Humphrey Bogarts Highschool-Jahre

An diesem Donnerstag kommt der Film „Brick“, eine wunderbare Mischung aus Highschoolfilm und Noir-Thriller, in die Kinos.
lisa-goldmann

„Mit wem isst er/sie zu Mittag?“ – mit dieser Frage lassen sich die Cliquengefüge an einer amerikanischen Highschool wunderbar aufdröseln. Wer zusammengehört, verbringt auch seine Mittagspause miteinander. Darum geht es in dem Film „Brick“, um eine Highschool, um die Coolen und die Uncoolen, die Frage wer mit wem, um Partys und vor allem um Drogen. Man kennt das aus unzähligen Highschoolfilmen, aus „Grease“, „American Pie“, „Clueless“, oder „Dazed and Confused“. Aber „Brick“ ist anders, Regisseur und Autor Rian Johnson macht eine Detective Story aus der Geschichte, die er im Stil eines Noir-Thrillers erzählt.

Brendan (Joseph Gordon-Levitt) verbringt seine Mittagspause immer alleine. Er ist der einsame Held in „Brick“, der sich der grausamen sozialen Hierarchie entzogen hat. Brendan gehört zu keiner der Cliquen, nicht zu den Kiffern, die in ihrer Freizeit im Hinterhof eines Cafés rumhängen, nicht zu den Footballspielern und den reichen Kids. Schon sein Aussehen verrät ihn als Außenseiter, Frisur, Brille und Klamotten sind jenseits aller gültigen Definitionen von Coolness. Damit signalisiert er Gleichgültigkeit und genau das macht Brendan zum eigentlich coolsten Hund an der Schule – aber nur er und der Zuschauer wissen das. Schauspieler Joseph Gordon-Levitt, man kennt ihn aus „10 Dinge, die ich an dir hasse“, einem anderen, viel konventionellerem Highschoolfilm, hat das ganz genau verstanden und glänzt mit wunderbar lakonischer Lässigkeit.

Brendans letztes Telefonat mit Emily

Gleich zu Beginn von „Brick“ gibt es eine Tote. Brendan findet die Leiche seiner Exfreundin Emily (Emilie de Ravin), die vor einiger Zeit aus der Schule verschwunden ist. In einem Rückblick erfährt man, dass Emily noch zwei Tage zuvor am Telefon Brendan um Hilfe gebeten hat, sie klangt verängstigt und redete kryptisch von „Brick“, von „Tug“ und „Pin“. Brendan, immer noch verliebt in Emily, macht sich Vorwürfe, weil er ihr nicht helfen konnte und schwört sich, ihren Mörder zu finden. Dazu muss er zunächst herausfinden, was die von Emily verwendeten Begriffe bedeuten. Sein einziger Freund, der seltsame, hochintelligente Nerd namens The Brain (Matt O’Leary), weiß immerhin, dass mit Pin der größte Drogenboss der Gegend gemeint sein muss, auf den alle kleinen und größeren Drogendeals zurückzuführen sind, den aber keiner persönlich kennt.

Links Brendan, der coole Privatdetektiv und rechts Laura, die Femme Fatale

Brendan wird zum selbst ernannten Ermittler, zum coolen Privatdetektiv à là Humphrey Bogart in den Film Noirs der Vierziger Jahre wie „Der Malteser Falke“ und „The Big Sleep“. Und er lässt absolut keinen Zweifel daran, dass er bis zum Äußersten geht. Hartnäckig befragt er Mitschüler, mischt die Szene auf, vermöbelt die Handlanger oder lässt sich von ihnen vermöbeln, um an deren Bosse zu kommen. Er weiß, dass er, um ans Ziel zu gelangen, die Cliquenstruktur durchschauen muss, die im Laufe des Films immer mehr an die mörderischen Verbrechersyndikate aus eben jenen Film Noirs erinnert. Regisseur Rian Johnson treibt damit auf die Spitze, was Teenager schon immer wissen: Dass das Leben an der Highschool bitterer Ernst ist nämlich, und dass es oft genug um Leben und Tod geht. Johnson hält die Balance zwischen Highschoolfilm und Detective Story den ganzen Film über durch. Die klassische Verfolgungsjagd findet nicht am Hafen oder in einem alten Industriegelände statt unter schummrigen Straßenlaternen, sondern unter der grellen Mittagssonne Kaliforniens, im Säulengang vor der Turnhalle. Doch die Schatten, die auf Brendan und seinen Verfolger fallen, der Kontrast zwischen Licht und Dunkel, ist der gleiche. Und wenn Brendan zum Co-Rektor der Schule gebeten wird, erinnert das Gespräch an die kühlen, abgeklärten Dialoge zwischen Polizist und Privatdetektiv, geprägt von gegenseitiger Abhängigkeit, aber auch gegenseitigem Misstrauen. So eine Genremischung führt natürlich zwangsweise auch zu vielen wunderbar komischen Situationen, zum Beispiel wenn der ganz in schwarz gekleidete, düster blickende Drogenboss sein Imperium vom Keller seines Elternhauses aus leitet und seine Mutter ihm dort Cornflakes serviert.

Der Drogenboss und seine Mami

Brendan verwickelt sich mehr und mehr in den Fall, bis er ihm völlig über den Kopf wächst. Hier weiter auf die einzelnen Handlungsstränge einzugehen, wäre zu kompliziert und würde zu viel verraten, nur das sei gesagt: Es gibt viele Twists und am Ende eine Lösung, in der alle Plots zusammenkommen und die man, wenn man den ganzen Film über genau aufgepasst hat, auch versteht.

(Fotos: Senator)

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