Jungfrau mit Mitte Zwanzig: Mareike und Ben erzählen, warum

In Deutschland hat man derzeit mit 15 zum ersten Mal Sex. Durchschnittlich. Tendenz weiter sinkend. Wie es ist, wenn man sich von diesem Durchschnitt bereits recht weit entfernt hat, berichten Mareike und Ben, die für jetzt.de ihr kleines Geheimnis lüften: Der Wille zur zwischenmenschlichen Nähe ist zwar vorhanden, sie sind sportlich und gutaussehend, aber aus unterschiedlichen Gründen hat "es" einfach noch nicht geklappt. Gar nicht so unglaublich, sagen sie. Trotzdem wollen sie lieber anonym bleiben, denn angeben lässt sich damit auch nicht gerade, findet Mareike. Mit diesem Artikel möchten sie und Ben anderen zeigen, dass man weder Nerd noch religiöser Fanatiker sein muss, wenn es mit dem Sex etwas länger dauert - und dass es auch kein Beinbruch ist.
eva-bader

Hier erklärt Ben aus München, warum er selten den richtigen Dreh findet

„Ein kleines Plus an Verzweiflung“ „Ich bin 26, und mir geht es sehr gut. Jedenfalls davon abgesehen, dass ich diese eine Sache umso drängender empfinde, je älter ich werde. Dass ich noch Jungfrau bin, ist kein „sich Aufheben“ oder so etwas. Vielmehr war/ist es ein Zusammenspiel vieler Kleinigkeiten. Unter Anderem: Ich habe ein Problem damit, mich ... wie sage ich es am Besten... der Liebe hinzugeben, sprich Gefühle nicht zu kontrollieren. Bei jeder potenziellen Partnerin denke ich zu viel. Des Weiteren kann ich nicht flirten. Nach zwei Sätzen weiß ich nicht mehr weiter, und das wird mit der Zeit auch nicht besser, sondern eher schlimmer, weil ich mir natürlich selbst eine Menge Druck mache. Und wenn man eine nette Frau beim Ausgehen oder im Bus oder sonst wo kennen lernt und die Bekanntschaft vertiefen möchte, naja, das wird dann meistens nichts. Irgendwie fehlt mir der richtige Dreh. Dass Werbung und Medien voll von Sex sind, stört mich nicht. Aber wenn ich an mein erstes Mal denke, fühle ich mich schon ziemlich nackt – im wörtlichen und im übertragenen Sinne. Wenn ich mal meine Traumfrau kennen lernen würde und es darauf hinausläuft, dass wir miteinander ins Bett wollen, würde ich ihr es wahrscheinlich direkt sagen. Hilft ja nichts, ihr da was vorzuspielen. Allgemein habe ich vielleicht ein Problem mit dem Small-Talk, wegen meiner Jungfräulichkeit allerdings nicht. Es ist aber nicht so, dass ich überhaupt keine Frauen kenne. Ich habe einige langjährige weibliche Freunde. Nur läuft das mit denen ausschließlich auf der Kumpelebene. Natürlich habe ich mir schon öfter überlegt, es einfach mit der Nächstbesten zu tun, um es endlich hinter mir zu haben... aber das braucht wohl noch ein kleines Plus an Verzweiflung. So ganz fürchterlich ist es dann auch wieder nicht. Ja klar, die Jungfräulichkeit macht mich schon auch zu etwas ganz Besonderem, ich kenne da sonst niemanden. Aber als Manko empfinde ich es nicht direkt. Allerdings finde ich, dass es zum Leben gehört. Ungeachtet der gesellschaftlichen Ansicht ist es meiner Meinung nach etwas, was mit dem richtigen Partner den persönlichen Gefühlshorizont erheblich erweitert. Habe ich also das Gefühl, dass mir etwas fehlt? Ja.“ Auf der nächsten Seite lest ihr von Mareike, die keine halben Sachen machen will


Mareike, 24, aus Kassel „Das bin einfach nicht ich“ „Neulich habe ich in meiner Handtasche ein Kondom gefunden und mich gewundert. Erst dann ist mir eingefallen, dass ich das auf einem Straßenfest geschenkt bekommen habe. Tja, bis jetzt habe ich noch nie eines gebraucht. Das liegt einfach an der mangelnden Gelegenheit, zu wenig männliche Bekannte, vielleicht bin ich auch zu wählerisch. Ich hatte zwar mal eine Gelegenheit, wo es fast soweit war - ich war 18, es war ein Urlaubsflirt. Im letzten Moment wollte ich dann aber nicht mehr, weil ich wusste, dass ich ihn nie wiedersehen werde, und ich keinen One-Night-Stand wollte. Da war ich wohl zu romantisch, aber dafür kann man mir ja keinen Vorwurf machen. Es gibt Tage, da denke ich überhaupt nicht darüber nach, es ist nicht so, dass es mich permanent verfolgt. Ich weiß ja auch, dass das Sexualleben nicht bei jedem so rosig ist, wie die Werbung signalisiert. Natürlich wird es irgendwie übler, je älter ich werde. Manchmal, das klingt schrecklich, werde ich ein bisschen paranoid und habe Angst, dass es überhaupt nicht mehr klappt – jetzt nicht mit dem Sex, aber überhaupt mit einer Beziehung. Klar hatte ich auch schon Dates, war mit Bekanntschaften essen oder einen Kaffee trinken, aber dabei ist es dann geblieben. Beim Männer kennen lernen kommt es auf die Umgebung an – in der Gruppe, bei der Arbeit oder Uni habe ich keine Schwierigkeiten mit Kontakten. Beim Weggehen aber finde ich es zum Beispiel schwierig. Ich denke, ich kann mein Flirten nicht so gut einsetzen, nicht so bewusst. Das letzte Mal, als ich mich mit jemandem verabredet habe, war es so, dass er mir recht schnell sein Interesse signalisiert hat, ich mir aber nicht so sicher war. Ich möchte eben keine halben Sachen machen, ich fand ihn nicht hundertprozentig toll. Er hat noch ein paar Mal angerufen, und ich habe abgeblockt. Kontaktbörsen im Internet gegenüber bin ich skeptisch, weil ich denke, dass sich da eine Menge seltsamer Menschen herumtreibt. Eigentlich würde ich mein erstes Mal lieber ignorieren und gleich zum zweiten Mal übergehen, denn ich fürchte mich schon etwas davor. Hin und wieder denke ich mir so für eine Sekunde: Du schnappst dir jetzt irgendeinen, aber dann ist der Gedanke sofort wieder weg. Das bin einfach nicht ich. Meine Freundinnen reden schon oft über Sex, aber solange mich niemand damit aufzieht oder auffordert, von meinen Erfahrungen zu berichten, ist das OK. Es ist mir schon peinlich, ich behalte es lieber für mich. Nicht viele Leute wissen das. Meine Mutter macht sich schon etwas Sorgen und wundert sich, aber nicht im aufdringlichen Sinne. Es tut ihr sozusagen leid für mich. Ich wollte früher immer mit Mitte Zwanzig mit meinem Partner zusammen ziehen, so nach dem Studium, das hatte ich mir schön vorgestellt. Hoffentlich klappts noch!"

Text: eva-bader - Grafik: katharina-bitzl

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