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Flohkiste, Bussi Bär und Co. - wie das Zeitungslesen anfängt.

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Flohkiste

Die Flohkiste war ein Heft, das irgendwie stets von selbst bei uns ins Kinderzimmer kam, jedenfalls war es immer da. Ich habe allerdings überhaupt keine Erinnerung daran, was da so zu lesen war, ich kann mich nur noch an die Witze erinnern. Die standen auf der Umschlagseite hinten und waren – natürlich – wahnsinnig komisch. Ich glaube, diese Witze habe ich jahrelang fünfmal am Tag gelesen, jedenfalls sehe ich manche noch heute vor mir, wie sie da stehen. Und immer, wenn heute einer den museumswürdigen Satz: „Erzähl doch mal einen Witz.“, zu mir sagt, muss ich an diese Witzeseiten der Flohkiste denken. Das Maskottchen der Flohkiste war allerdings äußerst unlustig, eine Art Springteufel, der nur aus einem borstigen Kugelgesicht bestand. Unbedingt vergleichbar mit dieser hüpfenden Büroklammer von Windows. Dass das der Floh und was überhaupt eine Flohkiste sein soll, habe ich als Kind nie verstanden und heute auch nicht. Trotzdem sieht das Maskottchen bis heute genau gleich aus - das ist ja fast schon wieder rührend. max-scharnigg *** Medizini

Diese bedeutende Publikation gab der freundliche Herr Apotheker meiner Mutter mit, wenn sie wieder diese grässlichen Dörrobst-Fruchtschnitten kaufte. Ich kramte es aus ihrem Einkaufskorb – aber wirklich erst wenn alle anderen Spaßquellen versiegt waren. Die Medizini meiner Kindheit war eine Art Faltblatt, auf dessen einer Seite ein großes Fotoposter war – freilich mit jeder Menge Knickfalten. Auf diesem Poster war immer ein Tier abgebildet. In meiner Erinnerung waren es vor allem Feld- und Haselmäuse, die an einem Apfel knabberten. Etwas richtig Cooles, also etwa ein Löwe, der eine Antilope klatscht oder so, war aber natürlich nie dabei. Auf der anderen Seite der Haselmaus gab es wohl ein Potpourri aus Kinderlektüre und „Spielen“, das immer einen leicht salbungsvollen Überbau hatte und auch mal Tipps gegen Grippe enthielt, oder wie man die Bakterien im Mund bekämpft. Die Medizini roch immer nach Traubenzucker und war in etwa auch so aufregend. Erscheint heute immer noch und nennt sich selbst "das begehrte Postermagazin für Kinder" - in einer Auflage von 1,79 Millionen Exemplaren. fabian-fuchs *** Bimbo

Das erste und letzte Zeitschriftenabonnement meines Lebens war die „Bimbo“. In der Grundschule wurde uns eines Tages ein Abo aufs Auge gedrückt, in der Hoffnung, uns auf diese Weise vom Fernseher wegzuholen. Zur Auswahl standen Flohkiste, Stafette, Tierfreund und "Bimbo". Warum ich mich gerade für Letztere entschied, ist mir nicht in Erinnerung. Wahrscheinlich fand ich den Namen lustig. Dass der Titel wohl irgendwie daneben war, merkte ich erst, als sich mein Vater darüber lustig machte. Auf den ersten beiden Seiten gab es immer eine illustrierte Geschichte über den Elefanten Bimbo zu lesen. Was danach kam, weiß ich nicht mehr, weil ich etwa zur selben Zeit die Micky Maus entdeckt hatte. Abgesehen davon, dass ich das Heft blöd fand, wurde die Bimbo irgendwann zum Problem. Schon wieder hatten wir die Frist für die Abonnementkündigung verpasst, und der ungelesene Bimbostapel verstaubte auf dem Fensterbrett in meinem Kinderzimmer. Und als ob dieser Lifetime Supply noch nicht genug gewesen wäre, vermachte mir eine Bekannte meiner Eltern auch noch die Bimbo-Sammlung ihres Sohnes. „Na, wie sagt man da?“ - „Daanke!“. Nichtsdestotrotz landete die Bimbo-Bibliothek irgendwann zusammen mit meiner Coladosen- und Bierdeckel-Sammlung im Müll. Heute hätte ich fast mal wieder Lust das Heft zu lesen. Meine eigenen Ausgaben sind zwar schon lange im Altpapier-Nirwana, doch gibt es die "Bimbo" immer noch. Es ist zwar äußerlich nicht wiederzuerkennen, doch der Titel ist tatsächlich derselbe geblieben. michael-mettke


