Matchball Becker: Tennisprofi Benni Becker hadert mit der Ukraine

Der Saarbrückener Benjamin Becker, 26, ist seit 2005 Tennisprofi und belegt derzeit Rang 74 der ATP-Weltrangliste - die ATP präsentiert bei 63 Turnieren in 30 Ländern Tennissport. Für jetzt.de schreibt Benjamin Tagebuch und beschreibt in seinem letzten Beitrag, wie schlimm Reisen sein kann. Wenn der Kopf in Saarbrücken, der Körper in der Ukraine und das Gepäck in Wien ist.
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Guten Tag aus Dnepropretovsk! Ja, Reisen ist etwas Schönes. Aufregend, jede Woche eine neue Stadt, oft ein neues Land und man sieht doch einfach viel von der Welt. Das ist so toll! Diese Sätze höre ich immer wieder, wenn mich fremde Menschen am Flughafen ansprechen. Unsere riesigen Sporttaschen mit Platz für Kleidung und vor allem einige Tennisschläger fallen eben auf und sind in Warteschlangen häufig Anlass zur Gesprächsaufnahme. Und ja, ich habe nun wieder eine dieser wunderbaren Reisen hinter mich gebracht. Schön war es. Und ich habe viel gesehen – von wegen! Immerhin bin ich nach einer gefühlten Woche an meinem Reiseziel angekommen. Beim letzten Regelturnier der diesjährigen Saison in der Ukraine. Aber der Reihe nach.

Aufschlag Becker. Geht aber nur, wenn das Gepäck da ist. Von meinem Heimatort im Saarland ging es mit dem Auto nach Frankfurt. Dort hatte mein Flugzeug Verspätung, also habe ich nach der Landung in Wien meinen Anschlussflug nach Dnepropretovsk verpasst. Da diese Stadt nicht unbedingt eine Weltmetropole ist, gibt es natürlich nur einen Flug am Tag. Also musste ich in Wien nach einem Hotel suchen, die Tasche wieder halb auspacken, am nächsten Morgen die Sachen wieder einpacken und zurück zum Flughafen Wien fahren. Nach dem Einschecken durfte ich mit den anderen Passagieren ganze drei Stunden am Gate warten, da es draußen stürmte und schneite. Gut, dafür kann Wien nichts und auch nicht der Flughafen, aber es war dennoch Langeweile pur. Ein paar Stunden später bin ich dann endlich in der Ukraine angekommen. Meine Geduld war so oder so schon lange verloren, da fehlte, richtig: mein Gepäck. Das wollte lieber mit zahlreichen anderen Koffern einen weiteren Tag in Wien verbringen. Großartig. Und wie war das noch? Es geht nur ein Flug am Tag in diese Stadt. Also durfte ich mal wieder warten und bin quasi nur zur Hälfte mit meinem Handgepäck im Spielerhotel gelandet. Ja, da hat man direkt gute Laune. Solche Missgeschicke passieren natürlich immer mal und normalerweise rege ich mich darüber nicht auf, aber muss es ausgerechnet jetzt sein? Aber irgendwie musste ich das Beste aus dieser nervigen Situation machen. Ich habe mir bei meinen Tenniskollegen ein paar T-Shirts und einen Schläger geliehen. Damit ich mal frische Klamotten tragen und auch eine Trainingseinheit in der Halle absolvieren konnte. Dafür hier noch mal Dankeschön an die Spender! Glücklicherweise war mein erstes Einzel erst für den Dienstag angesagt, so dass ich doch mit den eigenen Klamotten, Schuhen und vor allem meinem eigenen Schläger auf den Platz konnte. Denn so schnell hätte ich keinen Ersatz von meinen Sponsoren beschaffen können und besonders bei den Schuhen bin ich ein wenig abergläubisch. Also konnte ich dann doch mit meinen eigenen Sachen zum ersten Match auflaufen. Diesmal hat mich das Unglück auch nicht weiter verfolgt und ich konnte als Sieger vom Platz gehen. Vielleicht hatten die Geschehnisse letztendlich doch ihr Gutes und ich werde im Laufe des Turniers noch für die Missgeschicke der Anreise belohnt. Denn wie heißt es so schön? Pech in der Reise, Glück im Spiel. Viele Grüße Benni +++ Die Beiträge von Benjamin Becker: Hier geht es zum ersten Tagebucheintrag. Hier geht es zum zweiten Tagebucheintrag. Hier geht es zum dritten Tagebucheintrag.

Text: benjamin-becker - Foto: ap

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