"Ich will Astronaut werden!" - Eine Kinderwunschberufsentmystifizierung.

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von [farbe=#0066ff][b]"Wenn ich groß bin, will ich mal Cowboy werden."[/b][/farbe]

Seit dem tumoresken Ableben des Marlboro Mannes ist das Image von Cowboys ziemlich am Boden. Wenn das überhaupt noch möglich ist bei Leuten, die sich freiwillig "Kuhjunge" rufen lassen. Und die Arbeitsbedingungen lassen auch zu wünschen übrig: Immerhin sitzt man den ganzen Tag im Sattel eines Pferdes, das sich zu allem Überfluss auch noch bewegt. Schattige Viehtriebe durch die Nacht, vorbei an düsteren Wüstenlandschaften und vegetativen Highlights wie Kaktus und Trockener Busch, stärken zwar den Gemeinschaftssinn, aber seit Brokeback Mountain muss man ja in dieser Hinsicht etwas aufpassen. Und wenn es Tag wird und die brennende Sonne zur Mittagszeit auf dem stetson-behelmten Kopf die Poren ausdünstend weitet, weiß man nicht mehr, ob die zahlreichen Fliegen vom Gestank der Rinder oder dem eigenen Körpergeruch angezogen werden. Eine anerkannte Ausbildung zum Cowboy gibt es nicht. Voraussetzungen sind eine hervorragende Fähigkeit im Umgang mit und Beritt von Tieren - insbesondere Pferden - und Fertigkeiten in der Anwendung eines Lassos in Verbindung mit Lederklamotten. Erwachsenenattraktivitätsfaktor: 15 Prozent. [farbe=ff66cc]Nächste Seite: Tierärztin. >>>[/farbe]


[farbe=ff66cc][b]"Wenn ich groß bin, möchte ich mal Tierärztin werden."[/b][/farbe]

Der Weg zum Beruf der Tierärztin führt gemeinhin über ein Studium der Veterinärmedizin. Und das dauert immerhin regelstudiert 11 Semester. In diesen 11 Semestern verklügt man sich mit solch spannenden Themen wie Tierseuchenrecht, Haustierbesamung (Übungen) oder Biomathematik. Magenresistent wird es direkt im ersten Studienhalbjahr bei den Anatomischen Präparierübungen. Ratten zersägen und so. Wenn man das allerdings überlebt hat, darf man sich in der Folge - sofern erfolgreich dissertiert - als echten Doktor bezeichnen. Dass man mit diesem Doktortitel hauptsächlich Hamster kastriert, Nutztieren handkräftig bei der Beseitigung von Verdauungsproblemen hilft oder nach nassem Hund riechenden Vierbeinern Zecken aus dem Fleisch schneidet, sollte während des Essens mit den neuen Schwiegereltern allerdings kein Thema bei Tisch sein, das man ständig wiederkäuen muss. Erwachsenenattraktivitätsfaktor: 20 Prozent. [farbe=#0066ff]...Astronaut. >>>[/farbe]


[farbe=#0066ff][b]"Wenn ich groß bin, will ich mal Astronaut werden."[/b][/farbe]

Einmal die Welt von außen sehen. Und dann - wieder zurück auf Erden - Beckmann, Kerner und Maischberger durchtingeln. Das ist der Stoff, aus dem die Träume sind. Zuvor muss allerdings erstmal studiert werden. Denn ohne ein Studium in Naturwissenschaften, Technik oder Medizin sowie langjähriger Pilotenerfahrung wird das mal gleich gar nichts mit dem kosmischen Alltag. Und Bummelstudenten aufgepasst: Bewerber dürfen maximal 37 Jahre alt sein. Erfüllt man alle diese Voraussetzungen und wird für die Astronauten-Ausbildung zugelassen, darf man sich ein Jahr im Astronautenzentrum in Köln in schweren Raumfahreranzügen unter Wasser ertränken. Die weiteren vier Lehrjahre bestehen z.B. aus den Gebieten Grundlagen der Weltraumforschung, Geschichte der Raumfahrt, Technik und Organisation. Gerade die beiden letztgenannten Ausbildungsinhalte könnten hohe Wichtigkeit erlangen, wenn auf der Raumstation die Sicherung rausfliegt, weil der Russe mal wieder den Wasserkocher und den Sandwich-Maker parallel hat laufen lassen. Zumindest haben Astronauten aber offensichtlich viel frei, denn sie können etwa 15 Jahre lang in ihrem Beruf bleiben, in dieser Zeit aber nur bis zu vier Mal ins All fliegen. Erwachsenenattraktivitätsfaktor: Mach 3. [farbe=ff66cc]...Kinderkrankenschwester. >>>[/farbe]


