Klimaklicker: Braucht der Umweltschutz einen Song?

Das Umweltministerium lässt über den Soundtrack zum Klimaschutz abstimmen. Muss das sein?
dirk-vongehlen

Nie ging Politik einfacher. Seit das Thema Umweltschutz als cool gilt, wird an allen Ecken und Enden die Welt gerettet, der Treibhauseffekt gestoppt und "was getan". Letzteres seit vergangener Woche sehr wortreich auf klimaklicker.de. Die Website ist Bestandteil der Kampagne Klima sucht Schutz, die vom Bundesumweltministerum gefördert und von einer Gruppe namens co2online umgesetzt wird ("Die co2online gemeinnützige GmbH setzt sich für die Senkung des klimaschädlichen Kohlendioxid-Ausstoßes ein.") Ziel der Klimaklicker ist es, einen Song für den Umweltschutz auszuwählen. Dazu hat man folgende Bands gebeten, ein umweltfreundliches Lied aufzunehmen: Flowin ImmO ("Der Flow in ImmO ist kein Mensch. Beim Flow in ImmO geht es um den Fluss im Moment, aber auch um den fließenden Moment, daher der Name Flowin, der Fließende."), Nobelschrott ("Drei Mädels. Drei Instrumente. Rock hoch drei."), P.R. Kantate (Deren Seite ist nicht richtig verlinkt), Trikot ("entzückendes Berliner ElektroPop-Trio"), Nukular ("verstrahlter Säugling") und Mellow Mark, Pyro Merz, Ruffcats ("Sie gelten als Dreamteam auf sämtlichen Festival- und Clubbühnen und haben sich für 2008 vorgenommen, ihren Ruf als Live-Powerhouse noch zu übertreffen."). Alle Songs kannst du online anhören und wählen, welcher am besten ist.

Darüber hinaus kann man sich aber vor allem darüber informieren, warum die Bands mitmachen. Das fördert Weltbewegendes zu Tage, wie im Statement von Nukular, die feststellen: "Klimaschutz ist nen Thema, das geht uns alle was an. Wir alle Vollidioten lassen den Fernseher die ganze Nacht laufen, gehen irgendwie einkaufen, lassen alles an. Also ich mein, irgendwie ist das auch Panikmacherei. Ich mein, wenn jeder ein bisschen gescheit ist im Kopf, macht er seinen Fernseher aus." Diese engagierte Sinnfreiheit nimmt wenig Wunder, wenn man sich die "Statements" der so genannten Partner anhört. Dieser Expertenrat liefert steuerfinanzierte Erkenntnisse, deren Wert man noch gar nicht abschätzen kann. André Szatkowski (kulturALARM e.V.) beispielsweise lässt uns wissen: "Ich glaube, dass es möglich ist, eben die Basis, nämlich die jungen Menschen anzusprechen, die in der Zukunft ja auch maßgebend am Umweltschutz beteiligt werden. Und hier geht es ja nicht darum, direkt was zu tun. Eins zu eins. Umdenken beginnt nun mal zuerst im Kopf." Mit diesem Wissen ausgestattet, versteht man auch die Grundhaltung der Kampagne sehr viel besser. Sie zählt nämlich zu einer neuen Form von politischer Aktion, zu der Drüber-reden-Kampagne. Dazu müssen sich die Macher gar nichts mehr ausdenken. Sie schreiben ihr Marketing-Geschwurbel nicht mehr nur in die Präsentationen, mit denen sie dem Umweltministerium zeigen, wie toll ihre Ideen sind, sie schwurbeln es direkt auf die Website: "Die Kampagne „Klima sucht Schutz“ motiviert, sich aktiv am Klimaschutz zu beteiligen und dabei Geld zu sparen – mit interaktiven Ratgebern zum Energiesparen, Heizspiegeln zum regionalen Vergleich der Heizkosten, einem Quiz zum Klimaschutz sowie Portalpartnern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Politik." Das klingt nicht nur beruhigend, es wird auch bestimmt stimmen. Denn wenn man es hinschreibt, wird es ja automatisch auch so kommen. Völlig egal, ob merkwürdige Bands seltsame Songs einspielen: "Die Kampagne motivert." Schließlich gilt ab sofort: Umdenken beginnt nun mal zuerst im Kopf.

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