Nur heiße Luft: Die entäuschendsten Technik-Hypes

Wenn man Werbung beim Wort nehmen könnte, lebten wir längst im Paradies. Leider halten nur wenige Produkte und Technologien das, was sie versprechen. Ein Fachmagazin hat jetzt den Preis "VaporWare" für das enttäuschendste Tech-Gerät ausgerufen. Wir hätten da auch ein paar Vorschläge.
tobias-moorstedt

Die Zukunft wird schön. So steht es schwarz auf weiß in den vielen Pressemitteilungen von Hightech- oder Unterhaltungsfirmen, die hier jeden Tag aus Faxgeräten heraus und in Email-Konten hinein strömen. Neue Geräte, Applikationen, Software-Updates, globale Standards. Bunter schneller toller. Wenn die Industrie bei ihren Ankündigungen nie gelogen hätte, dann würden wir im Jahr 2006 längst mit Raketenrucksack und Wasserstoffautos einem goldenen Zeitalter entgegen düsen. „Aber viele Produkte und Services werden verspätet oder nie veröffentlicht“, schreibt das Technologie-Magazin „Wired“, das nun den Anti-Award „VaporWare“ ausgerufen hat: die Auszeichnung erhält jene Technologie, die sich am besten vaporisiert, in Luft aufgelöst oder ihre Verheißungen am weitesten verfehlt hat. Seit einigen Tagen diskutieren die Wired-Leser in einem Blog über würdige Nominierungen. Hier kann man berichten über das Gerät, das einen am meisten enttäuscht hat, über das Programm mit den meisten Bugs, also mit goldenen Ananas und roten Laternen um sich schmeißen, und die Debatte um ein paar deutsche Beiträge bereichern. Schließlich kennt man sich in diesem Land aus mit dem Versagen, dem Zu-Spät-Kommen und Scheitern. jetzt.de fallen einstweilen auch fünf Tech-Produkte ein, die nicht gehalten haben, was sie versprachen – oder erst gar nicht erst auftauchten. * DAB: (eng. für Digital Audio Broadcasting), auch „das digitale Radio“. Wurde zwischen 1987 und 2000 mit Hilfe von EU-Fördergeldern entwickelt und soll die Alternative zum UKW-Radio werden. Einziges Problem: beim DAB passen zwar ein paar Dutzend Sender in den Frequenzbereich zwischen 30 Megahertz und drei Gigahertz. Vom offenen Kanal Kreuzberg bis zum Intellektuellen-Zirkel - es ist für alle Platz. Es hört aber niemand zu. In Deutschland wurden bislang nur 200 000 Empfänger verkauft.

"Oh Playstation im Äther, erfülle alle unsere Träume: Technologie auf dem Altar. Oft folgt die Enttäuschung. *Blu Ray Disc: Sündenbock der Generation Playstation. Wird von einem europäisch-asiatischen Firmen-Konsortium fabriziert und gilt neben der HD-DVD als mögliches Nachfolge-Produkt der DVD. Der Name geht auf einen blauen Laser zurück, mit dessen Hilfe man bis zu 200 Gigabyte von einer Disc herunter laden kann. Ein Blu Ray-Laufwerk ist das Kernstück von Sonys Playstation 3. Weil jedoch die Herstellung des Lasers so aufwändig ist, verpasste der Konzern das lukrative Weihnachtsgeschäft und steckt nun tief in der Krise. * Push-2-Talk: In den USA fühlt man sich bei einer U-Bahn-Fahrt zur Zeit wie auf einer Mondexpedition. Nicht etwa wegen der rauschenden Geschwindigkeit oder der Raumanzüge der Mitreisenden, sondern wegen des permanenten Rauschens und Knisterns, welches diese Handy-Zusatzfunktion verursacht. Mit P2T kann man mit einem Knopfdruck Sprachnachrichten an mehrere Empfänger schicken. Wie bei einem Walkie-Talkie. Nur wenig später scheppert die Antwort aus dem Lautsprecher des Mobiltelefons. Es ist ein Rückschritt in die Zeit der Funkfüchse. Und deshalb erfolglos. In Deutschland wird der Service nur von T-Mobile für einige Nokia-Geräte angeboten. * Transrapid: Auf dem Münchner Flughafen steht bereits ein Transrapid-Modell in Lebensgröße vor dem Terminal 2. Ob der Superzug dort wirklich mal einschweben wird, scheint trotz des Beharrens der CDU immer unwahrscheinlich. Seit dem tödlichen Transrapid-Unglück auf der Teststrecke hat die Magnetschwebebahn ein massives Image-Problem, gilt nun nicht mehr allein als unrentabel und exportunfähig, sondern auch noch als unsicher und lebensgefährlich. Der Unfall hatte mit der Technologie zwar nichts zu tun, aber manchmal haben eben auch gute Ideen keinen Erfolg. Die Welt ist ungerecht. *„Starcraft: Ghosts“: Verschollenes Sequel des legendären „World of Warcraft“-Zwillings „Starcraft“, ein Echtzeit-Rollenspiel, das in einer düsteren Science-Fiction-Welt spielt, und als eines der besten Spiele aller Zeiten gilt. In Korea führt „Starcraft“ seit sechs Jahren Platz eins der Verkaufscharts an. Der Nachfolger „Starcraft: Ghosts“ wurde bereits für 2003 angekündigt. Nach diversen internen Probleme beim Hersteller Blizzard, Kündigungswellen, Intrigen und Gerichtsverfahren wurde der Veröffentlichungstermin immer weiter verschoben und irgendwann zum Running Gag der Videospiel-Szene. Die letzte Presseerklärung kündigt den Spiele-Release für „Herbst 2006“ an. Aber der ist nun auch schon fast wieder vorbei.

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