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Me, Myself and I

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User aufgepasst! Tagebuchschreiber leben gefährlich. Psychologen an der Glasgower Caledonian University haben herausgefunden, dass Tagebuchschreiber durchschnittlich unter mehr Zipperlein leiden als ihre nicht-schreibenden Artgenossen. Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Verdauungsprobleme – die ganze Palette an halbschweren Leiden. Warum das so ist? Das New Scientist Magazine schreibt, eine Ursache könne im Wesen des Schreibers liegen. Der setzt sich nämlich am liebsten und dauernd mit sich selbst auseinander, brütet über seinen Problemen, schreibt sie nieder und fängt dann wieder von vorne an, sich mit sich selbst auseinander zu setzen. So etwas nennt man "vicious cycle", also fataler Zyklus. Die Erkenntnis könnte eine kleine Revolution auslösen, die Gesellschaft in ihren Grundfesten erschüttern. Wer bisher als sensibler, selbstreflektierter Autor galt, ist in Wahrheit nichts weiter als ein Schnorrer, der dem öffentlichen Gesundheitssystem auf der Tasche liegt. Ähnlich wie schon die Arbeitslosen könnten Tagebuchautoren zu den neuen Parias unserer Gesellschaft werden. Hunderttausende traumatisierte Opfer, die von ihren Therapeuten angehalten wurden, Erlebnisberichte zu verfassen, könnten Schadensersatz einklagen. Tagebuchschreiber, organisiert euch, bevor es zu spät ist – dies könnte schon bald kein sicherer Ort mehr für euch sein.

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