In Taiwan geht dem Sex der Atem aus

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Wenn man ein japanischer Popstar ist, hat man Fans, die über alles Bescheid wissen. Neben Augenfarbe und Lieblingsessen wird eine Information auf den Fan-Weblogs weitergetratscht, die für viele Fans von eminenter Bedeutung ist und die über Verlieben und Nicht-Verlieben entscheiden kann: Die Blutgruppe. Auch Politiker und Showmaster veröffentlichen diese Information ganz selbstverständlich, denn in Japan erlebt der Glaube an die Typologie der Blutgruppen einen Boom, wie er die Sternzeichen hierzulande schon lange nicht mehr beflügelte. Das Verlieben (in Japan) wird also komplizierter. An der Blutgruppe, so glauben mittlerweile Millionen Japaner, lassen sich Charakter und Art eines Menschen ablesen. So soll es sich bei Inhabern der Blutgruppe A um reservierte, pünktliche und regelkonforme Zeitgenossen handeln – diese Gruppe ist sowohl in Japan (40%) als auch in Deutschland (43%) der häufigste Typ. Bei Menschen aus den USA trifft man die Blutgruppe 0 am häufigsten an - dieser Typus steht in der Deutung für aufgeschlossen und individualistisch. Eher rar sind Menschen mit Blutgruppe B (in Deutschland 11 %), ihnen wird ein ausgesprochen kreatives Talent bescheinigt. Auch die Industrie hat diese Wissenschaft abgedeckt: Millionen von japanischen Kondome werden jährlich verkauft, die für spezielle Blutgruppen ausgewiesen sind und nur bei der richtigen Gruppe ihre volle, irgendwie stimulierende Wirkung entfalten. Welche Blutgruppe in Österreich vorherrscht, scheint nach einer riesigen Studie einer Universität aus Chicago klar: Eine, die Zufriedenheit bewirkt. Jedenfalls setzen sich die sonst eher durchschnittlichen Alpenländler an die Spitze der großen Sexumfrage, in der 80 Prozent aller österreichischen Männer angaben, mit dem Sex zufrieden zu sein. „Passd scho“ werden sie eben gesagt haben und ihre Frauen lieber nicht gefragt, denn die signalisieren nur zu 63 Prozent Zufriedenheit. Deutschland liegt im gutkopulierenden Mittelfeld, noch vor den Schweden und Franzosen. Interessantes Ergebnis der Studie: Gesellschaften, die noch stark patriarchalisch geprägt sind, fehlt die Lust im Bett. Nur ein Drittel der Ägypterinnen, Türkinnen und Algerinnen empfindet Freude, wenn ihr Partner sich und die Hosen herablässt. Nahezu gänzlich ausgesext hat es sich in Asien, nur sieben Prozent der Taiwanerinnen möchten Sex in ihrem Leben als wichtig bezeichnen - in Deutschland immerhin noch 33 Prozent. Das interessanteste Ergebnis der größten BRAVO-Studie aller Zeiten, dürfte die Entwarnung in Sachen sinkendes Sexalter sein. War man schon drauf gefasst, dass die Durchschnittsdefloration bereits den 12-jährigen ereilt, zieht es ein Großteil der Befragten vor, wieder etwas länger zu warten: Zwischen 16 und 18 Jahre darf es heute sein. Ansonsten obliegt es dem Dr. Sommer-Team auch in den kommenden Jahrzehnten, auf richtige Verhütung und folgenschwere Irrtümer in dieser Sache hinzuweisen - da wird nämlich weiterhin so sorglos mit „coitus interruptus“ und „Pille danach“ spekuliert, dass die Babyklappen zittern. Aus ungewohnter Ecke ereilt uns ein Zusammenhang zwischen Sex und Gehirnzellenwachstum, nämlich aus dem für seinen Gehirnzellentötetenden Inhalt berüchtigten Magazin Reader’s Digest. Die dort veröffentlichte Studie bescheinigt einem erfolgreichen Geschlechtsakt angenehme Folgen, wie sinkenden Cholesterinspiegel, gestärkte Muskeln und eben ein angeregtes Hirnwachstum. Fraglich bleibt, ob nicht allgemein jede körperliche Ertüchtigung dies vermag. Es wäre auch eigentlich viel hilfreicher, wenn beispielsweise mal dem Reinigen von verklebten Knoblauchpressen gesundheitsfördernde Nebenwirkungen bescheinigt würden - für Sex gibt es ja meistens eh schon bessere Gründe. Es sei denn, man ist Taiwanerin.

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