Artikel
Bekanntermaßen kann wirklich jeder auf Wikipedia einen Artikel veröffentlichen. Klingt eigentlich simpel. Ein paar grundlegende Kriterien müssen dann allerdings doch erfüllt werden: Der Artikel muss sowohl formal als auch grammatikalisch die Grundansprüche erfüllen und die Thematik muss von den Wikipedianern als relevant erachtet werden. AN dieser Frage entzünden sich die meisten Debatten auf Wikipedia. Ein Autor, der in winzinger Detailarbeit sämtliche Auftritte von allen Batmanschurken in den verschiedenen Comic-Heften aufgelistet hatte, wurde aufgrund des letzten Kriteriums abgelehnt. Übrigens: Jeder fängt einmal klein an. Der erste Wikipedia-Artikel zur Nordsee bestand aus einem einzigen Satz: "Die Nordsee ist ein Mehr."

Buch
Wikipedia scheint mit dem höheren Alter und der damit einhergehenden Reife eine Rückbesinnung zur klassischen Informationsbeschaffung zu erleben. Anders ist nicht zu erklären, dass gerade ein Internetlexikon zu seinem Geburtstag ein klassisches Buch über sich auf den Markt bringen will. Wer sich an den Memoiren des Lexikons beteiligen will, der findet hier Informationen darüber, welche Buchabschnitte noch zu vergeben sind.

Computersucht
"Du musst nichts wissen, du musst nur wissen, wo man es nachschlägt", lautet eine Binsenweisheit. Umso abhängiger sind wir heute von Wikipedia. Auch wenn es nicht gern gesehen ist, so ist Wikipedia für jedes Referat und jede Hausarbeit doch die erste Quelle. Gegebenenfalls werden dann nachträglich wissenschaftliche Alibi-Quellen gesucht, die den Wiki-Eintrag bestätigen. In anderen Situationen kann es aber durchaus problematisch sein, jede Information mit einem Klick zu bekommen. Zumindest Kneipengespräche beim fünften Bier über die Frage, welches die lebenswerteste Stadt Deutschlands sei, kommen dank Wikipedia auf dem Smartphone schnell zu einem unspektakulären Ende. Die richtige Antwort lautet übrigens natürlich Hamburg.

Digitale Kluft
Jimmy Wales nennt als eine seiner Motivationen, Wikipedia als für alle zugängliches Projekt zu starten, u.a. die digitale Kluft. Die Theorie besagt, dass die Wissensunterschiede zwischen Industrienationen und Entwicklungsländern zukünftig weiter zunehmen werden. Grund dafür sei der weltweit unterschiedlich verteilte Zugang zu Informationstechnologien wie dem Internet. So können die Industrieländer weiter Wissen anhäufen, während weniger vernetzte Länder keinen Zugang zu Informationen mehr haben. Die Wikimedia Foundation ist deshalb auch an einem Projekt beteiligt, das mit der Wikipedia-Datenbank ausgestatte Laptops an Kinder in Entwicklungsländern verteilt.

Eigenlob
Mittlerweile gibt es sogar in Kuba ein Wikipedia-Nachahmer-Projekt. Auf www.ecured.cu kann man die neusten Lobeshymnen auf Fidel Castro nachlesen. Nicht völlig abwegig erscheint da die Theorie, dass die Plattform von der kubanschen Führungselite höchstpersönlich gegründet wurde. Fidel Castro selbst ist übrigens auch gerne im Netz aktiv. Regelmäßig lässt er hier seine "Überlegungen vom Kameraden Fidel" veröffentlichen, die sich - wen wundert's - zumeist gegen die USA richten.

Fanartikel
Wer auf den Wikipedia-Geburtstags-Stammtisch gehen möchte, dem darf es natürlich nicht an angemessener Kleidung fehlen. Dementsprechend wird es zur großen Party auch Fanshirts bestellt werden. Weitere Accessoires wie Buttons oder Wimpel sind noch im Planungsstadium.

Geburtstags-Stammtische
Anlässlich des runden Geburtstages wird deutschlandweit synchrone Wikipedia-Stammatische geben. Wer daran teilhaben will, oder in seinem eigenen Dorf auch unbedingt einen eigenen Stammtisch veranstalten will, der findet hier eine Übersicht.

Hawaiisch
Der Name Wikipedia ist ein sogenanntes Kofferwort. Er setzt sich aus dem hawaiischen Begriff "Wiki" für "schnell" und dem englischen "Encyclopedia" zusammen.

Ideen für die Geburtstagsfeier
Egal, wie absurd die Idee auch sein mag - Wikipedia sucht auch weiterhin noch nach kreativen Köpfen, die einen Beitrag zur Geburtstagsfeier liefern wollen. Auf einer Brainstorming-Seite kannst du deine Ideen zum Besten geben. Bisher ganz vorne dabei: der "Torte des Grauens"-Wettbewerb. Wer die schönste Torte mit Wiki-Emblem stiftet, gewinnt!

