Marie von Stauffenberg über Tom Cruise und ihre Familie

Ein Abendessen bei Familie von Stauffenberg in einer Zeit, in der die halbe Nation darüber nachdenkt, ob Tom Cruise in einem Hollywood Film den Widerstandskämpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg spielen darf.
marie-vonstauffenberg

Wir sitzen am Tisch und mein Papa fragt mich, ob der Mann auf meinem T- Shirt Miles Davis ist, das tut er immer, dabei ist es Dr. Dre, aber das macht nichts. Unser Opa ist zu Besuch und später reden wir über Erfahrungen, die uns der Nachname von Stauffenberg bringt. Bruder 1 behauptet, er würde in Polizeikontrollen gleich netter behandelt, den Bruder 2 lieben alle Geschichtslehrer. Mein letztes Erlebnis, in Verbindung mit diesem Nachnamen, war die Aufforderung meines Mitschülers Joseph, die Dreharbeiten von „Valkyrie“ zu verbieten und Randale zu machen, weil Tom Cruise eben die Rolle des Claus von Stauffenberg übernimmt. Dazu muss man wissen: Claus war der Cousin meines Urgroßvaters, ich weiß nicht mal, was das dann von mir ist. Urgroßgroßcousin? Es wäre jedenfalls etwas vermessen, mich persönlich angegriffen zu fühlen. Ich berichte diesen Fall meiner Familie und dass mich die ganze Geschichte nicht übermäßig aufregt. ENTSETZEN! Tom Cruise, der ist doch Scientologe, verrückt ist er auch und ein ganz schlechter Schauspieler.

Der echte Claus von Stauffenberg links und rechts der Tom Cruise. (Foto:ddp) Ich habe nachgedacht und bin ganz ehrlich: Ich weiß gar nicht viel von Scientology, ich weiß nur, wie ein dummes Kind, dass das was Schlechtes ist. Tom Cruise ist Teil einer verrückten Sekte, mit der ich nichts zutun haben will. Dennoch ist das kein Grund für mich, mich als Teil des Stauffenbergstammes beschmutzt zu fühlen, gerade weil mein Verwandtschaftsgrad zu ihm so verschwommen ist. Was ich hingegen schade finde, ist, dass Amerika sich alles noch einmal extra machen muss. Anscheinend liegt dort ja ein gewisses Geschichtsversäumnis vor, aber wieso kann man sich dann nicht einfach den Film 'Stauffenberg' von Jo Baier anschauen? Wieso muss man da einen Kassenschlager draus machen? Oder aber, wieso drehen deutsche Regisseure nicht einen Stauffenbergfilm, der für andere Länder wirklich attraktiv ist? Im Radio fand ein kluger Typ: „Als Zuschauer hat man das Recht sich aufzuregen.“ Was soll das heißen? Ich glaube, dass Zuschauen in diesem Falle nach dem Aufregen passiert. Vor allem die Aufreger werden ins Kino rennen. Und dann kann man sich aufregen, weil man zu wenig unterhalten wurde, als Zuschauer, oder historisch zu wenig erfüllt, als Deutscher, oder so. Ich, als 'eine-mit-dem-Namen' werde mich nicht aufregen, ich als Zuschauer schon, wenn der Film schlecht wird. So wie das bei jedem Film sein kann. Aber eben nicht wegen Scientology. Dann eher noch wegen Mission Impossible 2. Unser Telefon klingelt und Radio Berlin ist dran. Ob mein Vater bereit zu einem kurzen Statement wäre. Als mein Vater sagt, er wäre gar nicht sehr nah mit Claus verwandt, fragt die Frau am anderen Ende: „Wer ist Claus?“

  • teilen
  • schließen