Hommage? Am Arsch!

Eine Flasche Pommes.
dirk-vongehlen
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Illustration: Julia Schubert

Eine Flasche Pommes. Illustriert von simone-carrier Zwei Sträflinge sitzen auf einem Hochbett in ihrer Zelle und langweilen sich. Sie langweilen sich so sehr, dass sie nach einer Weile beschließen: „Lass uns Kaufmannsladen spielen.“ So beginnt Dieter Hallervordens wahrscheinlich bekanntester Sketch. Bekannt wurde er, weil Hallervorden darin nicht nur als gespielter Käufer den gespielten Verkäufer mit dem gespielten Wunsch nach „einer Flasche Pommes“ überrascht, sondern vor allem weil er das Läuten der sich öffnenden Tür wie kein anderer zelebrierte: „Andere hinterlassen den ,Zauberberg’“, bekannte Hallervorden vor kurzen, „ich eben ,Palim Palim’.“ Der gespielte Witz vom „Kaufmannsladen“ ist genauso wie „Didi zieht um“, „Die Kuh Elsa“, „Didi und das Millionending“ und überhaupt alle Folgen aus der 70er-Jahre Sketchshow „Nonstop Nonsens“ auf der gleichnamigen DVD-Sammlung zu sehen, die soeben erschienen ist. Das passt gut, denn schließlich ist Hallervorden im September 70 Jahre alt geworden und all die Interviews und Porträts über ihn erinnerten an den albernen Blödel-Slapstick, der Hallervorden berühmt machte. Ein Tollpatsch mit albern-hoher Stimme, der so ungeschickt in eine Hake tritt, dass sie ihm ins Gesicht schlägt. Ein Kellner, der sich in der Schwingtür zur Restaurantküche verfängt, zu Boden geht und sich anschließend die Augen an dem langen Kleid einer Frau reibt, das natürlich reißt. Die Witze, die auf den insgesamt sechs DVDs (in zwei Boxen) vorgespielt werden, sind nicht nur weil sie sehr alt sind (erstmals zwischen 1975 bis 1980 ausgestrahlt), sehr absehbar. Sie wollen aber auch gar nicht durch Originalität bestechen, sie wollen die Zuschauer zum Lachen bringen. Und das gelingt Hallervorden – das stellt man beim Ansehen der Folgen fest – sehr viel häufiger, als es zum Beispiel die intellektuellen Loriot-Freunde behaupten, die auf den geistlosen Klamauk hinabschauen. Deshalb ist die „Nonstop Nonsens“-Collection in jedem Fall eine Freude. Das hat aber gar nichts mit „Kult“ zu tun, wie es die Pressemitteilung behauptet. Es ist einfach ein dämlicher, aber guter Kalauerhumor, der sehr viel mehr Spaß macht als die unwitzigen Gestalten, die heute Witze im Fernsehen „spielen“. Als im Rahmen der Fernsehgala zu Hallervordens 70sten Geburtstag beispielsweise ein ebensolcher Spaßvogel namens Ingo Oschmann auf die Bühne kommt und dem Jubilar als „Hommage“ eine Stoffkuh (für die Kuh Elsa) überreicht, reagiert Hallervorden, wie es sich gehört: „Ommasch? Am Arsch!“. Anschauen kann man sich diesen Auftritt auf der Bonus-CD der Collection – darauf ungesendete Sketchfassungen und ein aktuelles Hallervorden-Interview. Der wirkliche Bonus der Sammlung ist aber die Audio-CD „Seine großen Erfolge“, auf der 23 Hallervorden-Songs gesammelt sind – von „Punker Maria“ über „Bauernball im Hühnerstall“ bis zum Duett mit Helga Feddersen: „Die Wanne ist voll“.

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