Hilfe, die Hipster kommen!

Der Vintage-Sale in der Berliner Filiale der schwedischen Mode-Kette Weekday hat am Sonntag zu Chaos geführt. Was war da los?
marie-charlotte-maas

Berlin, Friedrichstraße. Es ist Montag, gut 24 Stunden nach dem Sale. In der Weekday-Filiale herrscht die Ruhe nach dem Sturm. Nichts deutet darauf hin, dass hier gestern Nachmittag mehrere hundert Menschen in den Laden gedrängt sind, die Einrichtung zerstört und Kleidungsstücke gestohlen haben. Angeblich, so heißt es bei Facebook, wurde sogar die Beleuchtung mitgenommen. Userin Carolin schreibt in der Weekday-Fangruppe, einem Mädchen seien die Zähne ausgeschlagen worden und die Verkäufer hätten sich in den Umkleidekabinen versteckt. Andere berichten von gequetschten Rippen, weinenden Menschen  und blutenden Händen. Am Ende musste die Polizei die Veranstaltung auflösen.  

Eine Aufnahme aus einem Video auf findingberlin.com, das den Titel "Occupy Weekday Vintage Sale" trägt.

Dort, wo die ganze Sache ihren Lauf genommen hat, gibt es nun die größten Diskussionen. Bei Facebook. Über das soziale Netzwerk nämlich hatten die Schweden zum „Weekday Vintage Market“ eingeladen -  zu „Great Vintage prices“. Die „Weekday Germany Gruppe“ hat mehr als 10000 Fans. In der Gruppe, die den Vintage-Sale ankündigte, sind knapp 2400. Dort schwanken die Kommentare zwischen „Selber schuld“ und „Schlecht organisiert“ und Kritik an den Besuchern „Wie kann man so etwas tun?“  

Weekday entschuldigte sich online bei den Besuchern. „Was heute passiert ist, tut uns wahnsinnig leid. Natürlich haben wir viele Kunden aufgrund des fantastischen Feedbacks auf unseren letzten Vintage Flea Market und der Zusagen bei Facebook erwartet. Zu unserem Bedauern aber haben wir eine Situation, wie sie sich heute dargestellt hat, niemals bedacht. Wir haben die Risiken, welche heute entstanden sind, komplett unterschätzt. Alles, was heute passiert ist, nehmen wir mit, um zukünftige Events sicher und organisiert veranstalten zu können.“  

Ab 11 Uhr am Montagvormittag war der Laden wieder geöffnet. Und gut gefüllt. Die Kunden sehen genauso aus, wie die Leute, die in den Videos zu sehen sind, die im Internet kursieren. Mäntel und  Jacken hängen ordentlich an den Kleiderstangen, die Hosen sind in Reih und Glied geordnet. Nur der rosarote Container vor der Tür erinnert an Sonntag. Er ist gefüllt mit zerstörten Gegenständen aus dem Shop. Reden will bei Weekday niemand über das, was passiert ist. „Ruf die PR-Abteilung in Stockholm an“ sagt der Mann an der Kasse. Im oberen Stockwerk diskutieren zwei Kundinnen mit einem Verkäufer über die Geschehnisse. Sie waren Sonntagnachmittag dabei: „Es ist beschämend, dass Leute die Klamotten in ihren mitgebrachten IKEA-Tüten heraus tragen. Das war unglaublich. Manche Leute können sich einfach nicht benehmen. Und draußen standen die anderen an den Fenstern und haben gegafft.“ Seltsam finden beide, dass der Sale so ausgeartet ist: „Es war ja nicht der erste in dieser Filiale!“  

Darüber wundert sich auch Weekday. Auf Nachfrage heißt es aus Stockholm, dass man sich nicht erklären kann, warum es diesmal so schief lief. Vor einigen Wochen fand an gleicher Stelle, zur gleichen Zeit ebenfalls ein Vintage-Sale statt, ebenfalls bei Facebook angekündigt. Der Schaden, so die Stockholmer, hielt sich in Grenzen, von Verletzten habe man nichts gehört.  

Der Mitarbeiter an der Kasse bei Weekday sagt dann doch noch ein paar Worte. Er selber habe am Sonntag keine Schicht gehabt, er sei aber an der Aufräumaktion beteiligt gewesen. Ein paar Stunden habe sie gedauert. „Die Leute sind doch bekloppt!“, sagt er schließlich. Vielleicht kann man es nicht besser auf den Punkt bringen. Und bei Facebook? Fast schon alles vergessen: „Wann ist der nächste Sale?“ fragt Jerome. 24 Leuten gefällt das.

Text: marie-charlotte-maas - Foto: Screenshot findingberlin.com

  • teilen
  • schließen