Hört auf, euch Mädchen zu nennen!

Worte haben Macht. Und deshalb ist es blöd, wenn sich erwachsene Frauen als Mädchen bezeichnen. Findet Caroline Drucker.
peter-wagner

Neulich war große Aufregung in Berlin, weil man nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus feststellte, dass der Piratenpartei nur in überschaubarem Umfang Frauen angehören. Anders als bei anderen Parteien konnte man der Neuigkeit aber einigermaßen entspannt begegnen. Die meisten Piraten werden schließlich mit einem Motherboard im Kopf geboren und programmieren jeden Tag ein neues Wiki. Sowas, denken manche, interessiert eben keine Frau. Sowas ist, denken manche, Männersache.

Aber stimmt das?

Tja, das ist die immer noch quälende und nervenzehrende Debatte, warum Mädchen sich angeblich nicht fürs Programmieren, fürs Deutsche Museum, ach, für Naturwissenschaften im Allgemeinen interessieren. Es gibt einige Gründe und sehr wahrscheinlich spielt die Sozialisation eine große Rolle. In einem kleinen Vortrag in New York stellte neulich die gebürtige Kanadierin Caroline Drucker die Frage, wie man „more Women in Tech“ bringt? Sie hatte eine neue Antwort.

Drucker ist ihrem Twitter-Account zufolge Marketing Manager bei Sound Cloud und offeriert eine auf den ersten Blick hyper-einfache Lösung für das Keine-Frauen-in-technischen-Berufen-Problem. Sie sagt: „Wenn du als Frau respektiert werden willst, dann hör auf, dich Mädchen zu nennen.“ Drucker erzählt das an ein paar Bildern entlang so dahin. Sie findet, dass Menschen, die menstruieren und Steuern zahlen bitteschön und endlich als Frauen zu bezeichnen sind. Worte könnten nämlich eine ziemliche Macht entfalten, die man nutzen müsse. Wer sich Mädchen nennt, sagt Caroline Drucker, macht sich bewusst klein. Wer eine erwachsene Frau sei und als Mädchen angesprochen werde, der werde bewusst klein gemacht. „Girls aren‘t threatening“ sagt Drucker an einer Stelle des Videos.

http://www.youtube.com/watch?v=TUvRPmL61SI&feature=player_embedded#!

Spätestens da beginnt man die Größe der Botschaft zu kapieren. Worte, Titel, Bezeichnungen sind eben immer noch Werkzeuge und Statussymbole. Eine erwachsene Frau zu sein und sich als Mädchen zu bezeichnen ist nach Druckers Worten so, als würde man immer einen Disclaimer vorlesen, in dem steht, dass man zwar eine Meinung habe, dass sie aber vielleicht ja nicht soviel wert sei, weil sie ja schließlich von einem Mädchen komme.

Das Video ist ein entspannter Zwischenruf, aus dem nicht nur selbsternannte Mädchen etwas lernen können. Denn auch wenn es nett klingt, wenn der eigene Chef von seinen "Jungs" spricht, wenn er seine Mitarbeiter meint - man weiß dann auch irgendwie nicht so genau, ob er diese Jungs auch ernst nimmt.

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