H wie Heisenberg

Am Sonntag lief in den USA die erste der acht finalen Folgen "Breaking Bad", seit Montag bekommen sie auch deutsche Fans nach und nach zu sehen. Wir rekapitulieren und freuen uns vor - von A bis Z.
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Ausstattung

„Breaking Bad“ unterfüttert die Story um den krebskranken Chemielehrer Walter White, der zum Crystal-Meth-Produzenten wird, mit einer detailverliebten Ausstattung. Klar, jede gute Serie braucht eine, damit die fiktive Welt stimmig ist. "Breaking Bad" birgt aber besonders viele Kleinigkeiten, die es wert sind, die Serie gleich ein zweites Mal anzuschauen, wenn sie bald vorbei ist. So zum Beispiel die lächerlichen Mini-Entenstatuen auf dem Wohnzimmertisch der Whites, Marie Shraders Haushalt und Kleidung, die komplett in Violett gehalten sind, und die vollgestopfte Wohnung des Chemikers Gale Boetticher, die man zwar nicht oft zu sehen bekommt, die aber sehr gut den liebenswerten Nerd abbildet. Wer hat schon ein Infrarot-Thermometer mit Laserpointer, um die Hitze seines Teewassers zu überprüfen?

Better call Saul!

Der Werbeslogan des windigen Anwalts Saul McGill alias Saul Goodman, der Walter und Jesse zur Seite steht. Saul ist mit seinen geschmacklosen Anzug-Kombinationen, seinen skurrilen Leibwächtern und seinem pappmachéartigen Büro eine der beliebtesten Nebenfiguren und außerdem die Witzemaschine der Serie. Er spielt mit seiner Ähnlichkeit zu Berühmtheiten („If you're committed enough, you can make any story work. I once told a woman I was Kevin Costner, and it worked because I believed it“), fasst das ganze System des organisierten Verbrechens in einem Satz zusammen („Let’s just say: I know a guy who knows a guy who knows another guy“) und bleibt auch am Krankenbett des grün und blau geprügelten → Jesse herrlich pietätlos („You’re now officially the cute one of the group“).

Cranston, Bryan

Walter White wird gespielt von Bryan Cranston, in Deutschland vorher den meisten nur bekannt als schusseliger Vater aus „Malcolm mittendrin“ (→ Zeugenschutzprogramm). Cranstons schauspielerische Großleistung ist bereits mit drei Emmys ausgezeichnet worden - er hat die Figur Walter White nicht nur gespielt, er hat sie miterschaffen. Der Schnauzbart, den Walter am Anfang der Serie trägt, soll nach Cranstons genauen Vorstellungen entstanden sein: schön ausgedünnt, damit es nach einem so richtig impotenten Bart aussieht. Was besonders selten ist für einen Schauspieler: Cranston brilliert auch noch mit klugen Kommentaren zur Serie. → Geld → unterschätzt werden

Deutschland

Lange waren Fans von Serien auf illegale Streaming-Seiten angewiesen – in Deutschland waren die Folgen legal erst viel später im Netz zu haben. Für die finale Staffel „Breaking Bad“ gilt das nicht mehr: Immer dienstags wird die aktuelle Folge bei iTunes zu sehen sein, mittwochs auf dem Portal Watchever, der Bezahlsender Sky zeigt sie sogar schon montags. Einen Überblick über alle legalen Anschaumöglichkeiten in Deutschland gibt es hier.

Ehrmantraut, Mike

Mike hält dem Drogenboss Gustavo Fring sowie dem Rechtsanwalt → Saul Goodman den Rücken frei, indem er ihre Probleme, egal ob materieller oder menschlicher Natur, beseitigt. Er zeichnet sich durch Pragmatismus aus und durch professionelle Genervtheit darüber, dass er mit kleinen Nummern wie → Jesse Pinkman zusammenarbeiten muss. Ansonsten ist er in seiner Schweigsamkeit das Gegenstück zu Walter, der sich immer wieder um Kopf und Kragen redet. Andererseits: Wenn man beide nebeneinander von hinten sieht, ist eine gewisse Ähnlichkeit nicht zu leugnen.

Fans

„Die Serie hat eine riesige Fan-Gemeinde, die sich die Pausen zwischen den Folgen oder Staffeln mit Spekulationen, dem Zusammenschneiden lustiger Compilations (→ Yo, Bitch) oder dem Herstellen oder Erstehen von Fanartikeln vertreibt. Es gibt zum Beispiel Süßigkeiten, die wie „Blue Sky“ aussehen, das reine, blaue Crystal Meth, das Walter und Jesse in ihrem Labor kochen (→ Methylamin), Stoffbeutel mit dem Slogan → „You better call Saul“ und diverse Textilien mit dem Konterfei → Heisenbergs. Das Lego-Meth-Labor war leider nur eine lustige Idee, die nie in die Tat umgesetzt wurde.

