Heute wird gewonnen, bitte!

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Illustration: Julia Schubert

www.muffpotter.net Neulich im Jahre 2000. Leatherface-Sänger Frankie Stubbs sitzt auf einem Sessel neben der Tanzfläche der Münsteraner Lunabar. Er guckt wie ein etwas mürrischer Großvater, der seine Enkel auf dem Spielplatz im Auge behält und dabei heimlich einen Flachmann kippt. Die drei Racker seiner Band stehen ziemlich besoffen auf der Tanzfläche und liegen sich zu den Klängen der USA For Africa-Hymne “We are the world” in den Armen. Früher bombardierten die Amis die Dritte Welt zusätzlich noch mit kitschigen Songs. Stubbs nippt an seinem Getränk. “Muff Potter? They are quite good, but give them two more years. Two more years and they’ll go like this.” Sein Arm reckt sich nach oben, dabei deutet er mit dem Zeigefinger auf einen Punkt oberhalb der Decke, an der die Diskokugel unermüdlich ihre Runden dreht. Statt der besagten zwei Jahre haben sich Muff Potter nach ihrem dritten Album “Bordsteinkantengeschichten” etwas mehr Zeit gelassen. Ein neuer Bassist stieß hinzu und die vier Sandkastenrocker bekamen durch viel Live-Spielen an jeder besseren Pommesbude und Touren in Begleitung von Hot Water Music, den Weakerthans und besagten Leatherface eine Idee davon, was Stubbs meinte. Genau zehn Jahre nach der Gründung durch einen Haufen 16-jähriger mit Vorliebe für Deutschpunklegenden wie EA80 und die Boxhamsters haben sich auf „Heute wird gewonnen, bitte!“ eher die Tourpartner der letzten Jahre als Einfluss verewigt. Einiges an Geballer ist durch Ausgefuchstheit ersetzt worden, der Ruf als „schlaueste deutsche Punkband seit …But Alive“ wird dabei verteidigt. Mit einer Platte, die in etwa da ist, wo Frankie Stubbs Finger hin zeigte und bei den besten deutschsprachigen Platten des Jahres einsortiert werden darf. „Heute wird gewonnen, bitte!“ erscheint morgen bei Huck’s Plattenkiste / Indigo. Mp3s und Streams unter www.muffpotter.net

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