[farbe=ff66cc][b]"Wenn ich groß bin, möchte ich mal Kinderkrankenschwester werden."[/b][/farbe]

Selbst noch ein Kind aber sich selber schon um andere Kinder kümmern wollen. Das ist entweder wahres Samaritertum oder schlicht Überheblichkeit. Auf jeden Fall rangiert die Kinderkrankenschwester bei Mädchen ganz weit vorne auf der Liste der Wunschberufe. Die Ausbildung nimmt sich vergleichsweise kurz aus: Gemeinhin drei Jahre geht es an eine Berufsfachschule für Kinderkrankenpflege, innerhalb dieser Zeit wird man dann auch schon auf die halbwegs wehrlosen Kinder losgelassen. Fortan besteht das Leben aus verkrusteten Kindernäschen, gebrochenen Kinderärmchen oder vermumpspickelten Kinderbeinchen. Meistgenannter Satz aus Kinderkrankenschwesters Mund: "Nicht kratzen!" Und das alles für ein durchschnittliches Einstiegsgehalt von 1436 bis 1617 Euro im Monat. Brutto. Dafür hat man aber immer ein prima Kostüm für Karneval. Na dann, Gute Besserung. Erwachsenensattraktivitätsfaktor: Zwischen 14,36 und 16,17 Prozent. [farbe=#0066ff]...Fußballstar. >>>[/farbe]


[farbe=#0066ff][b]"Wenn ich groß bin, will ich mal Fußballstar werden."[/b][/farbe]

Fußballstar. Yeah! Das ist cool! Richtig viel Kohle, Ruhm, Ansehen und ab und zu mal mit den Cousinen in den vereinseigenen Whirlpool springen. Naja. Schon mal was vom Rotatorenmanschettenriss, dem Syndesmoseband oder einem Mittelfußbruch gehört? Experten schätzen, dass in Europa 50-60% aller Sportverletzungen und 3,5-10% aller krankenhauspflichtigen Verletzungen auf den Fußballsport zurückzuführen sind. Und manchmal wird man auch einfach traurig. Wie der Sebastian Deisler. Oder man endet wie der Fredi Bobic. Der war mal Nationalspieler. Aber jetzt will ihn keiner mehr, obwohl er doch so gerne will. Und ganz gemein sind die Leute zum Michael Ballack. Der ist zwar reich und schön künstlich, kann in echt aber gar nicht Fußball spielen. Nur hat ihm das keiner gesagt und jetzt lachen ihn alle aus in England. How ugly! Und wenn man so richtig, richtig berühmt ist, muss man mit Victoria Spice Girl gehen und sein Leben lang in Angst leben, das die eigenen Kinder von irgendwelchen Wahnsinnigen entführt werden. Und das muss doch echt nicht sein! Warum nicht erstmal die Frau? Erwachsenenattraktivitätsfaktor: 30 Prozent. [farbe=ff66cc]...Tänzerin. >>>[/farbe]


[farbe=ff66cc][b]"Wenn ich groß bin, möchte ich mal Tänzerin werden."[/b][/farbe]

Tänzerinnen sind toll. Die haben eine tolle Figur, sind immer fröhlich, können prima ihren Körper verbiegen und bekommen dafür auch noch viel Applaus. Sobald das Publikum wieder aufgewacht ist. Umso verständlicher, das viele kleine Mädchen in die Spannstapfen von berühmten Tänzerinnen wie Mata Hari, Britney Spears oder Michael Flatley treten wollen. Mit Tanzen macht man sich allerdings die Gelenke und die Knie kaputt und muss heutzutage ständig seine nackigen Brüste auf der Bühne zeigen. Und Tänzerin kann man nicht ewig sein, spätestens mit Ende 30 ist Schluss und wegen dem mickrigen Gehalt an staatlichen Theatern konnte man sich auch nichts zurücklegen. Ist alles für Schnaps draufgegangen. Also muss man sich einen russischen Dutt Modell "Jutta Müller" besorgen und in drittklassigen Provinz-Tanzschulen erstklassig ehrgeizigen Eltern erklären, das ihr Sprössling, die kleine Verena, wohl eher geringe Chancen auf eine große Tanzkarriere hat, da sie mit ihren 12 Jahren ja immerhin schon 2,08 Meter groß ist. Erwachsenenattraktivitätsfaktor: 10 Prozent. Als ich 7 Jahre alt war, wollte ich übrigens David Hasselhoff werden. Bild1: rtr, Bild2: dpa, Bild3: AP, Bild4,5: dpa, Bild6: ddp

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