Geld

Spielt auch bei „Breaking Bad“ eine Hauptrolle. Walter gerät durch seine Krebserkrankung in finanzielle Schwierigkeiten (→ Krebs), er kann sich selbst mit einem Zweitjob das Mittelschichtsleben nicht mehr leisten. „Breaking Bad“ gebe der Rezession den Schurken, den sie verdient, schrieb der TV-Kritiker Alan Sepinwall. Wie „Breaking Bad“ und Geld zusammenhängen, erklärte Bryan Cranston im Interview mit der FAZ einmal so: „Die meisten halten Walts Situation für hypothetisch. Das ist sie aber nur bis zu dem Punkt, wo der nötige Anstoß daraus Realität macht. Wenn ich Sie beim Abendessen frage, was Sie für eine Million Dollar tun würden, kämen sehr theoretische Antworten dabei heraus, aber kaum ultimative. Wenn ich das Geld aber vor Ihnen auf den Tisch lege, kriegt das Spiel sofort eine neue Wendung.“ Danach bot er dem Journalisten 25.000 Dollar, wenn der sich von ihm schlagen lässt.

Heisenberg

Der deutsche Nobelpreisträger Werner Heisenberg war einer der bedeutendsten Physiker des 20. Jahrhunderts und Mitbegründer der Quantenmechanik. Dank „Breaking Bad“ steht Heisenberg jetzt nicht nur mit Niels Bohr und Erwin Schrödinger in einer Reihe, sondern auch mit Scarface und Tony Soprano: Walter White, der irgendwann selbst einmal vom Nobelpreis träumte, hat sich das Gangster-Pseudonym Heisenberg gegeben. Bei seinen Gegenspielern löst er damit Verwirrung und Furcht gleichermaßen aus – genauso wie der alberne Pork-Pie-Hut, den er als Heisenberg gern bei Unterwelt-Treffen trägt.

 

„I am the one who knocks“

Wenn man „Breaking Bad“ auf eine Zeile herunterbrechen müsste, viele würden wohl diesen Satz von Walter White nehmen. Das "Time Magazine" und die "Huffington Post" kürten die sechs Wörter damals zur „Best Tv Line 2011“. Der Satz stammt aus einem kurzem Monolog, den Walter in der Folge „Cornered“ hält. 15 Sekunden, in der die großen Themen der Serie verdichtet werden: Männlichkeit, → Stolz, → unterschätzt werden

 

Jesse Pinkman

Walters Partner und Assistent ist der heimliche Star der Serie. So heimlich, dass er ursprünglich schon Ende der ersten Staffel sterben sollte, bevor sein Erfinder → Vince Gilligan das große Potenzial sowohl der Figur als auch des Schauspielers Aaron Paul erkannte. Jesse ist Walters erste Verbindung ins Drogengeschäft, da er selbst konsumiert und dealt. Die → Fans lieben ihn vor allem für seinen Harte-Schale-weicher-Kern-Charakter: Auf der einen Seite gibt er den fluchenden Gangster (→ Yo, Bitch), auf der anderen Seite bricht es ihm das Herz, wenn Unschuldige oder Kinder in die Drogengeschäfte hineingeraten.

 

Krebs

Walters Krebsdiagnose ist die Urkatastrophe der Serie: Als Vater und Ehemann mit Lungenkrebs im Endstadium will er seine Familie finanziell absichern. Das Gehalt, das er an der Schule als Chemielehrer und in einem Nebenjob in einer Autowaschanlage verdient, reicht da lange nicht aus (→ Geld), und so steigt er als begabter Chemiker eben ins Crystal-Meth-Geschäft ein. Als er seiner Familie die Diagnose nicht länger verheimlichen kann, braucht er das Geld dann für etwas anderes: Die Behandlung beim besten Onkologen des Landes, auf der seine Lieben nämlich bestehen und die Walters Krankenversicherung nicht bezahlt. In den USA erlaubt jede Versicherung nämlich nur den Besuch bei bestimmten Ärzten. Darum kann man wohl behaupten, dass „Breaking Bad“ ohne das amerikanische Gesundheitssystem so nie entstanden wäre.

