Jammen mit Jesus

Den ersten – und bislang einzigen – jüdisch-orthodoxen Reggae-Star Matisyahu und sein Ein-Mann-Genre „Hasidic Reggae“ haben wir vor einigen Wochen bereits vorgestellt. Aber die Musikszene der Hasiden hält noch zahlreiche andere musikalische Überraschungen bereit: Aus allen Stilrichtungen – und nicht alle immer ganz ernst gemeint.
christoph-koch
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Illustration: Julia Schubert

50 Shekel Bekannt geworden durch seine „In da Club“-Persiflage „In da Shul“ steht der jüdische Rapper Aviad Cohen nun vor der Veröffentlichung seines ersten richtigen Albums. Tracks wie „Godz Kidz”, “Chosen Men” oder “Call Him (He's God)” sollen Gerüchten zufolge aber eher nach Synthiehouse als nach 50-Cent-Rap klingen. Dazwischen gibt es jedoch klassische Hiphop-typische Skits wie “A Meeting With The Rabbi” oder “Psalm 140”.

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Illustration: Julia Schubert

Gefilte Fuck Anfang der Neunziger Jahre in Los Angeles aktiv und vermutlich diejenige Band, die das Genre YidCore prägte. Der Name der Band leitete sich aus der Konzerttradition her, das Publikum mit dem traditionellen jüdischen Gericht „gefilte Fisch“ zu bewerfen. Das Repertoire umfasste sowohl Hardcoreversionen jüdischer Klassiker wie "Hava Nagila" oder "Dreidel" – aber auch Parodien wie „Why Don’t We Do It In The Shoul?“ oder „Smells Like Jew Spirit“. Hier kann man sich fünf Lieder anhören. Interessant, wie manchmal alles zusammenkommt: Bandmitglied Howard Hallis ist gleichzeitig Erschaffer des im Internet semiberühmten "Picture of everything".

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Illustration: Julia Schubert

Yidcore Yidcore aus Australien haben sich der Einfachheit halber gleich nach dem Namen des jüdischen Punk-Genres benannt und gelten als Melbourne beste Ska-Punk-Band. Berühmt dafür bei ihren Auftritten Hühnersuppe zu reichen, außerdem haben sie einen Song über Adam Sandler, den man hier anhören kann. Darin geht es um eine unschöne Copyright-Streitigkeit zwischen dem US-Schauspieler und der Band: Angeblich soll Sandler einen Yidcore-Song geklaut und in einem Film verwendet haben. In dem Lied wird unter anderem "Chanukah" auf "Natalie Portmanika" gereimt - und der jüdische Einfluss auf die Punk-Kultur New Yorks (vgl. Lou Reed, Richard Hell, Joey Ramone, etc.) gepriesen.

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Illustration: Julia Schubert

David Lazzar Hispeed-Metalriffs, Doublebass-Gewummer und dazu koschere Lyrics – der Kanadier David Lazzar, mancherorts als der “Hassidic Jewish Fred Durst” bezeichnet, mischt Metallica-Klänge mit religiösen Motiven. Auf seiner Website kann man nicht nur ein Video des Sängers finden, sondern auch den schönen Satz: „He recorded his first Rock album in 1995 and the rest is history.“

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Illustration: Julia Schubert

Y-Love Yitzchak Moshe Jordan alias Y-Love konvertierte mit 22 zu den Hasiden und auf seiner Website steht über ihn: „With each word he spits in the tongue of the Talmud, Y-Love breathes new life into hip-hop, one beat at a time.” Y-Love rappt auf Englisch, Jiddisch, Hebräisch, Arabisch und Aramäisch – und zwar meistens ziemlcih schnell. Im Frühjahr 2006 soll sein Debütalbum „This Is Babylon“ erscheinen.

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Illustration: Julia Schubert

Jew Da Maccabi „I Will Be Iron Like A Lion In Zion“ zitiert der orthodoxe Rapper Jew Da Maccabi die Reggae-Legende Bob Marley – und klingt dabei zumindest stimmlich ziemlich oft nach Eminem. Auch auf seiner Website gibt es ein sehenswertes Video - und bei myspace.com blogt Jew Da Maccabi jede Woche über die Thora. Die Fotos stammen von den beim jeweiligen Künstler angegebenen Websites

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