Ich subbe! Ein Blick in die Szene derer, die Untertitel für US-Serien schreiben

Was tun, wenn eine Fernsehserie in Deutschland nicht ausgestrahlt wird? Im Internet helfen sich Fans selbst. Sogenannte Subber übersetzen Untertitel, die sich die Zuschauer dann in die englischen Originale laden können.
clemens-haug

Die 31-jährige Angeldream war begeisterter Fan der Serie Lost. "Ich hab keine Folge verpasst. Dann war plötzlich wieder eine Staffel zu Ende. Ich wollte aber unbedingt wissen, wie es weitergeht." Darauf warten, bis die offiziell synchronisierte Fassung da ist, wollte sie hingegen nicht. Also hat sie sich die amerikanische Version der Serie besorgt und stand gleich vor dem nächsten Problem: Ihr Englisch reichte nicht aus, um alle Details zu verstehen. Deutsche Untertitel mussten her. Im Netz wurde sie fündig. Eine Userin namens Willow hatte seit Beginn der Serie Untertitel übersetzt und stellte sie online zur Verfügung. Damit hatte Willow auch den Grundstein für die deutsche Subber-Szene gelegt, die ihren Namen vom englischen "Subtitle" herleitet. Vorher gab es selbst übersetzte Untertitel nur für japanische Anime-Produktionen. Willow übertrug das Prinzip auf Lost. Die Serie stellte damals im Internet ein kleines Phänomen dar. Nachdem sie auf Pro7 ausgestrahlt wurde, wurden im Netz zahlreiche Fanseiten gegründet. Damals stellte Willow fest: "Die Serie war online schnell beliebter als im Fersnehen. Dort blieben die Einschaltquoten relativ gering und gingen von Staffel zu Staffel weiter zurück. Dagegen sahen immer mehr Fans Lost auf Englisch mit meinen Untertiteln an." Zuweilen, sagt sie, hätten sich über 20.000 User pro Woche ihre Übersetzungen heruntergeladen.

Inzwischen gibt es mit tv4users.de und subcentral.de zwei große deutschsprachige Foren. Beide haben zur Zeit jeweils rund 75.000 Mitglieder. Wer das Angebot nutzen will, muss die jeweilige Serie auf dem heimischen Rechner haben. Dann kann er sich die passenden Untertitel dazu von den Foren herunterladen und einfach in das Abspielprogramm ziehen. Doch das Hobby rangiert am Rande der Legalität, weswegen die hier erwähnten Subber ihre echten Namen nicht nennen wollen. Das Übersetzen und Einstellen der Untertitel ist zwar legal, doch das Herunterladen der Serien von Filesharing-Plattformen natürlich nicht. Inzwischen tauchen selbst übersetzte Untertitel auch bei Streamingplattformen wie kino.to auf. Angeldream ist seit zweieinhalb Jahren selbst Subberin. Weil sie zu Hause ihre kranke Tochter pflegen muss, hat sie nebenher Zeit, englische Serienuntertitel ins Deutsche zu übersetzen. Das macht sie jetzt für CSI Miami. Die erste Staffel hat sie allein übersetzt. Auf Subcentral, ihrem Forum, werden inzwischen Untertitel zu über 100 Serien angeboten. "Wir arbeiten vollkommen unkommerziell. Zwischen 70 und 80 Leute subben regelmäßig", erklärt die Übersetzerin, die durch ihr Hobby auch ihre Englischkenntnisse verbessert. Serien und Folgen werden unter den aktiven Usern aufgeteilt. Die Gemeinde der Subber ist so vielfältig wie die der Serienfans. "Von Rentnern über Informatiker und Hausfrauen bis hin zu Schülern sind bei uns eigentlich alle Alters- und Berufsgruppen vertreten", sagt Angeldream, die mittlerweile zu den Administratoren von Subcentral gehört. Der 18-jährige Blueweek ist Schüler und erst seit April dabei. Er hatte sich seine Lieblingsserie Californication auf kino.to angesehen, mit den Subs von Subcentral. "Ich wollte wissen, von wem die Übersetzungen kamen und mich dafür bedanken", beschreibt er seinen Einstieg in das Subben. Jetzt übersetzt er Folgen der Serien "Pretty little Liars" und "How not to live your live". Manchmal steht er dabei auch unter Zeitdruck: "Manche Leute meckern dann im Forum, wenn es ihnen nicht schnell genug geht." Im Forum gelte die unausgesprochene Regel, dass eine Übersetzung drei bis vier Tage nach dem Ausstrahlen einer Folge in den USA da sein sollte. Blueweek findet das nicht immer einfach. Um 45 Minuten Untertitel einer Sendung zu übersetzen, braucht er etwa sieben bis acht Stunden. Der Gefahr, dass er darüber andere Aktivitäten vernachlässigt, begegnet er entschieden: "Bei mir geht das Privatleben vor. Ich würde nie eine Verabredung absagen, weil ich noch Subs fertig machen muss." Ein bisschen Netzidealismus spielt bei allen Subbern eine große Rolle. User Siralos von TV4Users beschreibt, dass es ihm und anderen auch darum gehe, der Gemeinschaft etwas zurück zu geben: "Es macht Spaß, das Englische zu übersetzen, nach Formulierungen zu suchen, die Geschichte sozusagen nochmal neu entstehen zu lassen und ihr vielleicht sogar eine kleine persönliche Note hinzuzufügen. Wenn die Untertitel dann noch von Anderen genutzt werden und man diesen Leuten so eine Freude machen kann, ist das ein schönes Gefühl."

Text: clemens-haug - Illustration: Katharina Bitzl

  • teilen
  • schließen