Guilty Until Proven Inncocent - 8. Dezember 2003

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christoph-koch

www.amazon.com Guilty until proven innocent Dass ein Verdächtiger so lange unschuldig ist, bis seine Schuld bewiesen ist, hat vor allem in den USA eine lange juristische Tradition. Was im Gerichtssaal gilt, muss jedoch beim Onlinebuchhändler Amazon noch lange keine Gültigkeit haben. Hier hat der virtuelle Lynchmob schon längst über Schuld und Unschuld von Michael Jackson entschieden: Im Gegensatz zum deutschen Händler amazon.de, der die Kaufempfehlungen anhand der Käufe anderer Kunden berechnet, können bei amazon.com die Kunden einander zum jeweiligen Artikel passende Empfehlungen machen. Im Fall von Michael Jacksons neuem Album „Number Ones“ waren dies Bücher wie „Coping With Prison“ oder “What Little Boys Are Made of“. Was die gehässige Liste übersieht, ist die Tatsache, dass Michael Jackson noch nichts nachgewiesen werden konnte –ja sogar zwei Wochen nach seiner spektakulären Verhaftung noch nicht einmal Anklage erhoben wurde. Die New York Times spekuliert, dass die Anklage gegen den Popstar auf schwachen Beinen steht. So brachte eine eingerichtete Hotline, bei der die Bevölkerung Hinweise auf die Missbrauchsfälle geben konnte, in zwei Wochen gerade mal 70 Anrufe ein – von denen sich die meisten als unbrauchbar erwiesen. PS: Auch, wenn man niemanden vorverurteilen darf – über missglückte Gesichtsoperationen zu lästern ist nach wie vor erlaubt.