Honorarkonsule erzählen (II): Österreich - Ordensverleihung und G8-Gegner

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Unangenehm fällt den Österreichern ein Deutscher eigentlich immer dann auf, wenn er sich großkotzig benimmt. Früher hat man uns Österreicher ja oft recht belächelt und gesagt: Können die noch was anderes außer Walzer, Sachertorte und Apfelstrudel? Diese Einstellung hört man in den letzten Jahren nicht mehr so oft. Die Österreicher haben im Gegenzug an Selbstbewusstsein gewonnen. Durch die guten Wirtschaftsdaten und Reformen, an die man sich in Deutschland noch nicht gewagt hat. Und man lässt sich jetzt auch nicht mehr einfach so belehren.

Alfons Schneider, Honorarkonsul im österreichischen Salzburg Foto: privat Als Honorarkonsul habe ich die Deutschen bisher von ganz unterschiedlichen Seiten kennen gelernt. Da gibt es wirklich nette Momente. Etwa, wenn deutsche Handwerker auf der Walz sind: Da hatten wir mal zwei Jungen und ein Mädchen, die haben dann ein Gedicht aufgesagt und um einen Obolus gebeten. Allerdings erlebe ich eben auch unangenehme Dinge. Es gibt immer wieder Leute, die zu mir kommen und sagen: „Ich brauch morgen einen Pass.“ Im Schnellverfahren sozusagen. Das geht natürlich nicht, doch manche Leute sehen das nicht ein und fangen an zu toben. Ich mache dann immer den Vorschlag, in eine grenznahe Gemeinde nach Deutschland zu fahren und sich dort die Unterlagen zu besorgen – denn die Kollegen dort schaffen es etwas schneller. Aber natürlich ebenfalls nicht bis zum nächsten Tag. Die neuen Gesetze mit Fingerabdrücken und biometrischen Daten machen alles nur noch komplizierter. Man kann jetzt zum Beispiel nicht mehr jedes Foto nehmen. In Salzburg gibt’s nur drei Fotografen, zu denen wir Antragsteller schicken können. Zu uns kam auch mal eine deutsche Lehrerfamilie mit fünf Kindern, die ganz schnell Visa wollten. Der Mann hatte ein Verfahren in Deutschland, weil er seine Kinder selbst unterrichten wollte, was man in Deutschland nicht darf und daher kam er nun nach Österreich. Den Fall musste ich ebenfalls an die Botschaft weiterreichen. Früher hätten wir das vielleicht noch bearbeiten können, denn vor meiner Ernennung zum Honorarkonsul im Jahr 1994 gab es ein Generalkonsulat. Mit zwölf Mitarbeitern, Auto und Chauffeur. Dann, im Zuge des Schengen-Abkommens und des EU-Beitritts, hat man umstrukturiert und Personal abgebaut. Vor zwei Jahren wurden dann auch die alten herrschaftlichen Räumlichkeiten geschlossen. Seitdem ist das Honorarkonsulat in meinem Firmensitz in der Aribonenstraße 27 untergebracht. Und die einzige Halbtagskraft, die mich in meinem Ehrenamt unterstützt, ist eine Mitarbeiterin meines Unternehmens. Allerdings ist die Arbeit durchaus weniger geworden. Sonst hätte ich es nicht gemacht. Ich war bereits mehr als 16 Jahre Präsident der Industriellenvereinigung Landesgruppe Salzburg, als mich der Landeshauptmann, das ist eine Art Ministerpräsident, an den damaligen deutschen Botschafter Jenninger in Wien empfohlen hat. Von Herrn Jenninger wurde ich dann gefragt: „Wollen Sie unser erster Honorarkonsul werden?" „Gern, wenn es nicht zuviel Arbeit ist“, habe ich damals geantwortet – und nach drei Tagen Bedenkzeit angenommen. Ich musste bisher zum Beispiel nur einmal in meinem Namen einen Orden verleihen und eine Laudatio halten. Das hält sich also im Rahmen. Wenn höhere deutsche Gäste kommen, schaltet sich sowieso immer die Botschaft ein. Wir haben hier auch viele deutsche Studenten, aber wir haben recht wenig damit zu tun – anscheinend sind die schon gut versorgt. Was nicht heißt, dass es nichts zu tun gibt. Es gehört zum Beispiel zu unseren Aufgaben, bei Katastrophen mit deutschen Todesopfern zu den Gottesdiensten zu gehen und für die Angehörigen da zu sein. Dann passieren immer wieder Dinge, mit denen man nicht rechnet. Was mir unlängst unangenehm war: Da kamen Demonstranten, die gegen den G8-Gipfel protestierten. Mit sechs Mann und Flugblättern sind die hineingestürmt und haben sich leider nicht gerade vorbildlich verhalten. Die haben das am Eingangsportal angebrachte Messingschild für das Konsulat mit Lack beschmiert, den man nicht entfernen konnte. Wir mussten dann ein neues Schild besorgen und haben das dann aus eigener Tasche bezahlt. Wenn sie friedlich die Flugblätter verteilt hätten, sage ich nichts, aber das hat mich schon geärgert. Aber wie ich schon sagte – insgesamt hat sich das Verhältnis zwischen Deutschen und Österreichern enorm verbessert. Die Deutschen können allerdings durchaus noch etwas von uns lernen. Ich rate immer: Sie können nicht nur auf ihre Computer vertrauen. Da ist der Österreicher mehr aus dem Bauch heraus. Und das hilft im Leben oft ungemein.

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