Jimmy Wales
Gilt gemeinsam mit Larry Sanger als Begründer von Wikipedia. Mittlerweile besteht seine Hauptaufgabe allerdings im Vorträge halten. So ist er nach eigener Aussage im Jahr gut 250 Tage auf Reisen, dabei trägt er meistens schwarz: "Da sieht man die Rotweinflecken nicht so." Zudem hat er angeblich die Marotten, Snacks nur in Vierer-Schritten zu essen (4 Nüsse, dann 4 Chips, 4 ...) und seine Bücher der Ordnung halber mit Bibliotheks-Etiketten zu versehen. Und da sag nochmal einer, er sei ein Nerd!

Kritik
Neben angeblich mangelhafter Textqualität, war auch die Löschpolitik von Wikipedia oft in der Diskussion. Den Richtlinien zufolge wird ein Artikel gelöscht, insofern er als nicht den Standards-entsprechend oder irrelevant gemeldet wird. Daraufhin erfolgt eine Diskussion unter den Administratoren und im Anschluss wird er gegebenenfalls gelöscht. Von derartigen Maßnahmen betroffene Autoren bemängeln jedoch, nicht über die genauen Gründe informiert gewesen zu sein und sich auch nicht gegen eine Löschung verteidigen zu können.

Larry Sanger
War Mitbegründer von Wikipedia und Chefredakteur von Nupedia. Nach einem Streit mit Wales über die Urheberschaft von Wikipedia, verließ er das Unternehmen 2002. Wales hatte ihm zu diesem Zeitpunkt bereits seit einem Jahr kein Gehalt mehr gezahlt. 2010 zeigte er die Wikimedia Foundation wegen der Verbreitung von Kinderpornografie an, was die Verantwortlichen jedoch vehement zurückwiesen.

Manipulierte Einträge
Ein für alle veränderbares Lexikon birgt natürlich auch Tücken (siehe auch Qualität). So gab es immer wieder Meldungen von Ufosichtungen auf Wikipedia zu lesen, oder Prominente mussten erfahren, dass sie eigentlich schon länger tot seien. Die skurrilsten Einträge dazu sammelt Wikipedia mittlerweile selbst im Humorarchiv. Der US Journalist John Seigenthaler verglich Wikipedia deshalb einmal mit "Daunenfedern, die sich, wenn man ein Kissen aufschlitzt, im Zimmer verbreiten und kaum mehr einsammeln lassen." Er hatte zuvor über sich lesen müssen, an der Ermordnung John F. Kennedys beteiligt gewesen zu sein.

Nachahmer
Nach dem großen Erfolg von Wikipedia gab es schnell Nachahmer und Tochterprojekte, die nach dem gleichen Prinzip Wissen verbreiten wollen. Bekanntere Beispiele: Indiepedia, Duckpedia, Stupidedia oder die zahlreichen Städte-Wikis. Eher unbekannt: Kamelopedia und ein brasilianisches Nachschlagewerk, wo man sich über Bordelle und Prostituierte informieren kann. Vielleicht haben letztere zurecht nicht den Durchburch geschafft.

Ordnung
Offiziell soll Wikipedia möglichst viele Menschen zum Teilen ihres Wissens motivieren. Intern ist es jedoch ein kleiner Kreis von ca. 300 festen Autoren, der die deutsche Wikipedia aktualisiert. Dabei handelt es sich häufig um sogenannte Experten, die intern ihr Fachwissen mit harten Bandagen verteidigen. Bestes Beispiel: die Mittelalter-Verschwörung. Hier hatte eine Gruppe über zwei Jahre die Wikipedia-Community mit ihrer Theorie auf Trab gehalten, dass die Jahre 614 bis 911 nach Christus nie existiert hätten. Für solche Fälle gibt es ein Wikipedia-Schiedsgericht, das darüber entscheidet, welche Ansicht nun die richtige sei.

Pornografie
Das von Jimmy Wales bereits im Jahre 1996 gegründete Unternehmen "Bomis" lieferte zu Beginn die Serverkapazitäten, um Nupedia und später auch Wikipedia hochzuziehen. Die Seite war auf Männer ausgerichtet, die hier über eine Suchmaschine u.a. pornografisches Material beziehen konnten. Bomis besaß Anteile an weiteren Unternehmen mit einschlägigen Namen wie "The babe engine". Pikant wurde das Ganze allerdings erst, als Wales sich über seine selbstaufgestellte Regel hinwegsetzte und seinen eigenen Wikipediaeintrag über die Bomis-Zeit änderte. Anscheinend wollte er die Schmuddelvergangenheit seines Goldkindes Wikipedia vergessen machen. Dem Wikipedia-Prinzip treu geblieben, wussten die Nutzer dies jedoch zu verhindern.

Qualität
2005 sorgte eine Studie des englischen Wissenschaftsmagazin "Nature" für Schlagzeilen, deren Untersuchungen zufolge Wikipedia nur ähnlich viele Fehler enthalte, wie die Encyclopedia Brittanica. Wikipedia-Fans nahmen die Nachricht mit einem "wir haben's ja schon immer gewusst!" auf, Kritiker behaupteten hingegen, die Studie sei wissenschaftlich unsauber gewesen. An Universitäten ist Wikipedia als Quelle zumeist trotzdem nicht erlaubt.

