Kommt mir bekannt vor: Wenn Bands sich nach berühmten Personen bennenen

Sharon Stoned, Dolby Buster, Sir Simon Battle – sind das geniale Namensgebungen oder nur billige Kalauer?
malte-goebel

Der Anfang ist leicht gemacht: Instrumente kann man sich schnell umhängen, auf den Drums rumprügeln, ins Mikro röhren oder säuseln – aber wie soll das Projekt jetzt heißen? Die erste Bandkrise ist vorprogrammiert, noch vor dem ersten Auftritt. Dann nennt man sich nach Postern, die da rumhängen („Hund am Strand“) oder macht aus der Not eine Tugend („The Who?“, „No Use For A Name“) oder man greift auf ein anderes, ähnlich altes Konzept zurück: Prominame, leicht verändert – und heraus kommt ein Name, der ständig auf dem Grat zwischen genialer Wortschöpfung und Kalauer taumelt: Naomi Sample, Dolby Buster, Kate Mosh, Sharon Stoned, Sir Simon Battle. Wir haben mit ihnen gesprochen.

Fast schon prominent waren die Ostwestfalen Sharon Stoned, die es mit ihrem Independent-Gitarrenrock Mitte der 90er Jahre sogar zu einem Major-Plattendeal mit Sony brachten. Der Name war ein spontaner Einfall. „Ich hab das einfach auf die Demotapes geschrieben“, erinnert sich Schlagzeuger und Sänger Mark Kowarsch – ein neuer Name war nötig, nachdem der alte „Speed Niggs“ als rassistisch kritisiert wurde. Fans und Medien sprangen auf „Sharon Stoned“ total an, und als Sony anklopfte, war an eine neuerliche Namensänderung nicht mehr zu denken. „Wir fanden den Namen am Anfang selbst eher merkwürdig“, gibt Mark zu, „aber wir haben uns dann schnell daran gewöhnt. The Notwist und so sind auch keine Übernamen – irgendwann denkt da niemand drüber nach.“ Aber heute würde Mark seine Band nicht mehr so nennen: „Tortuga Bar“ heißt das aktuelle Projekt – „schon eine andere Liga“, findet er.

Sharon Stoned war nur der Anfang. Mike Witschi aus Lüneburg, der als Naomi Sample C64-Elektro-Frickel-Musik macht, erinnert sich: „Bei dem Einfall hab ich mir damals vor Lachen in die Hose gemacht und stundenlang selbst auf die Schulter geklopft.“ Ihm war schon klar, dass das mit den abgewandelten Modelnamen nichts Neues ist, aber: „Witz ist Witz.“ Zusätzlich reizte Mike die Idee des Genderfuck, als Vorbilder nennt er Alice Cooper und Marilyn Manson. „Das ist vielseitige Systemkritik und steckt prüden, verurteilenden Konservativen schön die Mauke in den Mund!“ Wobei der Name nicht nur Klamauk ist: Samples aus C64-Computerspielsounds sind das Herzstück der Musik von Naomi Sample.

Eine ähnlich bestechende Herleitung ihres Namens schaffen auch Dolby Buster aus Weilheim. „Dolby hat ja was mit Musik zu tun“, erklärt Taison Heiß, der gemeinsam mit Hometrainer die Elektromusik zusammensamplet, „und bei Buster haben wir mehr an die Ghostbusters gedacht.“ Also das Einfangen von Geistern? Oder eine Hommage an die 80er? Das will Taison, der auch mit Lali Puna und Portmanteau Elektro-Musik macht und in seinem Schwabinger Studio am liebsten Kinderhörspiele produziert, nicht verraten. „Auf jeden Fall polarisiert der Name. Die Leute finden es entweder cool oder scheiße. Meine Freundin fand den Namen zum Beispiel total scheiße.“

Eine lustige Laune war es auch, die den Berliner Indie-Musiker Simon Frontzek als Sir Simon Battle auftreten ließ. „Ein Freund von mir hat mich schon lange ‚Sir Simon’ genannt, natürlich in Anlehnung an Rattle“, erzählt Simon. Rattle ist seit 2002 Chefdirigent der Berliner Philharmoniker. Vor dem ersten Auftritt wurde „Sir Simon Battle“ dann kurzerhand auch als Bandname übernommen. „Ich fand das auch eine ganz gute Referenz wegen dem genrefremden Umfeld.“ Der Namensgeber fand die ganze Sache allerdings nicht so lustig. Im Gegensatz zu Sharon Stone, die sich über den Namen „Sharon Stoned“ angeblich sehr amüsiert hat und der Band sogar einen Brief schrieb, hat Sir Simon Rattle nicht viel übrig für Indie-Rock: Vor der Veröffentlichung des ersten Albums fühlte Simon sicherheitshalber doch vor, was der Dirigent zu dem Namen sagen könnte. Über einige Ecken kannte Simon den Mitbewohner des Sohns des Dirigenten, und der bekam kein gutes Feedback. „Her Majesty was not amused“, erzählt Simon mit Bedauern, „er fands halt nicht gut.“ Und so heißt die Band vorerst „Sir Simon“, dafür die Platte „Battle“. Trotzdem hofft Simon noch, einmal ein Gespräch mit dem Dirigenten führen zu können. „Ich glaube ja im Grunde auch, dass das ein guter Typ ist.“ Für die dritte Platte plant Simon Streicherarrangements – „und dann wird draufstehen: ‚Sir Simon Battle strings conducted by Sir Simon Rattle’.“ Wir drücken die Daumen!

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