Meine Traumberufe

Zu einer Biografie gehören nicht nur Schulabschlüsse und Wohnorte, sondern auch Produkte, Frisuren und Moden. Heute schreibt Franziska über ihre Traumberufe.
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[b]Tierärztin[/b]

Meine beste Freundin hatte im Kindesalter immer den Traum, Eisverkäuferin zu werden, um alle Eissorten wann immer sie mag essen zu können. Ich hingegen war im Vorschulalter weniger von Eiskugeln beeindruckt als von Tieren. Seitdem ich Dackel von Pudeln unterscheiden konnte, war mein Traumjob für mich klar: Tierärztin. Unsere Nachbarin hatte Dolly, einen Hund aus der Caesar-Hundefutterwerbung, mit dem ich spazieren gehen durfte. Ich spielte mit Dolly, wusch und kämmte ihr die Haare. Insgesamt waren meine freien Stunden mit Tieren ausgefüllt. Aufgrund dieser Affinität beschloss ich, später mal eine große Tierarztpraxis zu gründen. Eine doch relativ naive Vorstellung. Als mein Meerschweinchen, Pauline, krank wurde und vor meinen Augen von einer Tierärztin eingeschläfert werden musste, wurde mir bewusst, dass ich nie das Leben von Tieren beenden könnte. Ein Tier einschläfern. Das schien mir zu weltfern.


[b]Modedesignerin[/b]

Im Kunstunterricht in der 8. Klasse hatte jeder Schüler die Aufgabe, über seinen Lieblingskünstler zu referieren. In dieser Zeit war mein Schreibtisch überfüllt mit Glamour- und Cosmopolitian-Magazinen, aus denen ich mir die schönsten Kleider ausschnitt und daraus eine Art Catwalk auf Pappe bastelte. Vor allem faszinierten mich die Werke vom damaligen Dior-Designer John Galliano, über den ich auch mein Referat hielt. Galliano faszinierte mich aus vielen Gründen. Bevor er den Durchbruch als Designer schaffte, lebte er auf der Straße und entwickelte später Outfits für ein Londoner Theater. Sein Mix aus extravaganten kunstvollen Schnitten und seine Fashionshows, die einem Theaterstück ähnelten, lösten schließlich auch in mir eine Passion fürs Kreative aus. Ich zeichnete meine eigenen Kollektionen und hatte den Vorsatz, Gallianos Assistentin zu werden. Das Schneidern dabei war für mich allerdings die kniffeligste Aufgabe.


[b]DJ[/b]

Auf Partys bin ich schon immer gerne gegangen – wie fast jeder Teenager. Nur ist es suboptimal, wenn die Musik eigentlich gar nicht deinem Geschmack entspricht. Kein Wunder, wer DJ Sandwich oder Hans Olo heißt, kann doch keine gute Musik auflegen. Eine Folge der schlechten Musik war es, dass, je mehr Wir sind Helden, Captain Jack und Linkin Park durch die Boxen dröhnte, desto mehr stieg auch mein Alkoholpegel, und ab einem gewissen Zeitpunkt liegt man entweder mit irgendeinem Typen in der Ecke oder findet sich mit der schlechten Musik ab. Beide Fälle laufen auf kein befriedigendes Gefühl auf dem Nachhauseweg hinaus. Darum kam mir die super Idee, DJ zu werden, um meine Freunde und mich und die ganzen anderen Leute zu bereinigen. Mit Sex Pistols, Kraftwerk, MDSLKTR, Booka Shade und Tocotronic. Dann würden alle rufen: Hey Mr. DJ put a record on. I wanna dance with my baby.


[b]Schauspielerin[/b]

„Und dann hat Anna Peter betrogen, weil er mit Marie geschlafen hat. Und Sophie ist schwanger von ihrem heimlichen Bruder. Und Mandy ist lesbisch.“ Ungefähr unter diesem GZSZ-Kontext liefen einige Gespräche meiner „Clique“ ab. GZSZ war „die“ Serie für meine Freundinnen. Ich war mit 15 Jahren doch viel mehr an Friends interessiert und somit der Outsider. Doch aufgrund dieser Soaps wollten viele Mädels, mit denen ich zu tun hatte, Schauspielerinnen werden. Um auch mal neben Jeanette Biedermann zu spielen. Ich war wohl die einzige, die aus ernsthafteren Gründen auf die Schauspielschule wollte. Um Theater zu spielen. Ich wollte Menschen im Publikum begeistern. Nach sechs Jahren Schauspielunterricht am Theater und einer kleinen Statistenrolle in Faust, wuchs meine Lust immer höher, auf die Schauspielschule zu gehen. Die Dogmen des harten Trainingsgangs sollten mich nicht daran hindern.


[b]Journalistin[/b]

Nun, schon fast am Ende meiner postpubertären Phase, weiß ich, in welchem Beruf ich Erfüllung finde: in der Ausübung des Journalismus. Durch freie Arbeit bei einem Musikmagazin und einem Praktikum in einer Onlineredaktion habe ich einige journalistische Erfahrungen gesammelt und immer mehr den Zugang zum Journalismus gefunden. Recherchearbeit und Interviews, die ich auch schon im Studium ausgeführt habe, legten quasi den Grundstein für meinen jetzigen Wunsch. Geschrieben habe ich schon immer sehr viel, von Songtexten hin zu Geschichten und Tagebüchern. Ich mag fiktionale Texte, aber auch kritische, polemische, die sich mit der Realität auseinandersetzen. Wie ich letztendlich dazu komme, bleibt offen. Ob mich die Journalistenschule dabei begleitet oder diverse Studien und das nötige Quantum Glück, wird die Zeit zeigen.

Text: franziska-finkenstein - Illustrationen: Katharina Bitzl

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