Ich wette...

Bayerns Ze Roberto im goldenen Trikot.
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Illustration: Julia Schubert

Bayerns Ze Roberto im goldenen Trikot. Foto: dpa Sammer wieder in Stuttgart, Rosicky weiter beim BVB, Deisler lachend und wieder am Ball, Mainz mit Klopp, Gladbach im neuen Stadion, Rostock ohne Max, Leverkusen weiter mit Auge und neu mit Freier, Bochum mit wieder bärtigem Neururer – die Reihe könnte noch einige Seiten so weitergehen. Und in jedem Stadion werden der Klinsi, der Jogi und der Olli rumsitzen, Leute beobachten und selbst beobachtet werden und inzwischen schon mal WM-Sieger-Trikots mit schwäbischen Sprüchen entwerfen („Wir können alles. Außer Fußball.“). In einer exquisiten VIP-Loge mit Standleitung zum örtlichen Winzer sitzt der für die Öffentlichkeit entmachtete Präsident MV und prostet sich selbst und jedem zu, der nicht bei drei aus der Tür oder ohnehin schon unter dem Tisch ist: Der deutsche Fußball beginnt wieder damit, einen Meister zu suchen. In der Sportschau wird es heißen: „Der Ball rollt wieder“ oder „Die Liga hat den Spielbetrieb wieder aufgenommen“ und am Montag kann man endlich wieder über Tore, Abseits und Schwalben streiten statt über Hartz IV, den Irak oder das Liebesleben von Junggesellen und Leichtmatrosen zu sprechen. Die Bayern spielen ihr erstes Spiel auswärts in Hamburg, sie werden also möglicherweise gleich in ihrem ersten Spiel die neuen „Away“-Trikots tragen – also in Gold. Ich will nicht drüber reden, ob das gut aussieht, da habe ich mich schon genug geärgert. Aber eines ist sicher: drum herum kommen werde ich um diese Trikots zumindest diese Saison nicht. Niemand wird das. Ich wette, dass ab Montag alle Wortspiele mit „Gold“, die sich Redaktionen seit Wochen im Biergarten oder auf der Liegewiese zum Beispiel in Possenhofen ausgedacht haben, die Sportberichterstattung beherrschen werden. „Golden Boys“, „Die Liga im Goldrausch“, „Golden Goal“, „goldiger Moment“, „es ist doch nicht alles Gold, was glänzt“, „Herz aus Gold“, „Goldfinger-Kahn“, „Tanz ums goldene Kalb“, „Marmor Bein und Eisen bricht, aber unsere Goldjungs nicht“, „nicht mit Gold aufzuwiegen“, „Spielen ist Silber, Gewinnen ist Gold“, „Gold spielt keine Rolle“, „Golden Ei“, „das Glück ist ihnen Gold“, „goldenes Händchen“, „Andreas Goldlitz“, „Basti Fangoldi“, „die Punkte-(Gold)Hamster“, „wer stoppt den Gold-Express?“, „Operation Gold“, „Quälix wird zum Goldix“, „Keine Chance für die Goldjäger“, „Goldener Schuss“, „Goldene Zeiten“, „Goldenes Dreieck“, „zu Goldsäulen erstarrt“. Sicher fällt jemandem auch was ein zu Goldfasan, Golden Delicious, Mangold, Goldküste und Golden Retriever. Es wird grässlich, es wird ein Sprachschlachtfest, Buchstaben werden fließen und am Ende kein Wort mehr auf dem anderen sein. Aber ich werde aus diesem Sprachhaufen emporsteigen wie Phoenix aus dem Gold, denn ich wette, die letzte Schlagzeile wird so etwas sein wie: „Goldene Ananas für den Rest der Liga“, weil es natürlich nicht anders kommen kann als so: Deutscher Meister wird nur der FCB, nur der FCB, nur der FCB!! Hält jemand dagegen?

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