Ich packe meine Badetasche! Vier Empfehlungen für einen lauen Restsommer

Ein Video, ein Buch, eine Platte und eine Zeitschrift, die dich durch den August bringen. Auch, wenn er total verregnet ist.
max-scharnigg

Ziemlich sommerlich und damit eher unbritisch ist das Video zur neuen Single des halbwegs interessanten Trios Friendly Fires geraten. Der Clip könnte zwar auch als Agfa-Werbung durchgehen, macht aber dann doch vor allem richtige August-Laune. Die Single erscheint denn auch kurz vor Schluss: am 31.8.

Die Lektüre für den Strand oder das Freibad sollte vor allem unterhalten. Man muss das Buch auch mal zwei Tage in der Badetasche liegen lassen können, ohne dass man den Faden der Geschichte verliert. Es dürfen nicht zu viele handelnde Personen vorkommen und das Geschilderte selber sollte an Amüsement und Kitzligem nicht sparen, sondern amtlich rumknallen. Das alles trifft auf Sebastian Horsley „Dandy in der Unterwelt“ (Blumenbar Verlag) zu.

Der Titel dieser „unautorisierten“ Autobiografie sagt schon alles: der flamboyante Sebastian strudelt von Kindesbeinen an durch ein Sex- und Glamdurcheinander, verkostet sämtliche Drogen, stürzt in die unwahrscheinlichsten Abgründe und verehrt nebenbei noch Marc Bolan. Oscar Wilde revisited, gewissermaßen. Und als Leser denkt man einmal mehr: Wie praktisch, dass andere so ein aufregendes und zerstörerisches Leben führen, dann kann man selber in aller Ruhe auf der Luftmatratze bleiben und davon lesen. Ein legitimer Gedanke!

Während der zwei Wochen an der Playa oder bei Oma kriegt man aber auch die eine oder andere Entzugserscheinung. Das tägliche Webgedudel zum Beispiel fällt weg, die youtube-Links und myspace-Entdeckungen, die man sonst nebenbei und ohne jede Ordnung konsumiert. Als Ersatz zum Mitnehmen bietet Sony jetzt eine mypsace-Compilation an. Zu hören sind darauf: Myspace-Künstler aus der obersten Liga, 42 Lieder, von Kings of Leon bis Decemberists, insgesamt und vor allem Rock plus ein bisschen Elektro-Slickness. Ist natürlich ziemlicher Unsinn: Playlists aus dem Netz wieder auf CD pressen und dann damit bewerben, dass es Playlists aus dem Netz sind. Gaga. Aber schon fast ein bisschen nostalgisch, so eine dicke CD-Compliation mit wirklich braver A-Sortierung der Songs. Wird es sicher bald nicht mehr geben. Und Sommerferien sind ja auch eine gute Zeit, um nostalgisch zu werden. Ist man damit durch, verschenkt man sie an eine Ferienbekanntschaft, myspace ist ja eine weltweite Währung.

Hält man an einer italienischen Autobahn-Raststätte der Kette „Autogrill“, kann man sich dort auch gleich eine Ausgabe des Magazins „Colors“ kaufen. Gehört nämlich beides zum Ex-Skandal-Kleiderkonzern Benetton und ist beides trotzdem gar nicht so übel. Beim "Autogrill" findet man authentische Espresso- und Paninikultur die sich wohltuend von den sterilen Gulaschsuppen unserer deutschen Raststätten unterscheidet. Und in „Colors“ gibt es tatsächlich überdurchschnittlich viele interessante Geschichten feat. junge Menschen wie du und ich zu lesen. Und die Stechmücken im Ferienhaus kann man abends damit auch erstklassig zerklatschen.

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