 

Leaves of Grass

Titel eines Gedichtbandes von Walt Whitman, den Walters Assistent Gale Boetticher ihm mitsamt Widmung schenkt und der in der letzten Folge der ersten Hälfte der Finalstaffel (benannt nach Gedicht 271: „Gliding Over All“) eine wichtige Rolle spielt. Neben den Initialen W.W. gibt es noch eine Menge anderer Bezüge zwischen „Breaking Bad“ und dem Leben und Werk des Dichters Walt Whitman, mit denen sich [link=text-decoration:underline;">über „Breaking Bad“, und Tragödien enden damit, dass der Held von seiner größten Schwäche zerstört wird – die von Walter sei Stolz. Eine im klassischen Sinne tragische Figur ist Walter aber nur, weil zu seinem Stolz auch Pech kommt – eine fatale Kombination. Was Walter will: Anerkennung und das Wissen, dass er seine Familie versorgen kann. Stattdessen trampeln alle nur auf ihm herum. Aber was passiert mit einem stolzen Mann wie Walter in einer Welt, in der ihm die wirtschaftliche Perspektive (→ Geld) fehlt? Er gerät auf die schiefe Bahn. Oder, wie es im Südstaaten-Dialekt heißt: He is breaking bad.

 

Teddy

Vier Folgen der zweiten Staffel beginnen mit verstörenden Einstellungen, in denen man vor allem einen pinkfarbenen Teddybären durchs Wasser treiben sieht. Das Rätsel dieser Bilder wird erst in der letzten Episode der Staffel gelüftet. Die Erfinder haben aber einen Hinweis eingebaut: Wenn man die Episodentitel der Folgen, die mit diesen Einstellungen beginnen, zusammenfügt, erhält man eine Umschreibung dessen, was passiert ist.

 

Unterschätzt werden

Dass man ihn immer unterschätzt, ist Walters Whites großer Vorteil. Wer hätte dem schwächlichen Chemie-Lehrer schon zugetraut, ein Drogen-Imperium aufzubauen? Nur der schlaue Bryan Cranston himself hat die Logik dahinter natürlich durchblickt: „Ob man eine Kneipenschlägerei gewinnt, hängt ja weniger von Muskeln ab als von Willensstärke und Verzweiflung. Darum würde ich bei so was eher auf den Kleinsten wetten, sonst hätte er sich doch gar nicht drauf eingelassen.“

 

Vince Gilligan

Wie auch immer die Serie ausgehen wird: Der Erfinder und Showrunner von „Breaking Bad“ hat schon jetzt seinen Platz im Olymp der Fernsehautoren sicher. Seinen Karriere-Durchbruch hatte Gilligan als Autor bei „Akte X“. Jetzt hat er eine der besten Fernsehserien aller Zeiten geschrieben – was macht man dann bloß als nächstes? Eine Westernserie würde ihn interessieren, hat er in Interviews angedeutet. Und eine eigene Serie für Saul Goodman (→ Better call Saul) soll auch in Arbeit sein.

 

Wohnmobil

Walters braune Hose und ein altes Wohnmobil – damit begann vor mehr als fünf Jahren die allererste Folge „Breaking Bad“. Bei dem mittlerweile ikonischenWohnmobil, in dem Walter und → Jesse ihr Meth gekocht haben, handelt es sich um das Modell „Bounder“ des amerikanischen Herstellers Fleetwood, Baujahr 1986. Modell und Baujahr der braunen Hose sind leider nicht bekannt.

 

Xenon  Chemisches Element mit der Ordnungszahl 54. Das Symbol Xe aus dem Periodensystem der Elemente sieht man in den Opening Credits sehr prominent, bevor die Symbole Br und Ba für Brom und Barium den Titelschriftzug bilden. In den Namen aller Beteiligten, die in den Credits zu sehen sind, werden außerdem stets die Buchstaben hervorgehoben, die weitere Elementsymbole ergeben. Man sieht also: Chemie ist eines der Grundmotive in Breaking-Bad-Periodensystem zu erstellen, das mit Begriffen aus der Serie gefüllt ist.

 

Yo, Bitch!

→ Jesse Pinkman ist unter anderem dafür berühmt, dass er sehr, sehr oft „Bitch“ (oder Varianten wie „Yo, Bitch“ und „Biatch“) sagt. Auf YouTube kann man sich unterhaltsame Compilations all seiner Flüche anschauen. Jesse-Darsteller Aaron Paul hat Conan O’Brien mal erzählt, dass Fans der Serie nur zu gerne von ihm „Bitch“ genannt werden wollen. Und für einer Autogrammstunde bei Urban Outfitters wurde der Hastag #Callmebitch ins Leben gerufen, unter dem man ebenfalls darum bitten konnte, von Paul beschimpft zu werden. Hat er dann auch gemacht.

 

Zeugenschutzprogramm

Unter den vielen Theorien, wie es am 29. September, in der letzten Folge „Breaking Bad“ ausgehen wird für Walter und die anderen, ist eine im Netz trotz ihrer Unwahrscheinlichkeit besonders beliebt: Walter White kommt in ein Zeugenschutzprogramm, neue Identität, neue Familie, neuer Name – und dann stellt sich heraus, dass „Breaking Bad“ nur ein Prequel zu „Malcolm mittendrin“ war.

 
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