Medikamententest: ein lukrativer Nebenverdienst?

Die Verfilmung von John le Carrés „Der ewige Gärtner“ erzählt von den illegalen Machenschaften großer Pharmakonzerne in Afrika.
michele-loetzner

Die Verfilmung von John le Carrés „Der ewige Gärtner“ erzählt von den illegalen Machenschaften großer Pharmakonzerne in Afrika. Dass damit nicht nur ein fiktiver Stoff behandelt wird, belegt die Existenz der "Buko" Pharma-Kampagne mit Sitz in Bielefeld. Das ist eine Vereinigung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Arzneimittelherstellern auf die Finger zu sehen und Missstände anzuklagen. Besonderes Augenmerk legt "Buko" auf Medikamententests am Menschen - im Film werden sie ohne Kenntnis der Beteiligten durchgeführt. In Europa sind Medikamententests nach wie vor den strengen Regeln des Arzneimittelgesetzes unterworfen. Bevor in Deutschland ein neues Medikament am Menschen getestet werden kann, durchläuft es jahrelange Tests im Reagenzglas, an Zellkulturen und letztlich auch an Tieren. Erst wenn dem Medikament Erfolgschancen prognostiziert werden, kommt die eigentliche Arzneimittelprüfung am Menschen. Die muss zuvor jedoch von einer Ethikkommission genehmigt werden. In dieser Kommission sitzen Vertreter verschiedener Bereiche, also sowohl Ärzte und Forscher als auch Soziologen und Rechtswissenschaftler. Stimmen diese einem Versuch an Menschen zu, geben die Arzneimittelhersteller eine Studie bei einem pharmazeutischen Research-Institut in Auftrag. Das Pharmaunternehmen selbst führt keine Tests durch. Die Institute werben unterschiedlich um Probanden, entweder auf ihren Websites oder durch Mundpropaganda Verena ist so eine Probandin. Die 25-jährige Pädagogikstudentin ist durch Bekannte auf ein Research-Institut aufmerksam geworden und nimmt nun schon seit einigen Jahren immer wieder an Arzneimitteltests teil um den Inhalt ihres Geldbeutels aufzubessern. Meistens sind es Schmerzmittel, die sie an sich testen lässt. Damit sie vor ein paar Jahren überhaupt in die Kartei des Instituts aufgenommen werden konnte, musste sich Verena eines kompletten Gesundheitschecks unterziehen. Nur wer gesund ist oder wessen Krankheiten bekannt und verwertbar sind, kommt für einen Test in Frage. Natürlich nicht jeder für jeden. Verena muss regelmäßig im Institut vorbeikommen, um sich untersuchen zu lassen. So weiß das Institut immer über den Gesundheitszustand der einzelnen Probanden bescheid. Für Verena ist das gleichzeitig auch praktisch, denn für diese Checks muss sie nichts bezahlen. Wenn ein Medikament getestet wird, bekommt Verena einen Anruf und wird gefragt, ob sie teilnehmen möchte. Ihr wird ausführlich erklärt, was getestet wird und welche Risiken und Auflagen damit verbunden sind. Die Schmerzmittelstudien bei denen Verena mitmacht, laufen meistens über einen Zeitraum von drei bis sechs Wochen. Hat sie sich für die Teilnahme entschieden, muss sie ab Beginn der Studie einmal pro Woche in das Institut kommen und sowohl ihr Blut als auch ihren Urin untersuchen lassen. Bei diesem Treffen wird auch detailliert festgehalten, ob sie Beschwerden oder Nebenwirkungen bemerkt hat. Das Protokoll findet allein mit einem Versuchsbetreuer des Instituts statt. Oft werden die Probanden in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine nimmt wirklich das Medikament ein, die andere nur ein Placebo. Ob Verena zur wirklichen Testgruppe gehört oder zur sogenannten Blindgruppe, erfährt sie erst im Nachhinein. Bei jedem Treffen wird auch kontrolliert, ob sie sich an die Auflagen gehalten hat. Hätte sie zum Beispiel verbotenerweise Alkohol zu sich genommen, verfiele ihr Anspruch auf das Honorar. Dieses Honrar ist natürlich der Hauptgrund, warum Verena an den Studien teilnimmt. Im Schnitt bekommt sie für eine sechswöchige Schmerzmittelstudie um die 1000 Euro. Für diese Summe müsste sie woanders viel mehr arbeiten, sagt sie, und sich einmal pro Woche untersuchen lassen raubt nicht so viel Zeit. Angst vor starken Nebenwirkungen oder Langzeitschäden hat sie nicht. „Auf der ganzen Welt nehmen Menschen täglich über einen längeren Zeitraum Schmerzmittel und denen passiert auch nichts“, sagt sie. Während ihrer Zeit als Versuchskaninchen, wie sie sich selber nennt, sind ihr auch schon Probanden begegnet, die es übertrieben und sich ihren Körper mit Medikamenten kaputt gemacht haben. In Deutschland, erzählt sie, bilden die Institute ein Netzwerk untereinander, um zu kontrollieren, dass niemand gleichzeitig an zwei oder mehreren Studien teilnimmt. Manche finden aber immer wieder Schlupflöcher und gehen zum Beispiel zu Instituten in die Schweiz. Von solchem Verhalten nimmt Verena Abstand, ihre Gesundheit ist ihr wichtiger als das Geld und außerdem würde durch die Einnahme von anderen Mitteln die Testergebnisse verfälscht. Ihre Probandenkarriere möchte sie auf alle Fälle noch weiterführen, bis sie ihr Studium beendet hat. Danach möchte sie ihr Geld gerne anders verdienen.

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