Ohlalala, Toy Fight! Gutgelaunte, französische Pfadfinder

In Frankreich dürfen endlich mehr Indie-Bands mit englischsprachigen Texten berühmt werden. Jetzt zum Beispiel lassen Toy Fight aus Paris aufhorchen.
erik-brandt-hoege

Französische Indiepop-Gruppen hatten es viel zu lange viel zu schwer. Dass Formationen wie The Dømehr als nur die Stars einer kleinen Pariser Szene werden, ja sogar die nationalen Charts anführen dürfen, wäre bis vor ein paar Jahren kaum denkbar gewesen. Selbst die von Beginn an recht massentauglichen Phoenix eroberten erst mal internationale Märkte, bevor es für sie auch Zuhause kommerziell klappte. Der Pool der talentierten Gruppen war immer groß, nur hatte die französische Musikindustrie einfach keine Lust auf Gitarre spielende Trainingsjackenschluffis, die zu allem Überfluss ihre Songs noch nicht mal auf Französisch singen wollten. Mittlerweile hat sich viel verändert, zum Positiven. Während die oben genannten Bands jetzt geradezu als Volkshelden umjubelt werden, bekommen nun auch immer mehr talentierte Newcomer aus dem Indie-Bereich die Möglichkeit, sich im eigenen Land zu beweisen – und das gerne auch auf Englisch. Eine der vielversprechendsten derzeitigen Entdeckungen ist Toy Fight . Als Trio 2003 gegründet, hat sich die Pariser Band das Aufnehmen von Spielzeuginstrumenten auf einem alten 8-Spurgerät zum Hobby gemacht, programmierte Beats und Bässe hinzugefügt und sich damit im Internet präsentiert. Ihre heutige Plattenfirma City Slang fand’s toll, wollte mehr und hat die mittlerweile zu sechst auftretenden Mitzwanziger dazu ermutigt, an ihrem Songwriting zu feilen und ein ganzes Album zu produzieren. Das hat seine Zeit bebraucht, denn Sebastien, Maxime, David, El Bert, Jaune! and Mina mussten nebenher noch studieren und arbeiten. Jetzt ist ihr Full-Length-Debüt fertig: „Peplum“ (benannt nach antiken italienischen Abenteuerfilmen). Video gibt's noch nicht, nur hier ein kleines Durcheinander:

Weg vom Kinderzimmer-Sound und hin zu luftigem Folk-Pop, klingen Toy-Fight darauf wie prima gelaunte Pfadfinder beim Sommerausflug. Niedlich-beflügelte Melodien schlängeln sich durch die Akustikarrangements, manchmal fiepen ein paar Synthies dazu, oder ein Glockenspiel setzt ein und unterstreicht die faszinierende Kindlichkeit dieser Platte. Interessant sind auch die Toy-Fight-Texte, die alle in der Band schreiben dürfen, und auf denen während der Entstehungsphase von „Peplum“ ein besonderer Fokus lag . „Als wir mit Toy Fight anfingen“, sagt Sebastien, „haben wir uns nicht darauf konzentriert, mit den Lyrics etwas ganz Starkes und Tiefgehendes auszudrücken. Die Lyrics waren eher eine Illustration der Musik – nicht umgekehrt. Jetzt ist das anders.“ Lustig hierbei, dass manche Songs schlicht von sich selbst handeln, sich quasi erklären und analysieren. Sebastien: „Wenn man darauf achtet, kann man schnell herausfinden, welche Songs David geschrieben hat, denn er spricht immer davon, was in seinen Songs passiert. Das ist sein Lieblingsthema.“ Kleines Beispiel: „Here I come, verse number one / I am an easy melody, just for fans / I got 35 sec' to spin a couple of chords / 25 to be left overboard / Of course, I build musical machines / I sing along anagram dances / On the fits, on the starts, on the blanks / But too late, it's the edge again” (aus “Minute Song”). Dass Toy Fight ausschließlich englischsprachige Stücke schreiben, erklärt Sebastien, liege vor allem daran, dass sie sich auf Französisch nur unnötig unter Druck setzen würden, sich möglichst poetisch auszudrücken. Auf Englisch könne man eben „viel relaxter an die Sachen rangehen.“

„Peplum“ von Toy Fight erscheint heute auf City Slang.

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