Geschenkt! Welche Bücher hundertpro unter deinem Weihnachtsbaum liegen

Was wünschst du dir? Ein gutes Buch! Echt? Wenn ich Bücher schenke, habe ich immer ein total schlechtes Gewissen. Ach quatsch, man kauft sich doch selber so selten Bücher! Na gut...und welches? Ach, ich laß mich gerne überraschen.
max-scharnigg

Buch: „Meine Reise auf dem Jakobsweg“ von Hape Kerkeling Schenkt wer: Taufpate Sagt was dazu: „Ich hab’s auch gelesen. Traut man dem gar nicht zu, dem Kerkeling, ist jetzt gar nicht unbedingt nur witzig, sondern auch ganz ernst. Echt ein guter Mann, der Herr Kerkeling. Also irgendwie, trotzdem, dass er, dings…“ Verschweigt: Liegt immer noch aufgeschlagen auf meinem Nachttisch. Das machst du damit: Auf Ebay verkaufen.


Buch: „Keine Angst“ von Frank Schätzing Schenkt wer: Dein Stiefbruder / Der Nachbar Sagt was dazu: „Das eine von dem war doch voll der Bestseller. Das sind jetzt so kurze Geschichten, aber auch gut.“ Verschweigt: War das billigste bei Hugendubel und das einzige, wo er den Autor schon mal gehört hatte. Das machst du damit: Betrunken vom Heiligabend-Sekt die erste Geschichte lesen und dadurch sofort jegliche feierliche Stimmung verlieren.


Buch: „Damaskus im Herzen“ von Rafik Schami (Gebundene Ausgabe) Schenkt wer: Dein Vater Sagt was dazu: „Der ist doch Nobelpreisträger! Oder war das ein anderer Preis? Egal, jedenfalls sehr informativ und trotzdem unterhaltsam, richtige Literatur, verstehste? Du hast dich doch früher so für andere Völker interessiert.“ Verschweigt: Hoffentlich liest der Junge mal was anderes als Comics und diesen obszönen Houellebecq. Das machst du damit: Kämpfst dich bis Silvester durch die ersten 50 Seiten. Dann bleibt es bis Ende Januar aufgeschlagen liegen und wandert schließlich ins Bücherregal.


Buch: „Elementarteilchen“ von Michel Houellebecq Schenkt wer: Deine spießige Jugendliebe, mit der du immer noch locker befreundet bist. Sagt was dazu: „Echt krasses Buch, ich wusste gar nicht worum es da geht, gefällt dir aber glaub ich, mir war’s manchmal, naja, too much, also manches…. Wenn’s dir nicht gefällt, musst du es nicht lesen“. Verschweigt: Schau, ich bin gar nicht so spießig wie du denkst, auch wenn ich dieses ganze Sexzeug da nicht so mochte, muss ja auch echt nicht sein, igitt. Das machst du damit: Da du es natürlich schon zweimal im Schrank hast (einmal signiert!), schenkst du es später an deinen elfjährigen Cousin weiter, damit der weiß, was ihn im Leben so erwartet.


Buch: „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ von Eric-Emanuel Schmitt Schenkt wer: Deine Mutter Sagt was dazu: „Das hat mir die Irene vom Chor letztes Jahr geschenkt. Das ist unheimlich nett und auch ein bisschen traurig.“ Verschweigt: Ich hab’s ganz vorsichtig gelesen, sieht doch immer noch aus wie neu, warum soll ich mir das in den Schrank stellen, wenn ich damit noch jemand anderem eine Freude machen kann? Das machst du damit: Ungelesen daheim vergessen. Es von deiner Mutter deswegen leicht vorwurfsvoll nachgesandt bekommen. Dann liest deine Mitbewohnerin das Buch, ist total berührt und möchte bei einem Tee darüber reden, dass man viel zu wenig von anderen Religionen weiß.


Buch: „Das bin doch ich“ von Thomas Glavinic Schenkt wer: Dein Arbeitskollege Sagt was dazu: „Du schreibst doch auch. Oder versuchst es zumindest.“ Verschweigt: Nach diesem Buch überlegt jeder, ob Schriftsteller wirklich so ein toller Beruf ist. Vielleicht ist das ein guter Wink mit dem Zaunpfahl. Wow, voll die Phrase - zum Glück nur gedacht! Das machst du damit: Du amüsierst dich hervorragend und willst danach trotzdem einen Roman schreiben.


Buch: „Ur-Pippi“ von Astrid Lindgren Schenkt wer: Dein Lebenspartner Sagt was dazu: „Voll cool, das ist vom ersten Manuskript zu Pippi Langstrumpf, total roh und ganz anders, nicht so glatt gebügelt wie das Original!“ Verschweigt: Gibt es eine romantischere und sympathischere Art zu vertuschen, dass ich meiner großen Liebe nur ein Buch schenke? Das machst du damit: Stark übermäßig Freude heucheln und auch gleich unterm Tannenbaum reinlesen – dann in die Kiste für später, wenn mal Kinder da sind.


Buch: “Rußland im Zangengriff“ von Peter Scholl-Latour Schenkt wer: Deine Großeltern Sagen was dazu: „Du willst doch auch Journalist werden. Den Scholl-Latour sehen wir so gern im Fernsehen. Der Opa war auch in Russland.“ Verschweigen: Himmel, was Bücher heute kosten. Das machst du damit: Ohne Anteilnahme lesen und danach feststellen, dass du dir nichts gemerkt hast.

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