Hey baby, hey bay, hey!

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Der anspruchsvollere Konsument Guter-Laune-Musik steht also vor einem Dilemma: zum Wetter passende Musik zu finden, aber dabei seine Credibility in Sachen Pop nicht zu verspielen. Seit die Ironiemasche nicht mehr Rand- sondern Massenphänomen ist, kann man Las Ketchup eben nicht mehr mit einem Augenzwinkern entschuldigen. Aber dank aktuellem Retro-Hype und Hey-baby-Babe Gwen Stefani gibt es auch für dieses Problem eine Lösung: Ska! Nicht Ski. Ska! Was würde denn besser an die Strände der Kiel-Karibik passen als der lässige Jamaica-Sound von Prince Buster und den Skatalites? Ska ist nicht nur strandfetentaugliche Popowackel-Musik, sondern auch in einer bunten Vielzahl von Geschmacksrichtungen erhältlich: Von Cumbia Ska über Latin-Ska, Klezmer-Ska und Punk-Ska bis hin zu Ska-Core und 2Tone, kann sich jeder vorliebenkonform bedienen.

Bild: Amac Garbe (amac) Während der klassische Ska-Freund, angetan mit Pork-Pie und Anzug, Jamaica-Ska den Vorzug gibt, gönnen sich die Liebhaber des eher rustikalen Kleidungsstil ‚boots&braces’ Buster Bloodvessel oder Judge Dread. Offbeat und Bläser Ska entstand Ende der 50er Jahre als Mischung aus Rythm and Blues und Mento, einer von den schwarzen Sklaven aus Afrika mitgebrachten Musikrichtung. Zum wichtigsten Erkennungsmerkmalen des Ska wurden die starke Betonung des Offbeats sowie die starke Bläserbesetzung der Bands: Der Jamaica-Ska war geboren. Im Laufe der 60er Jahre entwickelten sich mit Rocksteady und Reggae zwei langsamere Spielarten des Ska – der Legende nach war dies den hohen Sommertemperaturen geschuldet, die exzessives Skanken unmöglich machten. Die bekanntesten Vertreter des Jamaica Ska sind Prince Buster, Laurel Aitken und die Skatalites Die zweite Ska-Welle, auch 2Tone genannt, hatte ihr Epizentrum im London der 70er Jahre, wohin jamaicanische Einwanderer den Ska gebracht hatten. Die ersten Rudeboys oder ‚Rudies’ setzen sich ursprünglich aus Boot-Boys und Hard Mods zusammen, dem klassischen englischen Arbeitermilieu. Die zweite große Gruppe Ska-Fans entstammte dem eher bürgerlichen Spektrum und bestand aus Mods und Suedeheads. Für den 2Tone war das schwarz-weiße Schachbrettmuster typisch, dass das Zusammenleben von Weißen und Schwarzen symbolisieren sollte. Während die Rudeboys, den später als Skin-Stil bekannten, Look (Arbeiterstiefel, Hosenträger) erfanden, trugen Suedeheads und Mods den typischen Pork-Pie-Hut und schwarz-weiße Anzüge. Die bekanntesten Vertreter des 2Tones sind Bad Manners , The Specials a.k.a, und Madness. Die dritte und bisher letzte Ska-Welle hatte ihren Ursprung Mitte der 80er Jahre in New York, im legendären MoonSka-Label der BandThe Toasters. Während die US-amerikanischen Bands wieder stärker zu den puristischen Wurzeln des Ska strebten, war in Deutschland vor allem die Punk-Ska- und Ska-Core-Richtung populär. Vor allem Bands wie die Mighty Mighty Bosstones und Reel Big Fish prägten diese Spielart nachhaltig. Allerdings war Ska immer eine Musik der Independentlabels, nur selten schafften Skaformationen den Sprung in die Hitparaden oder allgemeine Popularität. Bisher gelang dieses Kunststück nur Madness, Anfang der 80er Jahre und der Ska-Band No Doubt mit ihrer Frontfrau Gwen Stefani, Mitte der 90er. Hey baby!

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