Honorarkonsule erzählen: Neuseeland - auf keinen Fall lachen!

Das Ausland, das wissen wir aus dem Fernsehen, steckt voller Abenteuer: Pass verloren, Impfung vergessen, sich in der Stadt verlaufen und auf der Fahrt über Land kein Benzin mehr gehabt. Wenn etwas richtig schief geht, meldet man sich im Ausland bei der nächsten Vertretung der Heimat - das sind meistens die Honorarkonsule Deutschlands. In unserer jetzt.de-Kolumne erzählen Honorarkonsule von ihren Erlebnissen und sagen, auf was man im Ausland achten sollte. In Folge 1 erzählt Erich Bachmach, Honorarkonsul im neuseeländischen Auckland, warum man in manchmal Neuseeland unter keinen Umständen lachen darf - und die Gefahr hier immer von rechts kommt.
bernd-klopfer

Bloß nicht lachen, bloß nicht heiter schauen. Das fällt manchmal schwer, gerade wenn man etwas Ungewohntes sieht, was ziemlich komisch wirkt. Doch das ist die oberste Regel für jeden, der sich eine kulturelle Veranstaltung der Maoris ansieht. Sonst kann man die Ureinwohner Neuseelands unheimlich kränken. Ich kenne den Fall eines Holländers, der das nicht beachtet hat – und dem ein Maori ins Gesicht geschlagen hat. Es sind Kleinigkeiten, die hier oft zu großen Missverständnissen führen können. Bei den Maoris wird es als aggressiv angesehen, wenn man dem anderen in die Augen schaut. Was in Europa bei einem Gespräch dagegen ein Zeichen der Höflichkeit ist. Man sollte auch einem Maori nicht ins Haar oder an den Kopf fassen. Sich zu vorab zu informieren ist einfach unheimlich wichtig.

Erich Bachmann, Honorarkonsul in Auckland. Hier mit einer Mitarbeiterin. Bild: privat Bei anderen Dingen ist man natürlich machtlos. Hier passiert es Tag für Tag, dass Deutschen der Pass gestohlen wird. Das kommt leider sehr oft vor. In dem Fall kann ich vor Ort in Auckland nur teilweise helfen – da müssen die Leute dann 800 Kilometer nach Wellington in die deutsche Botschaft fahren. Und einen Antrag stellen. Oft kommen auch Leute zu mir, die kein Geld haben und mich bitten, ihnen schnell etwas zu leihen. Das geht natürlich nicht, denn da könnte ja jeder kommen. Da muss man auch wieder einen Antrag an die Botschaft stellen. Die Leute haben oft falsche Vorstellungen. Das fängt schon damit an, dass manche sich wundern, wenn sie mich besuchen. Manche stellen sich vor, dass ich in Riesenhaus residiere. Die denken: Ein Konsulat hat 1000 Angestellte. In Wirklichkeit ist alles recht klein. Ich arbeite ehrenamtlich als Honorarkonsul, sozusagen nebenbei. Hauptberuflich bin ich Teilhaber einer Anwaltskanzlei, die relativ groß ist. Wir sind im elften Stock, 41 Shortland Street im Zentrum von Auckland. Generell empfehle ich, uns immer vorher anzurufen. Wie gesagt: Ich mache es ehrenamtlich und habe keine 1000 Angestellten. Obwohl ich erst seit einigen Monaten Honorarkonsul bin, habe ich schon viel erlebt. Man darf sich beispielsweise in Auckland nicht öffentlich auf einer Straße betrinken. Aber hin und wieder passiert es eben doch und dann müssen die Touristen unter Umständen sogar eine Nacht in einer Zelle verbringen. Vor allem, wenn man den Alkohol auf Aufforderung des Polizisten nicht wegschüttet. Wir hatten auch mal ein deutsches Pärchen, das einige Mal beim Autofahren wegen zu hoher Geschwindigkeit geblitzt wurde. Unglücklicherweise ist das Pärchen dann umgezogen – und die Zahlungsaufforderungen wurden noch an die alte Adresse zugestellt. Das Pärchen zahlte die Strafe nicht. Mit der Folge, dass sie stapelweise Briefe mit Mahnungen erhalten haben. Es kam sogar zu einem Gerichtstermin, bei dem das Pärchen ziemlich verängstigt war. Wenn man Strafen nicht bezahlt, kann man zudem das Land nicht verlassen. Wer einreisen will, sollte übrigens unbedingt darauf verzichten, Lebensmittel mitzunehmen. Es reicht schon ein Apfel im Gepäck: Dann bekommt man einen Strafzettel und muss 200 Dollar bezahlen. Und eines sollten alle Deutschen, die sich ein Auto mieten, besonders beachten: den Linksverkehr. Viele Leute vergessen das. Zum Beispiel auch, dass man da zuerst immer nach rechts statt nach links kucken muss. Die setzen sich nach dem Flug in den Wagen und brausen los. Ich empfehle, erst einmal einen Tag mit dem Autofahren zu warten und sich einzugewöhnen. Denn wer in Neuseeland einen Unfall baut, hat damit noch größere Probleme als zuhause in Deutschland. Man kann für seinen Krankenhausaufenthalt keine Person verklagen. Da kann die Schuld noch so klar feststehen. Eine Reiseversicherung ist so gesehen empfehlenswert – denn Schmerzensgeld gibt es hier nicht.

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