Kann ich ab März noch ins Internet?

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www.dns-ok.de. Über keine andere Internetadresse wird gerade so viel diskutiert. Im Januar haben die Telekom, das Bundeskriminalamt und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die Website gestartet, mit der man überprüfen soll, ob man den Trojaner „DNS-Changer“ auf dem Computer hat. Die Malware soll versteckt die DNS-Einstellungen (DNS = Domain Name System) am Rechner manipulieren, sodass man keine echten URLs, sondern Fake-Adressen ansurft.



In der Tagesschau wird der Link empfohlen, auf Süddeutsche.de und Spiegel Online auch. Schon mehr als sieben Millionen sollen die Seite aufgerufen haben. Dann muss doch was dran sein. Trotzdem zögere ich, die Seite anzusurfen. Ich lese immer öfter von Zweifeln, ob hinter der Seite nicht doch vielleicht mehr steckt und ob man sich damit zum Beispiel den Bundestrojaner auf den Computer holt.

Zuerst frage ich mich aber: Was macht der „DNS Changer“ eigentlich? „Das DNS übersetzt Namen in IP-Adressen des Zielservers. Wenn sich der ‚DNS Changer’ auf dem Computer eingeschlichen hat, landet man statt auf den richtigen Servern auf manipulierten Seiten, auf denen kriminelle Aktivitäten stattfinden oder auf denen man Geheimnummern eingibt, die gehackt werden können“, erklärt Marco Peters, Geschäftsführer der Solutionbar, die IT-Lösungen für Kreativschaffende anbietet. Die Verantwortlichen für den Virus sind zwar verhaftet und die manipulierten DNS-Server ersetzt, am 8. März sollen die neuen Server allerdings abgeschaltet werden, sodass man mit den betroffenen Rechnern ohne die empfohlenen Einstellungsänderungen nicht mehr ins Internet kommt.

Marco Peters hält die Panikmache aber für unbegründet: „Wir haben den Link weiter veröffentlicht, verstehen als Experten aber nicht, warum jetzt plötzlich so ein Hype um diesen Trojaner gemacht wird, nur weil jemand verhaftet wurde.“ Der IT-Experte kennt niemanden, der vom DNS Changer betroffen ist, dafür sei „fast jeder Dritte, der Windows oder Linux verwendet, von wesentlich schlimmeren Viren oder Trojanern betroffen“, sagt er, „Insofern finde ich die Diskussion positiv, weil sich die Menschen mehr Gedanken um Computersicherheit machen.“

Dass man sich mit dem dns-ok-Link den „Bundestrojaner“ auf den Computer holt, hält Marco Peters für „totalen Quatsch“: „Der Link wurde für die ganze Bevölkerung veröffentlicht, da hätte der Chaos Computer Club längst reagiert. Wir haben uns das angesehen, da steckt nicht mehr dahinter als ein simpler Quelltext.“ Für diejenigen, die dem Link trotzdem nicht trauen, empfiehlt er, den Namen des verwendeten Anti-Viren-Programms und „Trojaner“ zu googeln: „Wird die Produktseite der Software gefunden, macht man am besten ein Update, ansonsten sollte man sich überlegen, den Virenschutz zu wechseln.“

So ganz kann ich dem Test-Link noch nicht vertrauen, dafür habe ich aber nun eine Alternative - und eine Erinnerung an mein Anti-Viren-Update.
 
Kathrin Hollmer, 23, ist durch ihren Freund, einen gelernten Fachinformatiker und Unity-Entwickler, kritisch, was Bundes- und andere Trojaner angeht. DNS-ok.de hat sie übrigens bis heute nicht aufgerufen.

Fünf Tipps für einen sicheren Computer:

1. Beim Computerkauf: Oft ist auf  dem neuen Computer zwar ein Anti-Viren-Programm installiert, meistens sind das aber zeitlich begrenzte Testversionen. Es lohnt sich, seinen Virenschutzregelmäßig zu verlängern und sich dafür zu registrieren.

2. Allgemein sollte jeder, der im Internet surft, einen Virenschutz verwenden und regelmäßig aktualisieren.

3. Den Link www.dns-ok.de kann man ansurfen, um herauszufinden, ob man vom „DNS Changer“ befallen ist, ohne den Bundestrojaner zu fürchten.

4. Alternativ kann man den Namen des Anti-Viren-Programms und „Trojaner“ googeln und gegebenenfalls updaten oder die Software wechseln. 

5. Statt Panik wegen des „DNS Changer“-Trojaners zu bekommen, sollte man lieber generell auf Computersicherheit achten.       


Text: kathrin-hollmer - Foto: christian-kiss

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