Female Future

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Dirk Schmidt Die Gleichstellung von Frauen sei ja so wichtig und weibliche Kompetenz in Unternehmen sowieso das Beste, was einem Chef passieren könne. Gern verwendete Floskeln sind das, die Politiker und Unternehmen jedes Jahr zur Weihnachtsfeierrede ausgraben. Aber eben nicht mehr. Wir haben jetzt zwar eine Bundeskanzlerin, aber sonst bleibt alles wie gehabt: Frauen werden in Deutschland diskriminiert. Obwohl 25- bis 30-jährige Frauen in Deutschland heute eine höhere schulische Bildung haben als Männer gleichen Alters und obwohl mittlerweile genauso viele Frauen wie Männer einen Hochschulabschluss haben, regiert auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor das „Old Boys Network“, wie der Frauendatenreport der Hans-Böckler-Stiftung herausgefunden hat. Zwar arbeiten immer mehr Frauen – mittlerweile sind fast die Hälfte aller Beschäftigten weiblich – aber viele jobben nur halbtags oder sind als geringfügig Beschäftigte eingestellt. Seit 1991 haben 1,6 Millionen Frauen ihre Vollzeitstelle verloren, während die Zahl der Teilzeitbeschäftigungen um 1,8 Millionen zugenommen hat. In die Vorstandsetagen und Aufsichtsräte scheint man nur dann reinzukommen, wenn man Liz Mohn oder Friede Springer heißt und in ein Familienimperium eingeheiratet hat. Hochschlafen scheint also immer noch die effektivste Methode zu sein, um Karriere zu machen. Aber das ist noch nicht alles an Ungerechtigkeit: das Jahreseinkommen der männlichen Kollegen liegt im Schnitt um ein Viertel höher als das von Frauen, ganz gleich ob man nach Ausbildung, Alter oder Branche sortiert. Unter den Universitätsabsolventen ist die Einkommensdifferenz sogar am höchsten. Der Abstand zwischen Männer- und Fraueneinkommen ist damit innerhalb der EU nur in Estland und in Slowenien größer. Und das größte Ärgernis: Es empört sich nicht einmal mehr jemand über diesen Skandal. Auch die Bundeskanzlerin wird wahrscheinlich nur müde mit den Schultern zucken, sich mit der Autonomie der Unternehmen oder ähnlichem rausreden und zuletzt auf ihre neue Familienministerin von der Leyen verweisen, die das doch auch so prima hinkriegt mit Kindern und Karriere und so. Dabei kann der Staat sehr wohl etwas tun, um Frauen bei der Karriere zu helfen, wie Norwegen gerade zeigt. Dort wird nicht länger gelabert, sondern gehandelt: Ab 1. Januar 2006 müssen börsenorientierte Unternehmen 40 Prozent ihrer Sitze im Aufsichtsrat mit Frauen besetzen. Sie haben dafür zwei Jahre Zeit, sonst drohen Strafen. Um die Firmen zu unterstützen, hat die norwegische Regierung extra eine Datenbank mit über 4.000 kompetenten Frauen angelegt, und der norwegische Industrieverband hat mit dem Projekt „Female Future“ bereits angefangen, weibliche Führungskräfte auszubilden. Derzeit glaubt zwar niemand, dass ein Unternehmen zerschlagen werden könnte, wenn es die Quoten nicht erfüllt, aber Norwegens Familienministerin Karita Bekkemellem betont: Die Stunde der Wahrheit ist gekommen. Gesetze müssen befolgt werden.

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