Nachruf aufs DRM: Der Kopierschutz für Songs ist tot

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Nein, es gab keine aufwendigen Präsentationen und auch keine bahnbrechenden Produkte und doch war die diesjährige Macworld Expo bedeutsamer als zahlreiche Apple-Produktschauen zuvor. Denn es wurde ein Tod bekanntgegeben, der angekündigt war und den wohl nur wenige Musikfreunde bedauern werden: Der DRM (Digitales Rechtemanagement) genannte Kopierschutz im iTunes-Store ist Geschichte – zumindest für Musik. Apple als weltweit wichtigster Musikhändler wird auf diese digitale Fußfessel für Songs künftig verzichten und damit den Konkurrenten Amazon (September 2007) und Wal-Mart (September 2008) folgen, die sich bereits vom Kopierschutz verabschiedet haben.

Statt Steve Jobs war der Vize-Präsident Philip Schiller auf der Bühne bei der Macworld Expo in San Francisco und statt neuer Produkte gab es in diesem Jahr einen Nachruf: DRM ist tot. Foto: reuters Bei Apple gekaufte Musik wird künftig also wieder frei verfügbar und auf unterschiedlichen Playern abspielbar sein. Das ist nicht nur wegen der enormen Verbreitung des iTunes-Stores interessant, sondern vor allem weil es die Musik auf all den iPods befreit, die musikinteressierte Menschen so durch die Gegend tragen - jedenfalls die Musik, die man ab sofort bei Apple kauft. Die bereits erworbenen Songs muss man gegen eine Aktualisierungs-Gebühr vom Kopierschutz befreien lassen (kostet 30 Cent bzw. 30 Prozent des Kaufpreises). Dafür wird auch die Kompressionsrate der Dateien erhöht (256 Kilobit pro Sekunde) und mit nur einem Mausklick lassen sich die Songs in klassische MP3-Dateien verwandeln. Trotzdem empören sich Nutzer überall auf der Welt über diese Zusatzgebühr. Ihr Argument: Wenn man anerkenne, dass die Einführung eines Kopierschutzes ein Fehler war, sei das ein guter Schritt. Man könne aber nicht die Nutzer zur Kasse bitten, um diesen Fehler zu beheben. Die Nachricht vom Tod des Kopierschutzes fällt zusammen mit der Ankündigung des Verbandes der US-amerikanischen Musikindustrie, künftig auf Klagen gegen illegale Tauschbörsen-Nutzung verzichten zu wollen. Bereits im vergangenen Herbst hatten die Generalstaatsanwälte in Nordrhein-Westfalen angekündigt, illegale Downloads nicht mehr strafrechtlich zu verfolgen. Es mehren sich also die Anzeichen, dass der Plan, auf die Veränderungen der Digitalisierung mit Verboten und Repressalien zu reagieren, als gescheitert angesehen werden kann. Bleibt die Frage, ob diese Erkenntnis sich auch auf andere Medien wie Filme oder Serien übertragen wird.

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