Individualisiert den Mainstream! Heute: Edelküche mit Aldi-Produkten

Wie schön: Der moderne Einzelkämpfer des Individualismus wohnt in Wohnungen, in denen auf Sören-Sesseln achtlos der neueste H&M-Pullover liegt, die IKEA-Regale in der Küche sind gefüllt mit Aldi-Produkten, dazu läuft Underground-Mucke auf dem iPod. Dem Mainstream entkommt man nicht, so scheint es – egal wie individuell man selbst sein will. jetzt.de stellt deswegen vor, wie man sich Massenware nähert, ohne in der Masse unterzugehen: Nach der Individualisierung von Ikea-Möbeln oder H&M-Klamotten geht es heute um Aldi - und die Frage, ob man mit Produkten von Aldi überhaupt eigene Sachen kochen kann.
barbara-wopperer

Früher mal war Aldi der Laden, wo nur die einkaufen, die unbedingt müssen. Heute ist Aldi aus unserer Einkaufs-Lebens-Welt nicht mehr wegzudenken. Wir kaufen alle das Gleiche ein. Heißt das, dass wir jetzt auch alle das Gleiche kochen? jetzt.de hat bei Regina Schneider, Co-Autorin des "Aldidente"-Kochbuches, nachgefragt. Sie hat uns ihre Einschätzung der Lage verraten – und zwei Rezepte aus Aldi-Produkten.

Wir sind Aldi „Dass durch einen Einkauf bei Aldi am Ende bei allen das Gleiche auf dem Tisch landet finde ich nicht – im Gegenteil. Gerade für junge Leute kann Aldi, mit überschaubar wenigen Produkten, dafür ab und an mit Überraschungen wie exotischen Gewürzen, ein Trainingscamp sein für bewusstes Einkaufen und Kochexperimente, ohne sich finanziell zu ruinieren. Aldi ist heutzutage von unserer Einkaufsliste nicht mehr wegzudenken. Das bedeutet aber nicht, dass wir uns durch den Einkauf bei Aldi derart in die Masse einreihen, dass die Individualität auf der Strecke bleibt: Für mich hat der Einkauf bei Aldi eher etwas mit „Materialbeschaffung“ zu tun - ob wir Einheitsbrei kochen oder Nouvelle Cuisine entscheidet sich an anderer Stelle: in der Küche. Die ist ein magischer Ort, an dem man aus einfachen Zutaten köstliche Gerichte zaubern kann. Zum individuellen Kochen braucht man nur ein wenig Einfallsreichtum, Neugier und Spaß an der Sache – und natürlich die passenden Produkte. Und die findet man auf alle Fälle auch bei Aldi. Das Sortiment, das inzwischen auch über Frischfleisch, Fisch und Tiefgefrorenes (auch Wild!) und koschere Lebensmittel verfügt, hat alles, um täglich ein abwechslungsreiches individuelles Essen auf den Tisch zu bringen. Der Discounter bietet die Möglichkeit, preiswert an Grundnahrungsmittel zu kommen, aus denen sich die verschiedensten Varianten und kulinarischen Spezialitäten zubereiten lassen: ob französische Lauchtarte oder türkischen Auberginenkaviar. Wer natürlich immer nur Fertig-Lasagne und Tiefkühlpizza bei Aldi einkauft, wird wenig Individuelles daraus machen können. Und natürlich gibt es Gerichte, die man mit Aldi-Produkten nicht kochen kann, „Wachteleier an peruanischem Hochlandspargel“ oder „Rindsbäckchen in Barolo“ zum Beispiel. Aber dafür kann man aus den gleichen Aldi-Zutaten „Wokgemüse mit Rindfleisch“ oder „Bouletten mit Gemüsefüllung“ zubereiten. So ist das eben mit der Individualität: Sie funktioniert nur mit einer gehörigen Portion Eigenengagement.“ Und was kann man jetzt tolles aus Aldi-Einheitsbrei-Produkten machen? Einen Feigen-Schinken-Cake zum Beispiel oder ein Erdbeer-Tiramisu - die Rezepte gibt es auf der nächsten Seite.


Wer hat schon mal nach dem Aldi Einkauf einen Feigen-Schinken-Cake gebacken!? Geht nämlich. Und zwar so: Für eine 15 x 26 cm Kastenform 200 g frische oder getrocknete Feigen ¼ l Muskatwein 200 g Serrano-Schinken, dünn aufgeschnitten 1 Zweig frischer Thymian, gezupft oder ½ Tl Thymian getrocknet Salz und Pfeffer 1 Würfel Hefe (42,5 g) 2 TL Zucker 1/8 l lauwarme Milch 500 g Mehl 1,5 TL Salz 2 Eier 80 ml Olivenöl 1 Eigelb zum Bestreichen 250 g frisch geriebener Emmentaler • Von den Feigen die Stiele entfernen und über Nacht im Muskatwein einweichen. • Am anderen Tag Feigen abtropfen lassen und in etwa 1 cm große Würfel schneiden. • Schinken in Streifen schneiden, mit den Thymianblättchen und Feigen mischen, salzen und pfeffern und beiseite stellen. • Hefe mit einem TL Zucker in der lauwarmen Milch auflösen und fünf Minuten stehen lassen. • Mehl mit Salz in eine Schüssel sieben. Eier verquirlen und mit dem restlichen Zucker, Olivenöl und der aufgelösten Hefe dazugeben. Mit dem Knethaken rasch zu einem elastischen Teig verarbeiten, der nicht kleben darf. • Den Teig zur Kugel formen und an einem warmen Ort etwa 1 Std. aufs doppelte Volumen aufgehen lassen. Teig nochmals kräftig durchkneten und mit bemehlten Händen den geriebenen Emmentaler, Schinkenstreifen, Thymianblättchen und Feigen vorsichtig in den Teig einarbeiten und in eine mit Backpapier ausgelegte Kastenform füllen. • Nochmals aufs doppelte Volumen aufgehen lassen und mit Eigelb bestreichen. • Cake im vorgeheizten Backofen bei 200 ºC (Umluft 180 ºC) in etwa 45 Min. goldbraun backen. • Vor dem Herausnehmen die Garprobe machen: dazu mit einem Holzstäbchen in den Cake stechen. Klebt kein Teig mehr am Hölzchen, ist der Cake gut. • Den Cake etwa 15 Min. in der Form auskühlen lassen. Dann herausnehmen. Er schmeckt warm, lauwarm und kalt. Und zu guter Letzt: Etwas Süßes. Für die, die es gerne süß mögen. Kann man auch aus Aldi kochen: Erdbeer-Tiramisu 750 g Erdbeeren 250 g Mascarpone 500 g Magerquark 3 EL Amaretto 3 EL Zucker 200 g Sahne 200 g Löffelbiskuit • Erdbeeren putzen und halbieren. 5 bis 6 Erdbeerhälften zur Seite stellen. • Mascarpone, Quark, Amaretto und Zucker glatt rühren. Sahne steif schlagen und unter die Quarkmasse heben. • Eine verschließbare Schüssel (Inhalt ca. 3-4 Liter) mit flachem Boden mit der Hälfte der Löffelbiskuits auslegen und schichtweise mit Quarkcreme, Erdbeerhälften und wieder Quarkcreme füllen. Vorgang wiederholen und mit der übrigen Quarkcreme abschließen. • Tiramisu mind. 2 Std. kühl stellen. Vor dem servieren mit Erdbeerhälften dekorieren.

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