Geheimdienste - langsam völlig ballaballa?

Die größte Gefahr geht in den Augen der Geheimdienste scheinbar nicht mehr von Terrorosten, Entführern und anderen Verbrechern aus, sondern von kritischen Kulturschaffenden.
caroline-vonlowtzow
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Illustration: Julia Schubert

Die größte Gefahr geht in den Augen der Geheimdienste scheinbar nicht mehr von Terrorosten, Entführern und anderen Verbrechern aus, sondern von kritischen Kulturschaffenden. Auf diese richten sie derzeit jedenfalls verstärkt ihr Augenmerk. Erst vor kurzem hat die englische Polizei die Schauspieler des Films „Road to Guantanamo“, der gerade mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet worden ist, am Flughafen in London gestoppt, verhört und ihnen dabei sehr seltsame Fragen gestellt. Nun hat es Sänger Morrissey erwischt. Nachdem er die britische sowie die amerikanische Regierung wegen ihrer Irak-Politik kritisiert hat, wurde er sowohl vom FBI als auch vom britischen Geheimdienst befragt. Der Brite und ehemalige The Smiths-Sänger ist bekannt für seine ablehnende Haltung zum Irak-Krieg und hat US-Präsident Bush bereits als Terrorist bezeichnet. Dass er von den Behörden zur Befragung einbestellt wurde, darüber war er aber wohl doch verblüfft. Morrissey sagte zu dem Vorfall, das FBI habe Nachforschungen gegen ihn angestellt, ihn ausgefragt und seine Aussage aufgenommen. „Sie wollten herausfinden, ob ich eine Gefahr für die Regierung bin. In England war es ganz ähnlich. Sie haben allerdings nicht lange gebraucht, um zu merken, dass ich das nicht bin.“ Schließlich, so Morrissey weiter, gehöre er weder einer politischen Gruppe an, noch demonstriere er in der Öffentlichkeit. Er sage noch nicht einmal etwas darüber, es sei denn man frage ihn direkt. Das heißt aber nicht, dass er mit den Verhältnissen zufrieden ist. Im Gegenteil: Meiner Meinung nach sind weder die USA noch Amerika demokratische Gesellschaften. Man kann nicht wirklich offen seine Meinung sagen und wenn man es macht, wird man ausgeforscht.“ Misstrauen gegen Künstler mit einer eigenen politischen Meinung ist zumindest in den USA nichts Neues. Während der McCarthy-Zeit wurde dem afro-amerikanischen Sänger und USA-Kritiker Paul Robeson zum Beispiel der Pass entzogen, damit er im Ausland nicht mehr schlecht über die Vereinigten Staaten sprechen konnte. Und die „Hollywood Ten“, zehn Schauspieler, Regisseure und Drehbuchautoren, landeten wegen angeblicher unamerikanischer Umtriebe und kommunistischer Propaganda in ihren Filmen sogar im Gefängnis.

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