Ohne Worte

Wenn Clowns sterben ist das immer besonders schlimm.
max-scharnigg

Wenn Clowns sterben ist das immer besonders schlimm. Weil die Fallhöhe so hoch ist: Vom ganz Lustigen zum ganz Traurigen. Diese Woche sind gleich zwei zeichnende Clowns gestorben und beide sind sie im selben Zirkus aufgetreten. Der leisere von beiden war Bernd Pfarr, der für die „Titanic“ jahrelang eine Doppelseite mit den großartigen Abenteuern eines Buchhalters bemalte. Dieser dicke „Sondermann“ erlebte an seinem Schreibtisch die unwürdigsten Abenteuer, hatte Giraffen als Stehlampen oder eine kleines Kackehäufchen auf dem Tisch. Was man sah und nicht verstand, erklärte Bernd Pfarr unter dem Bild mit sachlichem Wahnsinn. Am Dienstag ist er im Alter von nur 45 Jahren verstorben. Nur wenige Seiten hinter dem liebenswerten Sondermann gab es in der „Titanic“ eine Autobahnausfahrt auf der stand „Last Exit Sossenheim“. Und dort bog man ab, in die herrlich triste Welt des Chlodwig Poth. Auf zwei Seiten schraffierte er mit feinem Stift Einsichten in die Provinzhölle. Schlecht angezogene Menschen mit Gedankenblasen zum Davonlaufen und sehr echt. Natürlich hat Poth, er starb im Alter von 75 Jahren, davor noch viel mehr gemacht, hat haufenweise illustriert, karikiert und nicht nur die „Titanic“ mitbegründet, sondern auch deren Vorgänger, das legendäre „Pardon“. Was die beiden noch alles bewirkt haben, in der „Neuen Frankfurter Schule“, das kann man ja heute aus den Feuilletons googeln. Hier sind zwei Menschen gestorben, die über lange Zeit die einzigen Gründe für den Kauf einer Satirezeitung waren. Und dass sie jetzt einfach so weg sind und nicht mehr ihre Bilder zeichnen können, ist tatsächlich nicht nur schlicht traurig. Es ist ohne sie, und das wiegt schwerer: nicht mehr lustig. Die Online-Auftritte von Bernd Pfarr und Chlodwig Poth

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