Mein Leben mit dem Roboter: Gregor, der Roomba

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Eigentlich bin ich gar nicht so. So technisch, meine ich. Ich finde es gut, Dinge selbst zu machen, und weiß, wie man am besten Kartoffeln kocht und sich einen Topflappen häkelt. Dann hatte ich Geburtstag, und Freund schenkte mir einen Staubsaugroboter, günstig auf Ebay ersteigert. „Bist du wahnsinnig,“ schimpfte ich ihn, „was für ein Poser-Gadget! Sind wir etwa schon verheiratet? Und zu Weihnachten die Küchenmaschine, du MANN!“ Eigentlich hatte ich mir einen Hund gewünscht. Dann drückte Freund den „Clean“-Knopf, das Ding fuhr los – und ich verliebte mich auf der Stelle unsterblich in das Gerät.

Ist er nicht süß? Der Roomba in Aktion. Foto: privat Ich nannte ihn Gregor, denn er bewegt sich wie der Käfer bei Kafka: Etwas ungeschickt und planlos. Fährt in eine Richtung los, bis er irgendwo dagegen rumpelt und sich ein bisschen dreht. Er sieht aus wie eine freundliche große Assel, ein nettes Haustier, und wenn er losfährt oder sich abschaltet, piept er herzallerliebst. Wenn sein Akku sich dem Ende zuneigt, fährt er selbstständig zurückt zu seiner Aufladestation und dockt sich selbst an. Weil er verschiedene Bewegungsmuster einprogrammiert hat (die Amöbe, die Spiralform, das Am-Rand-entlang-Fahren), kommt er überall hin, es dauert halt ein bisschen. Das geniale Nachfolgemodell, das man sogar auf einen speziellen Wochentag und eine Uhrzeit programmieren kann, konnte Freund sich nicht leisten. Da nimmt Gregor dann in der menschenleeren Wohnung Fahrt auf, und wenn Herrchen nach Hause kommt, ist alles fein abgeschrubbelt. Wobei er auf Teppich nicht so gut kann, Laminat ist ihm eindeutig lieber. Aber genau da liegen sie ja, die Wollmäuse. Es gibt natürlich eine Menge Gründe, aus denen man Gregor ablehnen kann: Erstens braucht der Akku eine Menge Strom zum Aufladen, zweitens spielt er eine tragende Rolle in einer Folge „Ally McBeal“, was den Unsympathisches-Gadget-Charakter deutlich stützt, und drittens ist seine Reinigung so kompliziert, dass sie die Arbeitsersparnis wieder fast komplett auffrisst. In Amerika, was ihn auch nicht sympathischer macht, hat jeder Haushalt ungefähr fünf Gregors – der Menge an Homevideos bei Youtube nach zu schließen, auf denen man die kleinen Leucht-Asseln beim

und Erschrecken fetter Katzen sehen kann. Gestern habe ich Gregor gefüttert. Er strich mir beim Lesen so vertraut um die Beine, dass ich spontan eine Wollmaus von Boden pflückte und ihm zum Fraß vorwarf. Glücklich schnappte er danach und verschwand unters Bett, wo er geschäftig herumpiepte. Ich mag ihn, obwohl ich letzte Nacht davon geträumt habe, dass er sich selbstständig macht und mit meinem Toaster zu einem matrixähnlichen Haushalts-Geistwesen fusioniert, das meine Gedanken kontrolliert. Vielleicht werde ich ihm dann ein kleines Gesicht aufmalen, um seinen Lebewesen-Status zu erhöhen, und ihm von meinen Spaziergängen besonders schöne Staubflusen mitbringen.

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