Regal
Wen schon immer mal interessierte, wieviele Bücherregale eine gedruckte Version der deutschen Wikipedia füllen würde, der kann das hier nachlesen. Bei knapp 1,2 Millionen Artikeln bräuchte man dafür auf jeden Fall viel Stellplatz.

Sprachen
Mittlerweile gibt es Wikipedia in rund 260 Sprachen. Darunter finden sich Raritäten wie Pennsylvania Dutch, was primär nur noch von den äußerst religiösen und konservativen Amischen und Mennoniten in den USA gesprochen wird. Auf der Wikipedia-Weltkonferenz 2010 kündigte Jimmy Wales an, bisher stiefmütterlich behandelte Sprachen wie Tamil und Bengali zukünftig ausbauen zu wollen. Bei beiden Sprachen lägen bisher nur gut 20.000 Artikel vor, dabei würden die Sprachen von 66 bzw. 230 Millionen Menschen gesprochen werden.

Transparenz
Robert McHenry, Chefredakteur der Encyclopedia Britannica formulierte seine Kritik an Wikipedia einmal so: „Der Benutzer, der die Wikipedia aufschlägt, um etwas über einen Gegenstand zu lernen oder eine Information zu überprüfen, befindet sich eher in der Situation eines Besuchers einer öffentlichen Toilette. Es mag dort offensichtlich schmuddelig sein, so dass ihm bewusst wird, dass er große Vorsicht walten lassen muss. Oder es erscheint ziemlich sauber auszusehen, so dass er leicht in trügerischer Sicherheit gewiegt werden könnte. Auf keinen Fall ist ihm bekannt, wer die Einrichtungen vor ihm benutzt haben mag.“

User
Die aktiven Mitarbeiter bezeichnen sich selber als Wikipedianer im offiziellen Eintrag auf Wikipedia wird ihre Tätigkeit in sieben Bereiche aufgeteilt: Die Autoren, die Visualisierer, die Putztruppe, die Vandalenjäger, die Vermittler, die Helfer sowie das Backoffice.

Vergangenheit
Bereits 1996 gründeten Jimmy Wales und Larry Sanger das Webportal "Bomis". Auf die für Männer geschaffenen Seite (siehe Pornografie) folgte das Projekt Nupedia, welches als erstes das Prinzip einer Online-Enzyklopädie verfolgte. Allerdings sollten damals die Artikel von einem festen Kreis an Fachautoren erstellt werden. Ende 2000 wurden die Beiden auf das Wiki-System aufmerksam, welche es ermöglichte, Internetseiten direkt im Browser zu bearbeiten. Als Spaßprojekt angekündigt, starteten sie am 15. Januar 2001 Wikipedia. Die Seite wurde ein voller Erfolg und verdrängt schnell sein Vorgängerprojekt Nupedia.



Wikimedia Foundation
Anders als bei anderen Online-Enzyklopädien, wird Wikipedia von einer Stiftung, der Wikimedia Foundation, finanziert. Die Stiftung hat sich die Förderung des freien Wissens auf die Fahnen geschrieben. Somit finanziert sich Wikipedia hauptsächlich aus Spenden. Das ist auch der Grund, weshalb in letzter Zeit ständig ernste oder gestellt-lachende Gesichter vom oberen Rand eines jeden Wikipedia-Eintrages entgegenblicken und um Unterstützung bitten: Sie wollen Geld!

X
Sogar über das X, ein bei alphabetischen Auflistungen äußerst unbeliebter Buchstabe, kann man etwas bei Wikipedia erfahren. So ist das X nicht nur der am zweitseltensten verwendete Buchstabe in deutschen Texten, sondern er steht auch als römische Zahl für die zehn, ist Symbol der Straight-Edge-Bewegung (jene Jugendlichen ohne Drogen, wechselnde Partner, dafür mit Punk-Musik) und ist Kennzeichen der Atomkraftgegner im Wendtland. So haben wir dank Wikipedia wieder etwas gelernt.

Y-Chromosom
Wikipedia ist natürlich auch daran interessiert, wer denn eigentlich für sie schreibt. Das Ergebnis: 80 Prozent der Wikipedianer sind männlich und nur vier Prozent jünger als 18 Jahre. Der typische Wikipedianer ist 34 Jahre alt. Das sollten die Mädels nicht auf sich sitzen lassen, ansonsten könnten die Wikipedia-Artikel langfristig einseitig sein.

Zedler-Medaille
Zum fünften Mal wird Wikimedia 2011 die Zedler-Medaille verleihen. Ausgezeichnet werden hierbei je ein Lexikon-Beitrag aus dem Bereich Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften sowie ein Bildbeitrag. Mit der Preisverleihung will Wikipedia auch die inhaltliche Qualität seiner Artikel hervorheben, was des Häufigeren kritisiert wurde.