Bussi Bär

Seit Jahren plagt mich eine Frage, die ich heute endlich einer Antwort zuführen kann: Denn nach den vorangegangenen Erzählungen der Kollegen über ihre Kindheits-Lektüre weiß ich, warum so viele Menschen, die über Magazine sprechen, diesen einen unbegründeten weiblichen Artikel verpassen: Sie sagen „die Neon“ oder „die GQ“ - weil sie es im Kindergarten und der Grundschule so gelernt haben. Aber damit nicht genug, ich weiß jetzt auch endlich, warum mich diese Verweiblichung des grammatikalisch sächlichen Magazins so stört: Es liegt an meiner Kindheits-Lektüre. Die war nämlich zweifelsfrei männlich: ein Bär, das ist klar, ist männlich – selbst wenn es ein Bussi Bär ist. Dieser bot angeblich „liebevolle Geschichten, einen tollen Bastelbogen, Malbilder, Labyrinth, Reime, interessante Rechenspiele, Kochideen für gesunde Ernährung, Tier- und Naturinformationen, Spiel- und Bastelideen“. Das Problem: An nichts aus dieser Reihe kann ich mich erinnern. Selbst den korrekten Namen des kleinen blauen Begleiters (Bello Blue) musste ich nachschauen. Vielleicht weil der blaue Hund neben dem orangefarbenen Bären wirkt wie der blaue Elefant aus der Sendung mit der Maus neben eben dieser. Vielleicht aber auch, weil für mich die aktuelle Ausgabe des Monatstitels viel zu häufig das war, was dicke Magazine auch heute für mich sind: ein guter Vorsatz. Sie kommen regelmäßig, liegen schmückend auf dem Tisch und warten darauf gelesen zu werden. Viel zu oft fehlt mir dazu die Zeit. Zum Glück weiß ich jetzt, dass dies nicht an meiner mangelnden Struktur, sondern an frühkindlicher Leseprägung liegt. dirk-vongehlen *** Knax

Wir wohnten auf dem Land und damals war es mit der Mobilität nicht weit her. Jeden Freitag kam deshalb die Sparkasse auf Rädern: Ein Außendienstmitarbeiter mit dicker Tasche nahm die Überweisungsträger meiner Eltern entgegen und diente ihnen im Gegenzug Bausparverträge an. Für mich war er der Knax-Bote. Das Heft war die Micky Maus für Arme – geringerer Umfang, kostenlos und trotzdem bunt. Das damals schwach ausgeprägte Renomee des Heftes machten die Knalloballo-Namen der Figuren wett. Bis heute sind die Kreationen im Bereich des Corporate Publishing-Comic unerreicht: Das Knax-Dorf, gelegen auf einer Insel, wird vom immermüden Wächter Schlapf bewacht. Das Bauernehepaar, das das Dorf mit frischen Lebensmitteln versorgt, hört auf die Namen Pomm-Fritz und Pomm-Friedel, während ein Zwillingsbruderpaar, das seinen Unterhalt mit Zimmermannsjobs und Fischfang bestreitet, die Namen Backbert und Steuerbert trägt. Die ewigen Widerparts der Knaxianer sind auf Burg Fetzenstein zu finden. Die fünfköpfige Räuberbande um ihren Vorstand Fetz Braun besteht aus Brunhold, Langbart, Zipfel und Mampf. Wie nicht anders zu erwarten, suchen sie das rechtschaffene, manchmal arg streberhafte Knax-Dorf zwecks Überfall und Fressalien heim und werden stets in die Flucht geschlagen. Meist hat Obergscheithaferl und Rotschopf Didi damit zu tun. Er wäre in einem menschlichen Leben in der Studienstiftung des deutschen Volkes und sorgt dafür, dass die Dorfbelegschaft am Ende jeder Geschichte tüchtig was zu feiern hat. Rückblickend ist Knax ein Täglich-grüßt-das-Murmeltier-Heftchen, in dem Fetz Braun seine Mannen routiniert ins Dorf runtertreibt, um dann doch als Depp nach Hause zu gehen. Eine simple aber schöne Konstante in einem jungen Sparkassensparerleben. Peter Wagner

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