Musikvideos im Netz

Seit MTV sich nicht mehr dem Senden vom Musikclips verpflichtet fühlt, fehlt uns das Prinzip einer Clip-Rotation. Wir haben vier Angebote für Musikfernsehen im Netz besucht.
max-scharnigg

Tape.tv Was es ist: Ein schön einfaches Konzept - Musikvideos laufen auf dieser URL und sonst nichts. Sie starten sobald man auf der Seite ist und sind mit den üblichen Funktionen zu bedienen. Das Bild ist stattlich aufgelöst und ist auch auf gesamter Bildschirmgröße noch erträglich. Was läuft: Es gibt acht Genres, die zumindest nominal einen ziemlich weiten Musikbereich abdecken. Tatsächlich scheint das neu gestartete Portal noch kein allzu großes Video-Archiv zu haben, jedenfalls wiederholen sich die Clips ziemlich schnell. Nett ist, dass auch immer wieder Live-Aufnahmen dabei sind und auch Klassiker. Trotzdem, allzu innovativ ist die Musikauswahl nicht und damit auch die Videoclips – Avantgardisten bleiben hier eher hungrig. Zwischendurch laufen auch mal Werbespots, aber ziemlich kurz und nicht allzu anstrengend. Was fehlt: Ein bisschen Aufregung, mehr und abseitigere Videos MTV-Nachfolger? Das Konzept spricht dafür, die Mainstream-Nähe der Clips, die Werbung und all das - kommt hin.


Yahoo! Musik Was es ist: Teil der aufgefrischte Abteilung "Video" beim Großportal. Von reduziert und einfach kann eher keine Rede sein, es dschungelt hier von schwurbeligen Begriffen und Labels, bis man dort hinfindet, wo es was zu sehen gibt. Unter dem Begriff "Networks" kommt man an Playlists, die ein Player abspielt – auch in hübscher Vollbildqualität, allerdings liefen die Videos im Testbetrieb auf dem Rechner mit mehreren geöffneten Programmen eher ruckelig. Die Bedienung und Optik nähert sich YouTube an, auch eingebunden werden können die einzelnen Videos. Was läuft: Die Yahoo-Playlists versammeln sehr anständig und für jeden Geschmack jeweils einige hundert Videos unter sich. Dabei durchaus auch kleinere Acts und ziemlich neue Clips. Ziemlich brauchbares Archiv. Was fehlt: Unübersichtlich ist hier noch einiges und intuitiv leider wenig. Vor allem sucht man ständig nach Titel und Bandname des aktuellen Clips, die irgendwie stets sehr gut versteckt werden oder gar nicht mehr auffindbar sind. MTV-Nachfolger? Dafür ein bisschen zu sehr in die Yahoo-Matrix eingebunden, aber dank ordentlicher Auswahl immerhin auch als eine Art Hintergrundradio mit Visuals verwendbar.


motortv.de Was es ist: Ein PopUp-Musikfernseh-Fenster, angeschlossen an das Motor-Musiknetzwerk. Einmal dort angekommen funktioniert der Stream flüssig und die Playlist ist übersichtlich daneben. Leider kann man nicht skippen, so dass der ein oder andere Hardrock-Brecher hier entweder ertragen wird oder per Lautstärkeregler ausgeblendet Was läuft: Hier ist man auf Indie und die engeren Alternativen dazu spezialisiert. Außerdem schreibt man sich auf die Motor-Mütze, dass auch jüngere und ganz frische Acts hier präsentiert werden. Die Mischung ist interessant, allerdings ist der Hörer, wie angedeutet, nur passiv beteiligt und der einen Playlist ausgeliefert. Die ist wirklich abwechslunsgreich und gelungen – zumindest wenn man gefühlvolle Soul-Nummern und dicke HipHopper nicht zum Seelenheil braucht. Zwischen den Clips gibt es Jingles und Interviewschnipsel mit den gespielten Bands Was fehlt: Vielleicht noch ein bisschen mehr Hochkarätiges im Angebot. Oder eben die Skipp-Funktion. MTV-Nachfolger? Irgendwie schon, schließlich war man vor dem Fernseher ja auch nur passiv dabei und musste hoffen, dass was Gutes läuft. Die kleinen Interviewbeiträge auf motor.tv stören zwar den puristischen Musikdurchlauf, lockern aber auch auf.


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