Meta-Love-Man im Schrank: R. Kellys lustige RnB-Oper ist fertig

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R. Kelly musste an seinem Ruf arbeiten. Und zwar ordentlich. Vorwiegend durch Schnulzen (I believe I can fly, I Wish...) und diverse Kindersex-Prozesse bekannt, wagte er sich 2005 an eine neue Art der Vermarktung: Die so genannte Hip-Hopera. Er schrieb das Drehbuch für seine eigene Seifenoper mit Musik, produzierte das Ganze, spielte fünf der männlichen Rollen inklusive Hauptfigur selbst, sang und komponierte auch den Soundtrack – jeder Song ein „Chapter“ der Reihe.

Fleissig: R. Kelly. Foto: ap Diesen August ist der zweite Teil der insgesamt 23 Kapitel von Trapped in the Closet fertig geworden – stückweise auf

einsehbar. Es handelt sich um eine fiktionale Mischung aus Sex und äh, Musik über Sex. Es spielen viele schöne Frauen mit, nicht ganz so viele teure Autos sowie zwei nicht so schöne Frauen, damit auch für die Ekel-Witze gesorgt ist. Nebenbei gibt es noch Schießereien und einen Kleinwüchsigen, der das Minderheiten-Spaßobjekt markieren soll. Der Plot, in welchem ein One-Night-Stand für eine Kettenreaktion sorgt, ist von einer labyrinthischen Verschlungenheit: Der Held Sylvester (Kelly) beglückt eine Discobekanntschaft, deren Ehemann Rufus, ein Pfarrer, überraschend nach Hause kommt, woraufhin sich Sylvester im Schrank versteckt. Jetzt macht das Ehepaar miteinander rum, während das Mobiltelefon Sylvesters klingelt, was zu seiner Entdeckung führt. Er zieht die Waffe, drückt jedoch nicht ab, weil Rufus gesteht, selbst eine Affäre mit seinem Diakon zu haben, der sich wiederum als Liebhaber der Freundin von Sylvesters Ehefrau Gwendolyn herausstellt, die eine Affäre mit dem Polizisten hat, der Sylvester ein Knöllchen verpasste und dessen Frau ihn mit dem gut bestückten Kleinwüchsigen betrügt, der... und so fort, bis zu den gerade erschienenen Kapiteln 13-23. Die Art, wie bei Trapped in the Closet mittels Cliffhanger ein Song an den nächsten gereiht wird, hat der Hip-Hopera eine Menge Medienrummel beschert und Fans, wie sie treuer nicht sein könnten. Exemplarisch ist die Open-Source-Fanpage Trappedinthecloset.wetpaint.com, auf der alle Zusammenhänge bis ins Detail aufgedröselt werden. Schließlich ist es ein cleverer Schachzug, eingängige Musik mit einer Seifenoper zu verbinden. Kelly kann sich nicht nur gleichzeitig in Auge und Ohr schmeicheln, sondern Filmchen und Album auch getrennt vermarkten – die Verkaufszahlen der mittlerweile zwei TitC-DVDs sind vermutlich höher, als sie für Alben mit reiner Kellyschen Sangeskunst wären. Der US-amerikanischen Seite Slate.com ist es zu einfach, R. Kelly als Macher dümmlicher Knittelvers-Liebeslieder hinzustellen. In Trapped in the Closet mutiere er vielmehr sogar zum „Meta-Love-Man“, denn er singe nicht nur über Liebe, sondern eine Stufe reflektierter über jemanden, der über Liebe singt. Das klingt jetzt alles ziemlich lustig. Hervorzuheben ist jedoch, dass R. Kelly himself sein verrapptes Epos gar nicht lustig meint – was als schönste Comedy à la Bill Cosby für Erwachsene daherkommt, soll tatsächlich nur gediegenes Vehikel für die neuen Songs sein. Und ein Manifest gegen Ehebruch, dessen üble Folgen drastisch aufgezeigt werden. Trotzdem, R.: Ganz große Oper.

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