Van Gogh genehmigte sich ein paar Gläser Absinth, bevor er zum Pinsel griff, Edgar Allan Poe schrieb im Opiumrausch und auch Jimi Hendrix spielte bekanntlich ungern ein Konzert ohne LSD. Die Geschichte ist voll von künstlerischen Meisterleistungen, die es so eher nicht ohne Rausch gegeben hätte. Ganz ungefährlich ist diese Inspirationsquelle natürlich nicht. Designstudenten an der Hochschule München hatten jetzt die Möglichkeit, sich einen bewusstseinserweiternden Kreativ-Kick auf harmlose und vor allem legale Weise zu holen. Mit einer speziellen Lampe mit dem klangvollen Namen "Lucia Nr. 3". "Die psychedelischen Erlebniswelten, in die man eintaucht, sind auf stroboskopartige Lichtblitze zurückzuführen. Das Gehirn wird dabei durch die geschlossenen Augen angeregt und produziert die Bilder", so Prof. Ralph Buchner von der Hochschule, der das Projekts initiiert hat.



Konzipiert wurde die Lampe von einem Psychotherapeuten und einem Neurologen aus Österreich, die dort einige Praxen für "Hypnagoge Lichterfahrung" betreiben. Was den Einsatzbereich angeht, bleiben die beiden auf ihrer Homepage allerdings ein wenig vage: "Die Hypnagoge Lichterfahrung wirkt umso stärker, je weniger konkrete Erwartungshaltungen mit ihr verbunden werden. Aus diesem Grund verzichten wir bewusst auf Einschränkungen ihres Wirkspektrums durch Benennung einzelner Einsatzbereiche."

Für Professor Buchner von der Hochschule München liegt dieser Bereich in der Kunst. Er entdeckte die Maschine vergangenes Jahr durch Zufall auf einem Kulturfestival und brachte sie als Leihgabe an die Hochschule. Zwei Semester lang konnten seine Studenten jetzt in dem Seminar "Kreativität durch psychedelische Lichtreisen" die 20.000 Euro teure Lampe testen. Erfahrungen mit dem Licht, das angeblich LSD-ähnliche Zustände hervorrufen kann, haben sie in freien Projekten und Designprojekten verarbeitet.





Susanne Arndt, 22, Kommunikationsdesign 6. Semester

Diese Foto ist Teil einer Bildstrecke, bei der Susanne Arndt Freunde portraitiert hat um die Fotos anschließend mit Illustrationen zu ergänzen.

"Ein LSD-Trip ohne Langzeitschäden, so lässt sich das Projekt wohl tatsächlich am besten beschreiben, auch wenn es für Außenstehende absurd klingt. Ich war nach einer kurzen Test-Session von den Formen und Farben so beeindruckt, dass ich unbedingt weitermachen wollte. In der zweiten Sitzung mit Lucia, in der ich ein fünfäugiges Wesen gesehen habe, kam mir dann auch schon direkt die Idee für mein Projekt: Ich habe Fotografien mit verschiedenen mythologischen Illustrationen kombiniert. Natürlich gibt es bereits ähnlich Motive, aber die Herangehensweise war für mich völlig neu. Nach einer halbstündigen Licht-Session konnte ich mich direkt hinsetzen und meine Ideen aufzeichnen ohne groß darüber nachzudenken – das ging früher nicht."




Amelie Heirichmeyer, 23, Kommunikationsdesign 6. Semester

Amelie Heirichmeyer hat sich in ihrem Projekt mit Lichtgottheiten aus verschiedenen Kulturen auseinandergesetzt.

"Seitdem ich mich ein paar Mal vor Lucia gesetzt habe, interessiere ich mich auf einmal für Themen wie Psychologie und Quantenphysik. Ich habe allgemein das Gefühl, dass ich nicht nur beim Zeichnen und der Ideenfindung freier geworden bin, sondern auch in meinem kompletten Denkprozess. Bei meinen Illustrationen habe ich mich mit den Lichtgottheiten in verschiedenen Kulturkreisen auseinandergesetzt. Die Farbkombinationen und Ornamente, die ich während der Licht-Experimente gesehen habe, waren für mich dabei immer der Ausgangspunkt der Bilder. Dann habe ich mich einfach hingesetzt und gezeichnet, und das Ganze hat eine unglaubliche Eigendynamik entwickelt."




Caroline Hagenau, 23, Kommunikationsdesign 6. Semester

Caroline Hagenau hat sich in ihrer Bilderserie mit organischen Formen beschäftigt.

"Wenn man von den Erfahrungen mit Lucia erzählt, glauben die Leute oft man ist ein esoterischer Spinner. Um ehrlich zu sein, konnte ich mir vor dem Projekt auch nicht so wirklich vorstellen, wie diese Lampe funktionieren soll. Dementsprechend überwältigt war ich von den Bildwelten, die ich gesehen habe. Beim Zeichnen habe mit sehr abstrakten Formen in schwarz-weiß angefangen, die sich dann zu sehr organischen bunten Bildern entwickelt haben. Beeindruckend fand ich vor allem, dass man die Maschine nach einigen Sitzungen gar nicht mehr benötigt, um neue Ideen zu entwickeln. Ein bisschen fühlt es sich so an, als hätte sich eine Blockade in meinem Kopf gelöst."




Text: paulina-hoffmann - Coverfoto: Ralph Buchner