Honorarkonsuln erzählen (VI): Australien - Sahara-Sonnenschutz und Steinhaie

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Hier in Queensland gibt es eine wichtige Regel: niemals hupen. Wenn man auf der Straße fährt und plötzlich hält der Vordermann auf der Fahrbahn an, steigt aus dem Fahrzeug und erledigt etwas, dann sollte man ihn einfach lassen. Hier in Australien sagen wir uns: Wenn er aussteigen will, dann soll er doch. In Deutschland würden die Leute anfangen zu hupen, aber der Australier wartet einfach. Ohne den Fahrer anzuzeigen. Ich brauche ja nicht Polizei zu spielen. Man hat hier einfach Zeit, man redet und man ist sehr hilfsbereit. Das ist auch nötig in einem Bundesstaat, der fünfmal größer als die Bundesrepublik ist und in dem aber nur 4,2 Millionen Menschen leben. Aufgerundet wohlgemerkt.

Detlev Sulzer, Honorarkonsul der Bundesrepublik im australischen Bundesstaat Queensland Foto: privat Unsere Motto lautet hier: Wenn jemand Hilfe braucht, dann gibt man Hilfe. Australien ist kein ungefährliches Land. Man muss vieles beachten. Es sind nicht mal die Dinge, die man jetzt typischerweise vermuten würde. Die Leute sterben nicht an Krokodil- und Schlangenbissen. Am meisten passiert am Ayers Rock. Man könnte jetzt denken: Nur ein Fels. Doch genau weil es ein riesiger Fels ist, hat man hier hohe Temperaturen. Die Sonne strahlt hier auch von unten. Die Leute unterschätzen die Natur. Sie schaffen es vielleicht noch nach dem Abstieg wieder runter – und dann haben sie einen Herzinfarkt. Mittlerweile gibt es jetzt Kontrollen vor dem Aufstieg, man prüft die Fitness und es kann nicht mehr jeder hoch. Manchmal erlebe ich auch tragische Fälle, die dann glücklicherweise gut ausgehen. Wir hatten einen IT-Manager, der an seinem dritten Urlaubstag eine ganz besondere Begegnung mit einem Hai hatte. Er war im Wasser und sah plötzlich etwas Ungewohntes, was wie ein Stein aussah. Er dachte sich dann: „Den Stein habe ich hier noch nicht gesehen“. Also ging er darauf zu, aber das war ein Fehler. Denn der Stein war ein Hai. Der Mann hätte sterben können, doch der Hai verfehlte die Aorta um fünf Millimeter. Sein Bein hat er auch behalten können, obwohl er dort ebenfalls eine große Wunde hatte. 14 Tage lang musste der Manager seinen Urlaub dann im Hotel verbringen, bis er nach Deutschland zurückkehren konnte. Man muss hier wirklich mit den Gefahren rechnen. Wir sind hier in Queensland 700 Kilometer vom südlichen Wendekreis entfernt. Zum Vergleich: Auf der nördlichen Halbkugel ist dort die Sahara. Die Sonne strahlt hier also senkrecht. Sie müssen sich eincremen und sollten beim UV-Schutz beim Faktor 30 anfangen. Minimum. Hier kann man auch nur Sonnencreme kaufen, die einen Lichtschutzfaktor zwischen 30 und 60 hat. Sonst gefährdet man seine Gesundheit. Die Leute in unserem Bundesstaat haben das durch bittere Erfahrungen lernen müssen. Jeder Dritte in Queensland hat Hautkrebs, weil man vor 20 Jahren eben noch nicht so darauf geachtet hat. Trotz dieser Dinge, die man beachten muss, kann ich nur jedem Deutschen empfehlen, nach Australien zu kommen. Es ist eine Erlebniswelt. Ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Ein bisschen so wie die USA Ende 1870, zur Gründerzeit. So was ähnliches erleben wir hier bei uns jedenfalls. 1500 Leute ziehen wöchentlich nach Queensland. Wir haben hier 40 Prozent aller australischen Rohstoffe. Kohle, Aluminium, Zink, Gold, Edelsteine. Und Rohstoffe sind gefragt wie nie, gerade wegen dem Bedarf Chinas. Ingenieure und Facharbeiter werden deshalb dringend gesucht. Es gibt hier gute Organisationen, die sich um die Vermittlung von Arbeitskräften kümmern und die ich jedem Deutschen nur empfehlen kann. Notfalls können sich deutsche Bürger auch bei mir melden – ich helfe gerne weiter. Wer aus Deutschland als Tourist oder Student herkommt, muss natürlich ein paar Dinge beachten. Kopien von Pässen, Visa, Kreditkarten und Flugticket sind essentiell. Dann braucht man unbedingt eine Reiseversicherung, in der der Krankenrücktransport nach Deutschland inbegriffen ist. Sonst wird das sehr teuer. Und jeder, der hier arbeiten will, sollte eine Krankenversicherung abschließen, denn sonst hat man keinen Schutz. Wer sich in Australien ein neues Leben aufbaut, sollte zudem seine Rentenpapiere dabei haben, denn die braucht man im Alter und später ist es schwer, die zu besorgen. Die australischen Behörden sind grundsätzlich sehr hilfsbereit. Wenn aber das Visum abgelaufen ist und man das nicht meldet, hat man ein Problem. Dann kann man nämlich nicht ausreisen und man muss ins Detention Center. Hier in Queensland haben wir das aber nicht und deshalb heißt das bei uns: Ab ins Gefängnis. Dort sitzt man dann solange, bis einen die Behörden nach Hause schicken. Und man bekommt beim Abflug einen speziellen Stempel in den Pass. Das, was da drauf steht, bedeutet dann: „Sie sind in Australien nicht mehr erwünscht“. Und die betreffende Person hat große Probleme, überhaupt noch einmal einzureisen. Dann gibt es noch gewisse Dinge, die man als Deutscher einfach wissen sollte. Man kann hier zwar nicht so schnell in ein Fettnäpfchen treten. Aber eines mögen Australier nicht: Wenn man Deutschland über das Gastland hebt. Ich erlebe das oft: Gerade junge Menschen erzählen den Australiern gerne von Deutschland. Das ist an sich in Ordnung, jedoch kommt es hier auf das Feingefühl an. Ich war 17 Jahre bei einer studentischen Austauschorganisation tätig und habe erlebt, dass dann eben zu sehr davon geschwärmt wird, wie toll es in Deutschland ist. Und das hört man hier nicht gerne. Deutschen, die mit dem Auto unterwegs sind, empfehle ich immer: Macht euch eine Zeichnung auf eurer Lenkrad, malt auf, wo die Mittellinie der Straße ist und wo die Ränder. Markiert euch die Seite, auf der ihr fahren müsst. Also links, weil wir zur englischen Sorte gehören und Linksfahrgebot haben. Man ist hier im Outback oft stundenlang auf einer Straße unterwegs, ohne dass einem ein Auto entgegenkommt. Da verliert man schon mal das Gefühl dafür, ob man jetzt auf der richtigen Seite ist. Dann plötzlich taucht ein Auto auf und man denkt sich: „Dieser Idiot, kann der nicht auf der richtigen Seite fahren?“ Und dann kommt es meist zu einem Unfall, weil beide irritiert sind. Eine Ausnahme gibt es bei den Roadtrains. Das sind Sattelschlepper mit mehr als drei Anhängern, die zwar nicht in der Stadt fahren, aber auf dem Land. Hier gilt die einfache Regel: Der Roadtrain hat Vorfahrt – und zwar immer. Das sollte man als Autofahrer unbedingt wissen, denn das ist hier lebenswichtig.

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