Glückwunsch, FDP!

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Das Feuerwerk von Gelb Hochverehrte FDP, herzlichen Glückwunsch zu Deinem 60. Geburtstag. 60 Jahre voller Wirtschaftspolitik, Affären, Lobbyismus und Segelohren. Sechs Jahrzehnte - für einen jungen Menschen wie mich eine lange Zeit. Eine Epoche. Genug Zeit, um 270 Mal in 80 Tagen um die Welt zu reisen. Genug Zeit für 30 Latein-Leistungskurse. Unvorstellbar! Immer, wirklich immer, wenn ich Deinen Vorsitzenden Guido Westerwelle im TV sehe, erinnere ich mich an Frau Müller-Rieke: die Lehrerin meines Latein-Leistungskurses. Ihr habt so viel Ähnlichkeit miteinander! Lehrerin und Partei haben so viel gemeinsam! Denn beide habt Ihr die bewundernswerte Fähigkeit, in jeder noch so verfahrenen Lage das Gute zu erkennen. Mag es vielen Menschen auch noch so schlecht gehen, lassen sich darin doch viele Vorteile für Latein und Liberalismus sehen. Eva Müller-Rieke ist eine immer fröhliche Frau. Denn die lateinische Sprache ist aus ihrer Sicht das Einzige, was man zum Glücklichsein braucht. Der Mathe-Unterricht war nervtötend. Jemand weist darauf hin, dass in den letzten beiden Stunden vor dem Wochenende jetzt so langsam die Luft raus sei. Ein Schüler leidet unter Liebeskummer. “Genau deswegen übersetzen wir heute auch ganz viel”, antwortet Müller-Rieke. Der Tacitus-Text ist zu schwer und unverständlich. “Darum lesen wir ihn ja, das ist ja die Herausforderung.” Einige Schüler beherrschen die Vokabeln noch nicht ausreichend. Kein Problem! Dann haben sie ja den Spaß, sich die Wortbedeutungen einzutrichtern, noch vor sich. Ein verregneter Sommer, ein beschissenes Fernsehprogramm und ein abgeräumtes Konto sind aus Müller-Riekes Sicht vor allem ein Chance, sich umso intensiver auf Lektüre, Vokabeln und Grammatik zu konzentrieren. Darin Kraft und Spaß und Erfüllung zu finden. Latein ist Müller-Riekes Antwort auf alle Fragen, Krisen und Unwägbarkeiten des Daseins. Wer braucht schon ein Leben, wenn er Latein hat. Dein Latein, verehrte FDP, ist der Glaube an die Segnungen der Freiheit. In Deinem tiefsten Inneren - und nicht nur dort - sehnst du den Tag herbei, an dem die Bürger unseres Landes nicht mehr von so viel staatlicher Fürsorge erdrückt werden. SPD und Union gehen aus deiner Sicht viel zu freudlos an den Sozialabbau heran. Während die anderen nur kürzen, weil sie kürzen müssen, möchtest du kürzen, weil es aus deiner Sicht die Lebensqualität erhöht. Wenn Arbeitnehmer zunehmend die Sicherheit von Tarifverträgen verlieren, erhöht das ihre Freiheit, sich individuell mit dem Arbeitgeber zu einigen. Wenn Studiengebühren eingeführt werden, vergrößert das die Freiheit der Studenten, Eigenverantwortung zu übernehmen. Wenn man von einem Job nicht mehr leben kann, eröffnet sich einem die Freiheit, noch einen zweiten zu annehmen. Wer tagsüber Kaffee ausschenkt und abends Burger wendet, macht mehr aus seinem Leben. Ein leerer Kühlschrank, mit den Augen eines FDP-Politikers betrachtet, ist ein Raum der Weite und der Möglichkeiten. Ein Raum der Freiheit. Liebe FDP, wer fest an Latein glaubt, braucht weder Freund noch Freundin zu seinem Glück. Und wenn jemand überzeugt ist, dass jedes bisschen Verlust an sozialer Sicherheit sein Leben freier und besser macht, kann ihm nichts mehr genommen werden. Wenn unserem Land schon so langsam das Geld ausgeht, dann doch wenigstens mit Politikern, die bei jeder Kürzung ordentlich gute Laune verbreiten. Deshalb braucht das Land mehr Parteien wie Dich. Frauen und Männer, die in der Lage sind, aufzustehen und zu sagen: “Das Glas ist weder halbleer noch halbvoll. Es ist voll.” Auch wenn die Gläser vieler Menschen immer leerer werden. Hochverehrte Freie Demokratische Partei Deutschlands, auf diese wunderbare Fähigkeit zum positiven Denken stoße ich überschwänglich mit dir an, in diesem Sinn: nunc est bibendum! Dein tobias-peter

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