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Konferenz der Wuschelmonster: Die Characters werden lebendig

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Es gibt sie in dick, dünn, groß, klein, zerzaust oder ganz ohne Haare, als wuschelige Hängebauchmonster, anorektische Punkt-Punkt-Komma-Strichmännchen, oder furchterregende Pixelroboter.

Grundlos fröhlich - ein Character springt nah am Wasser herum. Dabei dürfte das bekannteste Mitglied der Character-Sippe aber ein kleines unschuldig dreinblickendes Mädchen mit Uma-Thurman-Gedächtnis-Haarschnitt sein. Emily Strange, die ihren Erfinder mit einem ganzen Berg an T-Shirts, Pullovern, Rucksäcken und anderem Merchandisingartikeln mittlerweile reichgemacht haben dürfte. Auch in der neuen Opel Corsa-Werbung turnen niedliche Characters durchs Bild. Den Zeichenbrettern gelangweilter Grafik-Designer und ambitionierter Künstler entsprungen, trifft sich die seltsame Spezies der Characters und ihre Freunde und Förderer einmal im Jahr in Berlin bei der Pictoplasma Conference, die von Peter Thaler und Lars Denicke organisiert wird. Der Pressesprecher von Pictoplasma Guido Möbius sieht Characters als eine „nonverbale Bildsprache, die losgelöst von sämtlichen Zusammenhängen, auf nicht anderes als sich selbst verweisen“. Im Gegensatz zu Comicfiguren dienen sie auch keiner Erzählstruktur und sind in ihrer Grundidee auch keine kommerziellen Werbemaskottchen, obwohl sie immer mehr dazu benutzt werden. Mittlerweile führen die putzigen Kreaturen ein Eigenleben. Wer zwischen dem 11. und 14. Oktober durch Berlin läuft, sollte sich also nicht wundern, wenn Gordo, ein rotes Kuschelmonster, das von den amerikanischen Künstlern Friends With You erschaffen wurde, plötzlich an der Bushaltestelle steht, oder er die Characters Bimbo und Jean bei einer Partie Minigolf überrascht.

Solides Hobby - zwei Characters beim gemeinsamen Minigolf-Abenteuer Die vielen Gesichter die Character Design jenseits von Block und Zeichenstift angenommen hat, werden deutlich, wenn man auf die unterschiedlichen Herangehensweisen der unter diesem Label agierenden Künstler schaut. Die Argentinier Doma designen überdimensionale Vinylpuppen, der deutsche Künstler Boris Hoppek benutzt für seine minimalistischen Figuren auch gerne mal öffentliche Werbeflächen, und der US-Chinese Jiacong Jay Yan wird in Berlin die Zionskirche in seine Monster-Performance miteinbeziehen. Nachdem sie letztes Jahr beim Pictoplasma Filmfestival das Laufen lernten, treten die Characters unter dem Motto „Get into Character“ jetzt in die dreidimensionale Realwelt ein. Damit die armen Kerle nicht allein auf der Straße stehen, wurde den Characters mit der Pictoorphanage ein interaktives Waisenhaus gebaut, in dem man Characters ein Jahr lang adoptieren und sogar Ultraschallbilder seines Patenkindes einsehen kann. Während der Adoption melden sich die Characters bei ihren Pateneltern, schreiben Briefe, schicken Fotos und Postkarten.

Wie sieht es bei Characters zuhause aus? Und was trinken die? Während der Pictoplasma Conference kann der Besucher den Character Walk entdecken, der ihn zu Beginn durch 20 Galerien führt, die von den besten Character Designs aus aller Welt bevölkert sein werden, Vorträge und Ausstellungen besuchen oder bei der Abschlussparty zu den Karaoke-Klängen der Character-Band tanzen und auf Brüderschaft mit seinem Lieblingscharacter trinken. Nachdem sie das Licht der realen Welt erblickt haben, treffen sich die Characters bei der Pictoplasma Conference mit ihren Pateneltern und gehen mit ihnen Abendessen. Aber was trinken eigentlich Characters?

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