideen.
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Illustration: Julia Schubert

1. Solltest du in einer großen Stadt leben, dann fahre in das am weitesten entfernte Stadtviertel und besuche einen Supermarkt. Dort suchst du das Kühlregal auf und kaufst dir anschließend einen Stapel Tiefkühlpizza. Du bezahlst, ziehst dir wieder die Polarhandschuhe an, nimmst den Pizzastapel in die Hand und gehst zu Fuß so lange es dir möglich ist oder „so weit die Füße tragen“ zurück zu deiner Wohnung. Dabei freust du dich immer wieder diebisch darüber, dass man so etwas im Sommer nie machen könnte. 2. Sollte es dir auf deinem Fußweg langweilig werden: Kein Problem! Du musst nur erahnen, welcher Hundehaufen schon länger abgelassen wurde. Bei neuen Haufen solltest du mit einem vorher entleerten Pizzakarton prüfen, ob er sich für dein Vorhaben eignet. Reagiert er auf Druck, indem seine Oberfläche nachgibt, dann braucht er noch Zeit. Wenn er sich aber festgefroren und unnachgiebig gibt, dann ist er perfekt für dich. Nimm zehn Schritte Anlauf und springe mit Schwung mitten in den Haufen. Ja, manchmal kann es ein Vorteil sein, in der Hundehauptstadt zu wohnen. 3. Neue Freunde gewinnst Du in dieser Kältewoche ebenfalls auf einfachste Art und Weise. Bewege dich auf deinem Heimweg vom Supermarkt bevorzugt durch Gegenden mit Abbruchhäusern. Oder spaziere einfach ein wenig durch Sidos oder Bushidos Heimat, das Märkische Viertel. Wie man aus den Videos weiß, regieren hier echte Gangster die Straßen, cruisen mit ihren S-Klasse-Limousinen durch die Gegend und säen Mord und Totschlag, wenn sie nicht gerade im Märkischen Zentrum hervorragendes Spaghetti-Eis essen. Wenn du hier plötzlich Hunger bekommen solltest, spreche einfach ein paar Jugendliche an und bitte sie, dir zu helfen, den Gullydeckel rauszuwuchten. Diesen Deckel legst du nun zusammen mit deinen neuen Freunden auf einer der herumstehenden brennenden Mülltonnen ab, packst zwei deiner Pizzen aus und platzierst diese auf dem rotglühenden Gullyeisen. Servierfertig sind die Pizzen, wenn der Käse goldgelb ist und es gut nach Pizza duftet.

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