Musikvideos: schon lange Kunst

Auf dem Kurzfilmfestival Oberhausen wird bald der Preis für das beste deutsche Musikvideo verliehen. Anlass genug, eine subjektive Liste mit großartigen Clips anzulegen
jetzt-redaktion

Bei den 54. internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen vom 1. bis 6. Mai wird in diesem Jahr zum zehnten Mal der MuVi-Preis vergeben. Online können seit 2001 alle Interessierten über das beste Musik-Video Deutschlands entscheiden. Zu Beginn vor zehn Jahren war die Entscheidung, Musikvideos mit in das Festival zu nehmen, umstritten, doch seitdem hat sich das Genre immer weiter entwickelt und gilt heute nicht mehr als Werbeclip, sondern als eigenständige Kunstform.

Regisseure wie Michel Gondry und Spike Jonze sind über das Musikvideo zum Spielfilm gekommen. Und gleichzeitig geht der Platz für Musikvideos immer weiter verloren. Die beiden Musiksender in Deutschland, MTV und VIVA, senden nur noch zu nachtschlafenden Zeiten Clips, stattdessen zeigen sie Reality-Shows zweifelhaften Inhalts. Über Youtube kann dafür jeder alle Clips immer anschauen. So hat sich ein riesiges Online-Archiv entwickelt und dadurch kann man immer mehr entdecken. Noch bis zum 1. Mai kannst auch du beim Muvi-Award über den besten deutschen Video-Clip abstimmen. Unter anderem stehen Videos von The Notwist und Erdmöbel zur Auswahl. Die jetzt-Redaktion hat auf den nächsten Seite ihre eigenen Lieblings-Clips zusammen gestellt.


Der tolle Christopher Walken sitzt erschöpft in seiner Business-Verkleidung in einem Hotel-Foyer. Da - plötzlich - fängt die Musik an zu spielen und Walken an zu tanzen. Das Video ist weder neu, noch besonders wild. Aber es macht bei jedem schauen wieder Spaß!


Das Vermächtnis des “Man in Black”. Johnny Cash und seine Frau June sind in diesem morbiden Video ein letztes Mal zusammen zu sehen. Es ist auch Cashs letztes Video. Man sieht einen alten Mann, der die Stationen seines Lebens Revue passieren lässt. Zu der unglaublich ergreifenden Version des Nine Inch Nail-Songs. Das ist schrecklich traurig und schrecklich schön.


Ein Party-Abend aus der Sicht eines Ich-Erzählers: Erst Kokain, massenweise Alkohol und Prügeleien, dann Kotz-Orgien und schließlich Sex mit einer Stripperin. Das Bild schwankt ab der zweiten Minute, am Ende gibt's eine Überraschung. Dieses Wahnsinns-Video macht kirre.


Eine Hälfte läuft rückwärts, die andere vorwärts, und in der Mitte kommt Alles zusammen. Auch wenn man lange darüber nachdenkt: Es gibt keinen Sinn. Oder doch? Regie führte bei diesem Video Michel Gondry.


Chris Cunningham ist so etwas wie der Gott der Musikvideofilmer; er drehte Videos für Madonna und arbeitete mit Stanley Kubrick zusammen – seine besten Arbeiten aber sind seine Videos für Aphex Twin: 1997 erschien das verstörende „Come to Daddy“ und zwei Jahre später „Windowlicker“: Zunächst legen sich zwei Schwarze mit Prostituierten an, bis plötzlich eine weiße Limousine vorfährt. Der Mann im Auto ist übrigens Aphex Twin selbst. In den folgenden acht Minuten taucht er öfter auf, als man ihn erwartet. Richtig spukig wird es ab Minute 7:50.


Notwist: Where in This World Ein gutes Musikvideo funktioniert wie ein Flugzeug für den Song. Es kann das Lied zum Fliegen bringen. Wenn es gut gemacht ist, hebt der Song ab, schwebt und erreicht eine neue Dimension. In dem Clip zu "Where in This World" zeigen Sandra Hüller und August Diehl genau das. Sie bringen den Song vom neuen Notwist-Album zum Fliegen. Auf der Website der Kurzfilmtage kannst du den Clip anschauen.

  • teilen
  • schließen