Mittwoch, 5. Mai 2004

L'Age d'Or Bitte vorne anstella! Das war ja doch spannend: Was für eine Platte macht die, äh, renommierte Hamburger Band Stella, kurz nachdem über Deutschland das Elektroclash-Gewitter einfältig hinwegfegte? Wie positioniert sich Masterfrau Elena Lange mit ihren Jungs zwischen den grellen Typinnen von Spillsbury und Mia? Diese Damen kochen ja alle durchaus mit ähnlichen Zutaten, wenn sie Synthies, Gitarren und Parolen vermengen.
max-scharnigg
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Illustration: Julia Schubert

L'Age d'Or Bitte vorne anstella! Das war ja doch spannend: Was für eine Platte macht die, äh, renommierte Hamburger Band Stella, kurz nachdem über Deutschland das Elektroclash-Gewitter einfältig hinwegfegte? Wie positioniert sich Masterfrau Elena Lange mit ihren Jungs zwischen den grellen Typinnen von Spillsbury und Mia? Diese Damen kochen ja alle durchaus mit ähnlichen Zutaten, wenn sie Synthies, Gitarren und Parolen vermengen. Nun, Stella lassen die anderen mit „Better Days Sounds Great“ an der Disco-Ampel stehen, wie ein Bentley einen getunten Opel stehen lässt: Mit Klasse! Alter Adel eben, der mit 14 großen Liedern souverän die Tanzfläche absteckt. Langes Big-Mouth-Tendenz aus Extralife-Zeiten hat sich hier in absoluten Wohlklang aufgelöst und trotzdem fehlt es nicht an Bissigkeit. Thies Mynther und Mense Reents, die elektronischen Derwische, veredeln hinter ihr die 1A-Melodien, als würde es nichts kosten. Das Intro zu „Take Me Back To Tokyo“ mit diesem dramatischem Schlossgespenst-Piano und der Blumfeld-Gitarre kann man in Gold gießen und Freunden schenken, die solche Kleinode sammeln. Auf vereinnahmende Hooklines waren Stella ja auch immer schon irgendwie abonniert, aber diesmal übertreiben sie es ein bisschen: Nach dem ersten Durchlauf drei Parallel-Ohrwürmer („Tonight“, „Goodbye Popkids“ und das hammerbräsige „Woman With A Beard“). Das überfordert. Deppen-Fazit: Extrem smooth dieses Pop-Dancealbum! Ja. Der Titel ist allerdings ein bisschen einfältig, glaube ich. Aber mindestens ein ganz prima Rocksong ist dafür auch noch drauf. Und als Konzertbesucher kann man ruhig sein Moloko-Shirt anlassen. „Better Days Sounds Great“ ist diese Woche bei L’age D’or erschienen.

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