Linke fordern Cannabis-Clubs

Im Gesundheitsausschuss des Bundestags wird am Mittwoch über eine Legalisierung von Hanf diskutiert. Die Linke sagt: Verbote bringen nichts. Und schlagen deshalb eine umstrittene Regelung vor.
christian-helten

Ein Gewächshaus voll mit Hanfpflanzen, direkt neben der Polizeistation. Vor der Tür stehen ein Grüppchen und teilt sich einen Joint. Ein Bild, das in Deutschland derzeit unvorstellbar ist. Ginge es nach dem Willen der Linken, wäre es Alltag.



Die Partei fordert eine Änderung der deutschen Drogenpolitik. Sie will sogenannte Cannabis-Clubs einführen, in denen Konsumenten sich zusammentun und gemeinsam ihre Pflanzen züchten könnten – ein Modell, das in Spanien bereits zum Einsatz kommt. Der Antrag wird am Mittwoch in einer Expertenanhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestags diskutiert.

Nun wollen die Linken aber keine Kiffer-Republik. Sie sind nur nicht der Meinung, dass der bisherige Weg dazu führt, das Drogenproblem zu beseitigen. „Man kommt mit einem Verbot einfach nicht weiter“, sagt Frank Tempel, der drogenpolitische Sprecher der Linken im Bundestag. Er hat als ehemaliger Polizist selbst eine Anti-Rauschgiftgruppe geleitet. „Der Aufwand, der da betrieben wird, ist enorm, bringt aber zu wenig.“ Eine akzeptierende Drogenpolitik sei in Fachkreisen ja durchaus angesehen, und „sogar die Polizeigewerkschaft fordert ja neue Wege“. „Wir wollen Butter bei die Fische und haben jetzt mal einen Vorschlag gemacht“, so Tempel.

Diesem Vorschlag nach würde der Besitz zum Eigengebrauch bis zu einer Menge von 30 Gramm legalisiert. Die Cannabis-Clubs sollen eingetragene Vereine sein und nicht gewinnorientiert arbeiten. „Sobald mit den Substanzen Geld verdient wird, wird es problematisch“, sagt Tempel. In Holland sei das Kiffen durch die Coffee Shops kommerzialisiert und deswegen Cannabis mit immer höheren THC-Werten und höherem Suchtpotenzial gezüchtet worden. Da die Clubs nur für Volljährige zugänglich sein sollen, sei auch ein besserer Jugendschutz gewährleistet.

Ein Verbot von Cannabis ist nach Argumentation des Linke-Antrags für allerlei Probleme im Umgang mit Cannabis verantwortlich: So lange es verboten ist, muss der Konsument sich auf dem illegalen Markt eindecken. Wer beim unbekannten Dealer im Park kauft, hat aber keine Ahnung, ob der seine Ware mit gesundheitsgefährdenden Substanzen gestreckt hat. Und das Verbot spiele bei der Entscheidung für oder gegen das Kiffen ohnehin keine Rolle. „Gerade bei Jugendlichen ist das ziemlich unwichtig“, sagt Tempel. „Gesundheitliche Auswirkungen sind da schon entscheidender.“

Die Experten, die am Mittwoch im Ausschuss ihre Einschätzungen abgeben, sind geteilter Meinung, was den Vorschlag der Linken angeht. In den Statements, die vorab schon auf der Webseite des Deutschen Bundestags abzurufen waren, unterstützen manche das Vorhaben, andere sind strikt dagegen. Vor allem die Bundesregierung dürfte sich so schnell also nicht von einer neuen Drogenpolitik überzeugen lassen. „Ich halte wenig von solchen Cannabis-Clubs“, sagt die CDU-Abgeordnete Karin Maag. „Der THC-Wert von Cannabis wird seit zehn Jahren immer höher. Man hat es nicht in der Hand, ob in den Clubs nicht ähnliche Hochleistungssorten mit hohem THC-Wert und damit höherem Abhängigkeitspotenzial gezüchtet werden.“ Außerdem glaubt sie, dass im Umfeld solcher Clubs immer noch hohes Potenzial für Kriminalität bestehe und auch andere Drogen angeboten würden.

Text: christian-helten - Foto: pb / photocase.com

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