Neun mal Charles Bukowski

Foto: dpa 1: „Sicher ich habe keinen großen Ehrgeiz, es sollte aber auch für Menschen ohne Ehrgeiz einen Platz geben.
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Illustration: Julia Schubert

Foto: dpa 1: „Sicher ich habe keinen großen Ehrgeiz, es sollte aber auch für Menschen ohne Ehrgeiz einen Platz geben.“ (aus: Faktotum von Charles Bukowski) 2: Charles Bukowski wurde am 16. August 1920 im deutschen Andernach als Heinrich Karl Bukowski geboren. Seine Eltern waren der US-Sergeant Henry Charles Bukowski und die Deutsche Katherine Fett. Zwei Jahre später zog die Familie nach Los Angeles. 3: Nach einem Journalismus-Studium am L.A. City College hatte Bukowski jahrelang diverse Jobs in diversen Städten: Leichenwäscher, Tankwart, Werbetexter für ein Luxusbordell, Nachtportier, Sportreporter, Hafenarbeiter, Zuhälter und Briefsortierer. Ab den 50er Jahren arbeitete er fest bei der amerikanischen Postbehörde bis er seinen Job als Briefsortierer 1970 kündigte, um fortan ausschließlich vom Schreiben zu leben. 4: Jeder fühlt sich irgendwann einmal in seinem Leben wie Hank Chinasky, das Alter Ego von Charles Bukowski: Unverstanden, sich am Boden der Gesellschaft mit dreckigen kleinen Jobs über Wasser haltend, mehr trinkend als einem lieb ist und umgeben von Mitmenschen, die man nicht unbedingt zum Sonntagskaffee nach Hause einladen sollte. Bukowski funktioniert erstaunlicherweise für jeden, selbst für Durchschnittsmenschen mit Durchschnittsleben. 5: Bukowski begann schon als Teenager zu schreiben, seine erste Veröffentlichung hatte er im Alter von 24 Jahren in der Zeitschrift „Stories“. Aber erst mit 35 gelang ihm der Durchbruch, er wurde von anderen Schriftstellern geehrt und konnte vor allem in Europa eine große Leserschaft und Fangemeinde gewinnen. Sein Werk umfasst über 40 Romane, Kurzgeschichten-Bände und Gedichtbände. 6: Empfehlenswerte Anlese-Literatur: Das Schlimmste kommt noch oder fast eine Jugend, im ersten Teil seiner Autobiografie erzählt Charles Bukowski von seiner unglücklichen Kindheit und Jugend, inklusive schlimmster Akne, einem tyrannischen Vater und seinem unfreiwilligen Dasein als Außenseiter in der amerikanischen Mittelklasse-Welt der 30er und 40er Jahre. Sowie Aufzeichnungen eines Außenseiters, eine Sammlung seiner frühen Erzählungen. 7: Am 18. Mai 1978 gab Charles Bukowski seine erste und einzige Lesung in Deutschland in der Markthalle Hamburg. Mit auf der Bühne: ein Kühlschrank, randvoll mit Bier, auf dass der Alkoholvorrat nicht ausgehe. 8: Charles Bukowski starb am 9. März 1994 an Leukämie, er liegt auf dem Friedhof in San Pedro, einem Stadtteil im Südwesten von Los Angeles, begraben. 9: Heute kommt der Film Factotum ins Kino. Regisseur Bent Hamer (Kitchen Stories) erzählt darin in Episoden aus dem Leben des Streuners Hank Chinaski (Matt Dillon – die erste Wahl war jedoch ursprünglich Sean Penn gewesen), der mit seiner Lebensgefährtin Jan (Indie-Heldin Lili Taylor), vielen Flaschen Schnaps und einer Menge Gelegenheitsjobs das Gegenteil des amerikanischen Traums lebt. Andere gute Bukowski-Filme: „Born Into This“ (Dokumentation) und „Barfly“ (mit Bukowski-Nachfolger Mickey Rourke), in dem er eine kleine Statisten-Rolle als Trinker in einer Bar hatte. Nach den Dreharbeiten verarbeitete er seine Erfahrungen in dem Roman Hollywood.

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