Kasachstan vs. Ali G.

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Illustration: Julia Schubert

borat.kz Was die Ostfriesen nie hinkriegten, schaffen jetzt die Kasachen. Sie wehren sich mit offizieller Empörung gegen die Einordnung als Witzvölkchen –und damit gegen eine Tendenz, die der britische Komiker Sacha Baron Cohen vorangetrieben hat, besser bekannt als Ali G. Eine der von Cohen gespielten Figuren heißt Borat Sagdiyev und stellt einen kasachischen TV-Moderator dar. Der erklärt bei seinen regelmäßigen TV-Auftritten (HBO) in Ostblockenglisch, dass in Kasachstan Wein aus fermentiertem Pferde-Urin produziert werde, die Zigeunerjagd immer noch ein beliebter Sport sei oder er singt kasachische Volkslieder antisemitischen Inhalts. Das alles erlangt moralisch zweideutigen aber dennoch großen Erfolg bei der MTV-Zielgruppe, für die Cohen zum Beispiel auch den Europe Music Awards als Borat Sagdiyev moderierte. Die kasachische Regierung schließt ihrerseits nicht aus: „Dass Herr Cohen irgendwelche politischen Befehle ausführt, indem er sich abfällig über unser Volk äußert.“, was auch nicht ohne Witz ist. Sie schaltete außerdem in der heutigen Ausgabe der New York Times eine vierseitige Anzeige. Unter der Überschrift „Kasachstan im 21. Jahrhundert“ werden dabei die industriellen und gesellschaftlichen Errungenschaften des neuntgrößten Landes der Erde aufgezeigt. Auf seiner Homepage distanzierte Borat sich postwendend von den politischen Anschuldigen mit den Worten: „Ich habe keinen Kontakt zu Mr. Cohen und unterstütze meine Regierung bei der Verklagung dieses Juden.“ Sieht also nicht so aus, als würde der Konflikt „Ali.G vs. Kasachstan“ besonders diplomatisch angegangen.

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