Menschenrechte lernen

Menschenrechtsverletzungen sind im Irak immer noch an der Tagesordnung. Am Montag berichtete amnesty international (ai) von 14.000 Menschen, die von den US-geführten Truppen im Irak seit drei Jahren ohne Anklage und Gerichtsverfahren festgehalten werden. Viele Häftlinge wurden nach ai-Angaben misshandelt und gefoltert. Nicht zuletzt wegen dieser Zahlen wollen die UNO und auch ai das Fach „Menschenrechtsbildung“ an Schulen salonfähig machen.
jula-doebner
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Illustration: Julia Schubert

Die Bilder der misshandelten Häftlinge in irakischen Gefängnissen schockieren die Welt. Zu sehen sind US-Soldaten, die auf brutale Weise ihre Macht demonstrieren – Menschenrechtverletzungen aus dem Land der Demokratie. Carsten Jürgensen ist Mitarbeiter der internationalen ai-Zentrale in London und stellte am Montag den Bericht „Beyond Abu Ghraib: Detention and torture in Iraq“ vor. Ergebnis: Die Menschenrechtssituation im Irak ist verheerend. Weder die multinationalen Truppen noch die Iraker hätten ausreichende Sicherheitsmaßnahmen geschaffen, um Menschenrechtsverletzungen zu verhindern. Seit ihrem Einmarsch im Irak 2003 haben die US-geführten Truppen bis zu 14.000 Menschen ohne Anklage willkürlich festgehalten und verletzten damit die internationalen Menschenrechtsstandards. Doch der Irak ist nur das Paradebeispiel: Verletzungen der Menschenrechte sind weltweit zu beobachten. In Großbritannien erließ das britische Innenministerium für mehrere Personen einen "Hausarrest" - ohne Anklage und Gerichtsverfahren, nur weil die Menschen als "nationales Sicherheitsrisiko“ eingestuft wurden. In der Türkei sind erfolterte Geständnisse vor Gericht weiterhin als Beweismittel zugelassen und im Sudan werden Flüchtlinge aus der Krisenregion Darfur immer wieder Opfer von Menschenrechtsverletzungen. Vor diesem Hintergrund gewinnt das Fach „Menschenrechtsbildung“ neue Bedeutung: Menschenrechte als Teil der Erziehung und Bildung. Laut Amnesty kennen weniger als vier Prozent der deutschen Bevölkerung die internationalen Menschenrechtsstandards und Wege, sie durchzusetzen. Schon 2005 forderte ai eine weltweite Aktion zur Menschenrechtsbildung an Schulen und staatlichen Ausbildungsstellen. Die UNO hat sich nun der „Menschenrechtsbildung“ angenommen und am vergangenen Donnerstag das „Weltaktionsprogramm zur Menschenrechtsbildung“ gestartet. Im Rahmen dieses Programms läuft seit Montag an der Universität Magdeburg ein „Online-Kurs zur Menschenrechtsbildung“. Es handelt sich um den ersten deutschsprachigen, internetbasierten Kurs dieser Art. Leiter ist Karl-Peter Fritzsche, Inhaber des UNESCO-Lehrstuhls für Menschenrechte an der Uni Magdeburg. In dem Kurs wird Lehrern und Dozenten Grundlegendes über Menschenrechte beigebracht: Welche Institutionen und Akteure sind wichtig? Was genau ist Menschenrechtsbildung? Wie sieht die nationale und internationale Menschenrechtssituation aus? Wie wird gegen Verstöße vorgegangen? Was für politische Konsequenzen hat die Missachtung der Menschenrechte für eine Regierung? Frauenrechte, Kinderrechte oder die Rechte der Flüchtlinge werden eingehender besprochen. Amnesty bastelt derweil an der Menschenrechtsbildung für die Schule. Voraussichtlich Ende 2006 soll der erste Kurs für Jugendliche stattfinden: Die Schüler lernen, was hinter den Begriffen Menschenrechte oder Diskriminierung steckt, sie sollen ihre Rechte kennen lernen - und sich in Kampagnen und Aktionen aktiv gegen Menschenrechtsverletzungen einsetzen.

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